Objekt des Monats
aus dem Museum der Sternwarte Kremsmünster
Februar 2001
Darstellung des ehemaligen Windrichtungsmessers auf einem alten Kupferstich
Der ehemalige Windrichtungsmesser
Dieses Mal wird ein Objekt besprochen, das nur mehr auf alten Bildern zu finden ist. Ein eigenartiges galgenförmiges Gebilde findet sich nämlich auf fast allen alten Darstellungen der Sternwarte. Es handelt sich dabei um einen Windrichtungsmesser, dessen Windfahne in Form eines Kometen gestaltet war.
In der Beschreibung der Sternwarte von P. Laurenz Doberschiz (1764) findet sich darüber bei der Schilderung des Astronomischen Saales Folgendes:
29. Eine Windrose auf der Höhe in dem Gewölbe, als wodurch die eiserne Stange gehet, an welcher der Zeiger geheftet ist, und auf welcher zu oberst des Thurnes der Windfahn in der Figure eines Cometens stecket, und von allen Winden sich läßt hin und her zu allen Seiten drehen.
und dann bei der Beschreibung der obersten Plattform der Sternwarte:
(§10.) Der höchste Spitz endlich, so aus allen hervorraget, ist jener Windfahn, wovon eben schon bei Anführung der Windrose unter den astronomischen Instrumenten und Maschinen (n. 29) Meldung geschahe. Dieser Wetterhahn steckt in der Figure eines Cometens auf einer eisernen Stange, die aber nicht in linea recta, sondern nach vielen und starken Krümmungen endlich jenes Blatt in dem Boden des astronomischen Saales erreichet, woran der bewegliche Zeiger gestecket ist.
Über die Windrichtungsanzeige in der Mitte des 19. Jhs. erfahren wir von P. Augustin Reslhuber in seiner Beschreibung der Sternwarte vom Jahre 1856: "An dem Thürmchen III ist eine sieben Klafter hohe Stange befestiget; diese trägt an ihrem obersten Ende ein acht Ellen langes fußbreites Band zur Beobachtung der Windesrichtung. Bei besonderen Festen oder bei Anwesenheit hoher Gäste weht an der selben eine mächtige Flagge mit den erzherzoglichen Farben." (S. 8)
Diese Darstellung gibt uns Gelegenheit, die Geschicht der meteorologischen Station an der Sternwarte Kremsmünster in kurzen Zügen vorzustellen.
| Zeittafel zur Geschichte der meteorologischen und geophysikalischen Beobachtungen an der Sternwarte Kremsmünster | |
|---|---|
| 1747 | "Mathematische Stube" |
| 1748-1758 | Erbauung der Sternwarte: Abt Alexander III Fixlmillner |
| P. Anselm Desing (Ensdorf/Bayern) | |
| P. Nonnosus Stadler | |
| 1758-1761 | Leitung der Sternwarte: P. Eugen Dobler (Irsee/Schwaben) |
| Einrichtung der Sternwarte | |
| 1761-1791 | 1. Direktor P. Placidus Fixlmillner |
| 1762 | Beginn der Wetterchronik |
| Eintragungen: Temperatur, Luftdruck, Windrichtung, Wettercharakteristik | |
| Messort: NNE-Fenster, 1. Stock der Sternwarte | |
| 1784 | Beginn der Luftfeuchtigkeitsmessung |
| 1791-1824 | 2. Direktor P. Thaddäus Derflinger |
| Station leidet unter den Franzosenkriegen | |
| 1820 | Beginn der Niederschlagsmessungen |
| 1821 | Beginn der Verdunstungsmessungen |
| 1823 | Windwaage für Messung der Windstärke |
| 1824-1830 | 3. Direktor P. Bonifaz Schwarzenbrunner |
| Holzmann'sches Metallthermometer mit Maximum- und Minimumanzeige | |
| 1830-1847 | 4. Direktor P. Marian Koller |
| 10 Beobachtungstermine täglich | |
| 1836 | Eckhart-Thermograph (Extremtemperaturen) |
| Beginn der magnetischen Beobachtungen | |
| Erste klimatologische Arbeiten | |
| 1847 | Koller wird Ministerialrat im Kulturministerium |
| 1847-1873 | 5. Direktor P. Augustin Reslhuber |
| 1851 | Gründung der k.k. Central-Anstalt für Meteorologie und Erdmagnetismus in Wien durch Karl Kreil in Zusammenarbeit mit seinem Kremsmünsterer Lehrer P. Marian Koller |
| 1852 | Kreil-Thermograph |
| Beginn der Ozonmessung | |
| 1864 | Kreil-Barograph |
| Jährliche Veröffentlichung der Messergebnisse | |
| 1873-1882 | 6. Direktor P. Gabriel Strasser |
| Umstellung auf das metrische System | |
| 1878 | Elektrische Windregistrierung |
| 1882-1895 | 7. Direktor P. Coloman Wagner |
| 1882 | Stationsverlegung in den Konventgarten (I und II) Parallelregistrierung (Garten - 1. Stock) |
| 1883 | Sonnenschein-Autograph nach Champbell |
| 1895-1906 | 8. Direktor P. Franz Schwab |
| Strahlungsmessung | |
| Registrierung der Luftelektrizität | |
| 1897 | Beginn der Erdbebenregistrierung |
| 1906-1947 | 9. Direktor P. Thiemo Schwarz |
| Synoptische Meldungen | |
| 1941-1945 | Kloster von den Nazis aufgehoben; |
| P. Thiemo betreibt die Station eigenständig | |
| 1947-1994 | 10. Direktor P. Ansgar Rabenalt |
| Stationserneuerung | |
| 1952 | Conrad-Seismograph |
| 1973 | Sprengnether Vertikal-Seismometer S-5100-V |
| 1985 | Umweltmessungen |
| 1985 | METEOSAT-Empfangsanlage |
| 1987 | Teilautomatisierung durch Installation einer TAWES-Anlage |
| seit 1995 | 11. Direktor P. Amand Kraml |
AUSTALLER, Hermann 1988: Die Temperaturreihe von Kremsmünster, Dissertation Universität Wien, Wien.
DOBERSCHITZ, P. Laurenz 1764: Specula Cremifanensis, MS CCn 1048 (Herausgegeben von P. Amand Kraml als Heft Nr. 40 der Berichte des Anselm Desing Vereins, Februar 1999)
KRAML, P. Amand, 2001: Geschichte der Wetterbeobachtung in Kremsmünster, Festvortrag anläßlich der Jahresversammlung der Österreichischen Gesellschaft für Meteorologie, ÖGM-bulletin 2001/1, Wien, 4-10
RESLHUBER, P. Augustin 1856: Die Sternwarte Kremsmünster, in: Der Oberösterreicher, 3. Jg., Linz
(c) P. Amand Kraml, 2001-12-29