Ad gloriam Altissimi –
Geschichte der Wetterbeobachtung in Kremsmünster
Diese Internetseite ist die Zusammenfassung eines Vortrags von P. Amand Kraml, gehalten für die ÖGM an der
ZAMG am 29. März 2001.
Er wurde im ÖGM bulletin 2001 veröffentlicht. Hier werden die Ergänzungen und die Links auf unsere Objekte des
Monats und die Biographie-Seite der Sternwarte eingefügt.
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Kupferstich aus P. Placidus Fixlmillers
Acta Astronomica Cremifanensia
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Ad gloriam Altissimi et bonarumque disciplinarum ornamentum hanc speculam posuit Alexander III Abbas
Cremifanensis anno M DCC LVIII lautet die Aufschrift auf der Tafel über dem Eingangsportal der
Sternwarte in Kremsmünster. Das selbe Motto – Zur Ehre des Höchsten - stellt auch
P. Placidus
Fixlmillner (1721 - 1791) über das Titelkupfer seiner Acta Astronomica Cremifanensia (erschienen 1791).
So verstehen die Benediktiner von Kremsmünster ihre naturwissenschaftliche Tätigkeit an der
Sternwarte als besondere Form eines „Ehrenamtes“.
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P. Placidus Fixlmillner
1. Direktor der Sternwarte
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Die Beobachtung von Naturerscheinungen hat in den Klöstern eine lange Tradition. In der Zeit der
Aufklärung wird gerade in Kremsmünster – in Verbindung mit der Benediktineruniversität Salzburg –
den Naturwissenschaften große Aufmerksamkeit geschenkt. Der Plan, hier eine Sternwarte zu errichten,
ging von dem Benediktinerpater Anselm Desing (1699 - 1772) aus Ensdorf aus. Er bemühte sich darum,
in einem der Klöster Bayerns oder Österreichs, die sich in der Salzburger Konföderation
zusammengeschlossen hatten, diesen Plan zu verwirklichen. Abt Alexander Fixlmillner
(Abt: 1731 – 1759)
lud Desing ein, in Kremsmünster an der Errichtung einer Ritterakademie
mitzuwirken. P. Anselm lieferte
sowohl für die Ritterakademie die pädagogischen wie für die Sternwarte die architektonischen Pläne.
Bereits im Vorfeld der Errichtung der Sternwarte, die als Observatorium und Universalmuseum konzipiert war,
wurde P. Eugen Dobler (1714 - 1796) auf Desings Vorschlag aus dem bayrischen Kloster Irsee nach
Kremsmünster berufen, um eine „Mathematische Stube“ einzurichten. In diesem Physikkabinett gab es
unter vielen Geräten auch solche für die Wetterbeobachtung.
P. Marian Pachmayr (1728 – 1805), 1754 –58
selbst Prof. der Mathematik und Experimentalphilosophie an der Ritterakademie) führt Barometer und
Thermometer an. Ein besonderes Stück war dabei ein Säulenbarometer, das
Abt Martin Resch (Abt: 1704 – 1709)
bei dem Welser Glasermeister Halbl 1705 anfertigen ließ. Es wurde bei der Einrichtung der Sternwarte
mit den übrigen Sammlungsobjekten der „Mathematischen Stube“ dorthin übersiedelt.
P. Laurenz Doberschitz (1734 - 1799) verdanken wir eine
frühe Beschreibung der gesamten Sternwarte mit all
ihren Objekten aus dem Jahre 1764. Im physikalischen Kabinett führt er an: Verschiedene Thermometra,
um den Grad der Kälthe des Lufts zu bestimmen. Im astronomischen Saal zählt er auf: Ein Thermometrum,
oder Instrument, dadurch man die Wärme abmessen kann, das ist, die Verhältnisse eines gegeben Grades
Wärme zu einem anderen gegeben Grade zu finden. z. E. Wie viel die Sonne heut wärmer scheint als vor
14 Tagen. Dieses Instrument ist mit Spiritus vini gefüllet. Von P. Eugenio mit der Aufschrift:
Thermometre de M. de Reaumur. Ein Barometrum, oder Wettersager. Zudem erfahren wir von einer
eigenartigen
Windfahne auf der Sternwarte: Der höchste Spitz endlich, so aus allen hervorraget, ist jener Windfahn ...
Dieser Wetterhahn steckt in der Figure eines Cometens auf einer eisernen Stange, die aber nicht in linea recta,
sondern nach vielen und starken Krümmungen endlich jenes Blatt in dem Boden des astronomischen Saales erreichet,
woran der bewegliche Zeiger gestecket ist. Sehr bald dürfte auch das Wasserbarometer mit 10 m langer
Wassersäule eingerichtet worden sein.
Als Beobachtungsstelle für die Messung der Temperatur und des Luftdrucks wurde das nach Norden gerichtete
Fenster im ersten Stock erwählt. Gleich daneben waren Wohnung und Werkstatt des Sternwartemechanikers,
sodass diese Gegebenheit wohl die Wahl bestimmte.
Bis zum heutigen Tag wird dieses Fenster und die dahinter gelegene Fensternische als „Wetterkammerl“
genutzt.
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Johann B. Illinger, "Turmhansl"
Mechaniker der Sternwarte
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Am 28. Dezember 1762 beginnen die Eintragungen der Wetterbeobachtungen. Für diesen Tag notiert
P. Placidus Fixlmillner Thermometrum: -12, frigus maximus, Barometrum: 27° 2’. Er führt die
Aufzeichnungen in lateinischer Sprache bis zum 31. Mai 1763 fort. Dann ist es Aufgabe des
Sternwartemechanikers Johann Bapt. Illinger (1724 – 1800),
die Wetterwerte aufzuzeichnen.
Der „Turmhansl“ – wie er unter den Leuten hieß – machte seine Eintragungen in deutscher Sprache.
Und zwar wurden anfänglich jeweils um Mittag ein Temperaturwert und ein Barometerwert, dazu eine
knappe Beschreibung des Wetterverlaufes notiert. 1784 werden zwei Hygrometerwerte hinzugefügt und
die Ablesetermine werden auf 8 Uhr, 12 Uhr und 16 Uhr festgesetzt. Im Mai 1794 (14. auf 15.) tritt
bei den Beobachtungsterminen eine Änderung ein. Als neue Zeiten werden 6, 12 und 18 Uhr fixiert.
Diese Änderung wurde schon unter dem Nachfolger Fixlmillners,
P. Thaddäus Derflinger
(auch Derfflinger, 1748 -1824) vorgenommen. Unter seiner Amtszeit finden wir die ersten
statistischen Aufstellungen von Wetterbeobachtungen. In seine Amtszeit fällt auch die mehrmalige
Besetzung des Stiftes durch die Franzosen. Die französischen Offiziere hatten großes Interesse an
der Ausstattung der Sternwarte. Am 24. Februar 1806 findet sich als Eintragung im Meteorologischen
Tagebuch: Heute Nachmittag ist der in dem Vorhaus befindliche Thermometer von den Franzosen
gestohlen worden. Zu dieser Zeit hatte man bereits eine größere Anzahl von Instrumenten zur
Parallelmessung. 1820 beginnen die Niederschlagsmessungen und zwar vorerst von der obersten
Plattform der Sternwarte aus (bis 12. 4. 1858). 1821 fügt man Verdunstungsmessungen hinzu. Vom
18. Juni bis zum 21. Juli 1823 veranstaltet die königliche Akademie der Wissenschaften in Berlin
„correspondirende meteorologische Beobachtungen“, an denen sich Kremsmünster beteiligt. Neben den
Resultaten sendet P. Thaddäus Derflinger auch eine recht genaue Stationsbeschreibung ein.
Als Nachfolger von Derflinger kommt
1824 P. Bonifaz Schwarzenbrunner (1790 – 1830) in die
Sternwartedirektion. Der äußerst begabte und fleißige Mann stand leider nur 6 Jahre an der
Spitze des Observatoriums. Ihm sind besonders Erneuerungen im Bereich der Astronomie zu verdanken.
1829 begann er mit monatlichen Beobachtungen der magnetischen Deklination.
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P. Marian Koller
4. Direktor der Sternwarte
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P. Marian Koller (1792 – 1866) stand mit vielen Observatorien
in ganz Europa in Kontakt, den er
durch Reisen nach Italien, Frankreich, England etc. knüpfte und durch seine Korrespondenz pflegte.
So nimmt es nicht Wunder, dass er 1838 an der Sternwarte ein magnetisches Observatorium mit
Gauss’schen Instrumenten einrichtete. Dabei war ihm die Freundschaft mit seinem ehemaligen
Schüler Karl Kreil (1798 – 1862) von großem Nutzen. Karl Kreil, damals Direktor an der Sternwarte
in Prag, gab Koller verschiedentlich Hinweise zur Einrichtung der magnetischen Messgeräte.
Bis zur Gründung der Zentralanstalt war unser magnetisches Observatorium das einzige in der
österreichischen Monarchie. 1841 verlegte man die Instrumente aus dem astronomischen Saal der
Sternwarte in ein eigens dafür gebautes Häuschen im Garten. Die Variationsapparate waren im Keller
der Sternwarte untergebracht.
Am 30. Oktober 1847 wurde Koller zum k. k. Regierungsrat an der k. k. Studienhofkommission
ernannt und zog nach Wien. 1851 erfolgte seine Ernennung zum k. k. Ministerialrat. In dieser
Funktion setzte er sich für die Gründung der Zentralanstalt für Meteorologie und Erdmagnetismus
ein. Der ehemalige Kremsmünsterer Schüler Karl Kreil wurde deren erster Direktor. Kollers
Freundschaft mit Kreil verdanken wir auch zwei von Kreil entwickelte selbstschreibende Messgeräte:
einen Kupferdrahtthermometrograph und einen Barograph, welcher bis 1947 in Betrieb war und der
auch heute noch ein bedeutendes Stück unserer Sammlung historischer Messgeräte darstellt.
Beide Autographen wurden schon unter Kollers Nachfolger P. Augustin Reslhuber (1808 - 1875)
in Betrieb genommen (Thermograph: Juni 1955, Barograph: August 1862). Den laufenden
meteorologischen Beobachtungen wurden noch die Messung des Ozongehalts der Luft, der
Luftelektrizität und des Wasserstandes der Krems hinzugefügt. Mit Hilfe des Kupferdraht-Thermographen
war nun auch die Beobachtung der Temperaturextrema möglich. 1872 erhielt die Sternwarte ein
Anemometer mit Zählwerk. 1860 wurde Reslhuber zum Abt des Stiftes gewählt. Er behielt den
Posten des Sternwartedirektors bis 1873. In diesem Jahr bestellte er
P. Gabriel Strasser
(1824 - 1882) zu seinem Nachfolger, mit dessen Amtsantritt das metrische Maßsystem
eingeführt wurde. 1878 kam ein Anemometer mit elektrischer Aufzeichnung von Windrichtung
und –stärke zur Aufstellung. Im Jahr darauf (1879) verlegte man die Station aus der Sternwarte
in den Konventgarten. Man war jedoch vorsichtig genug, bis zum 13. 5. 1886 am alten
Wetterfenster Parallelmessungen durchzuführen. 1880 beschreibt Strasser unsere
Station folgendermaßen: Die Resultate des Luftdruckes, der Temperatur, des Dunstdruckes
und der Feuchtigkeit basiren auf täglich 9-maligen Beobachtungen zu den geraden Stunden
des Tages von 6h Morgens bis 10h Abends. Die betreffenden Instrumente, die mit denen der
Central-Anstalt verglichen wurden, sind im ersten Stockwerk der Sternwarte aufgestellt,
und zwar das Barometer in einem ungeheizten Zimmer, das Psychrometer vor einem nördlichen
Fenster, gegen Wind und strahlende Wärme sorgfältig geschützt und 6.8 m über dem Erdboden.
Die Bewölkung, Windes-Richtung und Stärke werden des Tages 10mal, von 4h Morgens bis 10h
Abends notirt, die Ozonstreifen (von Dr. Lender) 3mal des Tages gewechselt, und zwar um 6h, 2h und 10h;
die Schätzung erfolgt mittels der den Ozonpapieren beigegebenen 15-theiligen Scala.
Der Regenmesser, welcher eine Auffangfläche von 0.1 Quadratmeter besitzt, ist günstig aufgestellt
und zwar im Conventgarten in einer Höhe von 1.3 m über dem Erdboden; die Niederschlags-Messungen
geschehen um 2h p.m.
Bezüglich der Correction des zu den Beobachtungen verwendeten Barometers sei noch erwähnt,
daß dieselbe während einer Inspectionsreise von dem Director der k. k. Central-Anstalt
Dr. J. Hann übereinstimmend mit einer früheren Ermittlung zu + 0.24 mm gefunden worden ist.
Der hier angeführte Direktor der Zentral-Anstalt Dr. Julius Hann (1839 – 1921) war so wie
auch Vizedirektor Ferdinand Osnaghi (1835 – 1891) ebenfalls Schüler des Kremsmünsterer
Gymnasiums.
Als 7. Direktor wird nach dem Tode Strassers P. Coloman Wagner
(1841 - 1913) bestellt. Unter
seiner Führung wird die Fensterstation in der Sternwarte gänzlich aufgelöst (13. Mai 1886)
und die Aufstellung der meteorologischen Messgeräte im Garten nochmals verändert (24. Mai 1892).
Als neue Geräte werden angeschafft: ein Autograph für die Sonnenscheindauer
(Campbell) und
einer für die Regenmessung (Usteri). Wagner verbrachte seinen Lebensabend ab 1895 als
Hofmeister unseres Hauses in Wien.
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P. Franz Schwab
8. Direktor der Sternwarte
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P. Franz Schwab (1855 - 1910) wurde sein Nachfolger als Sternwartedirektor.
Wiederum wurde
die Anzahl der Beobachtungselemente erweitert. Hinzu kamen: 1896 die tagsüber stündliche
Aufzeichnung der Bewölkung, 1897 die der Fernsicht, 1900 die der Schneehöhe. Jeweils ein
Jahr lang wurden 1897 Wärmestrahlungsmessungen mit einem Schwarzkugelthermometer durchgeführt
und 1902 ein Blitzschreiber von Fényi betrieben. Die Elektrizitätszerstreuung (Elster-Geitler)
wurde 1901 – 1905 beobachtet. Auch die Messungen des luftelektrischen Potentialgefälles
(Benndorf) begannen in dieser Zeit. Für die Arbeit über das photochemische Klima von
Kremsmünster erhielt P. Franz Schwab den Lieben’schen Akademiepreis.
Neben den Wetterbeobachtungen und dem kurzen Hinweis auf die magnetometrischen Beobachtungen
an der Sternwarte Kremsmünster soll hier noch ein kleiner Exkurs über die Erdbebenbeobachtungen
eingeschoben werden. Nach dem großen Erdbeben in Laibach (Ljubljana) vom 14. April 1895 wurde
in Wien an der Akademie der Wissenschaften eine Erdbebenkommission eingerichtet, was zu einer
Anfrage an die Sternwarte Kremsmünster führte, ob man bereit sei, hier eine seismische
Station zu betreiben. So wurde nach unserer Zustimmung im März 1897 ein von L. Pfaundler
entwickelter Erdbeben-Registrator in Betrieb genommen. Dieses Gerät registrierte
ausschließlich den Zeitpunkt eines Erdbebens durch eine photographische Aufnahme
einer Uhr. Es wurde bei uns dahingehend umgebaut, dass im Moment der Erschütterung
eine astronomische Uhr zum Stehen gebracht wurde. Im Jänner 1898 kam dann ein
Ehlert’sches Seismometer aus Straßburg dazu. Dieses zeichnete die Erschütterungen an drei
Horizontalpendel mit Hilfe eines Lichtstrahls auf, der auf eine mit Photopapier belegte
Walze projiziert wird. Dabei erforderte die Vorrichtung neben dem abgedunkelten Raum das
Entwickeln und Fixieren der Papierstreifen.
Auf Grund eines Magenleidens ging P. Franz Schwab 1906 in den Ruhestand und
P. Thiemo Schwarz (1867 - 1947) wurde sein Nachfolger.
Seine Aufgabe war es, die Sternwarte
durch die schwierige Zeit des Ersten Weltkrieges, der Zwischenkriegszeit und auch in
irgendeiner Weise über die Zeit der Aufhebung durch den Nationalsozialismus zu führen.
Obwohl im Jahr 1908 das neue Meridianhaus eingeweiht wurde, verlor in dieser Zeit die
Astronomie immer mehr an Bedeutung. Der für das Meridiankreisgerät ausgebildete
P. Anselm Blumenschein (1884 – 1916) fiel am Col di Lana als Militärkaplan.
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P. Thiemo Schwarz
9. Direktor der Sternwarte
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Noch im Jänner 1909 setzte aber P. Thiemo einen entscheidenden Schritt für unsere
Klimastation. Er verlegte die meteorologischen Instrumente wieder ins Fenster
im ersten Stock. Vier Jahre lang wurden wieder Parallelmessungen angestellt.
In der Zeit der Aufhebung des Klosters (ab 4. 4. 1941) verblieb P. Thiemo - bereits über
70 Jahre alt - in der Sternwarte als Beobachter. Zu der vom Deutschen Reichswetterdienst
angestrebten Parallelstation „Kremsmünster II“ kam es nicht. Nach der Rückgabe des
Stiftes an die Benediktiner von Kremsmünster beantwortet P. Thiemo einen Fragebogen
der Zentralanstalt am 30. Oktober 1945. Er sei Beobachter seit 1895 (50 Jahre),
als Vertreter nennt er Dr. P. Edmund Baumgartinger und
Dr. P. Ansgar Rabenalt nach
seiner Rückkehr von Amerika;. Die Beobachtungen seien nicht eingestellt gewesen und
würden weitergeführt. Er ersucht um Sendung der notwendigen Drucksorten auch für
die Auswertung der Registrierungen und Sonnenschein. Die Rückkehr P. Ansgars aus
den USA erlebt P. Thiemo Schwarz nicht mehr. Er stirbt am 19. 4. 1947.
P. Richard Rankl (1890 - 1948), sein zeitweiliger Assistent, schreibt in
seinem Nachruf: 52 Jahre lang machte er die meteorologischen Beobachtungen
und Berechnungen mit einer Genauigkeit, Gewissenhaftigkeit, Pünktlichkeit und
Sauberkeit, die kaum ihresgleichen findet. In selbstloser Weise hatte er auch
Beobachtungen über Luftelektrizität jahrelang gemacht, deren Resultate er
jüngeren Mitbrüdern zum Zwecke wissenschaftlicher Publikationen zur
Verfügung stellte.
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P. Ansgar Rabenalt
10. Direktor der Sternwarte
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Als 10. Sternwartedirektor folgt nun 1947 auf P. Thiemo P. Ansgar
Rabenalt (1911 - 1994). Er verbrachte die Jahre von 1939 – 1947 als
Lehrer in den Vereinigten Staaten. Am Kremsmünsterer Gymnasium – zu
der Zeit „Deutsche Heimschule“ – fand er ja keinen Platz. Aus den USA
brachte er seine Freude an allen neuen technischen Errungenschaften mit.
So wird er für die meteorologische und seismische Station zu einem Erneuerer.
Er sorgt für die sukzessive Neuinstrumentierung der Station. Dies geschieht
in enger Zusammenarbeit mit der ZAMG in Wien. 1952 gelingt es P. Ansgar für
die Sternwarte ein „Conrad-Pendel“ für die seismischen Beobachtungen zu bekommen.
Es wird 1958 in die technische Betreuung der ZAMG übernommen. 1973 wird dann ein
analoges „Sprengnether Vertikal Seismometer S-5100-V“ in Betrieb genommen.
1981 besorgt P. Ansgar ein elektrisches Thermometer (Sensor: PT-100) mit
Druckgerät für Parallelmessungen. Mit der Inbetriebnahme der teilautomatischen
Klimastation (TAKLIS) am 11. Dezember 1987 sind nun ganz neue Möglichkeiten
der Wetter- und Klimabeobachtung eröffnet. Mit der Dissertation von
P. Wolfram (Hermann) Austaller über die Temperaturreihe von Kremsmünster
1988 liegt auch eine neuere wissenschaftliche Arbeit vor.
Nach dem Tod von P. Ansgar Rabenalt wird ein Weg fortgesetzt, den auch er
schon eingeschlagen hat, nämlich die Beschäftigung mit der Forschungsgeschichte
der Naturwissenschaften, die ja gerade in unserem Haus besonders schön verfolgt
werden kann.
Quellen und Literatur:
AUSTALLER, Hermann 1988: Die Temperaturreihe von Kremsmünster. Dissertation zur Erlangung des
Doktorgrades an der formal- und naturwissenschaftlichen Fakultät der Universität Wien, Wien
CONRAD, V. 1910: Ein einfaches Instrument für seismische Stationen in habituellen Stossgebieten,
in: Beiträge zur Geophysik. Zeitschrift für physikalische Erdkunde, Bd. X, Leipzig, 157-180, Tafel XXIV
CONRAD, V. 1912: Ein einfaches Instrument für seismische Stationen in habituellen Stossgebieten,
Beiträge zur Geophysik. Zeitschrift für physikalische Erdkunde, Bd. XII, Leipzig, 41-42, Tafel IV
DOBERSCHITZ, P. Laurenz 1764: Specula Cremifanensis. Beschreibung der in dem mathematischen Thurne
zu Cremsmünster befindlichen Naturalien, Instrumenten, und Seltenheiten, MS, CCn 1048.
Herausgegeben von P. Amand Kraml als Heft Nr. 40 der Berichte des Anselm Desing Vereins, Februar 1999
EHLERT, R. 1898: Horizontalpendelbeobachtungen im Meridian zu Strassburg i. E. [Anhang:
Vorschlag zu einem neuen Pendelapparat], in: Beiträge zur Geophysik. Zeitschrift für physikalische
Erdkunde, Bd. III, Leipzig, 209-215
EHLERT, R. 1898: Das dreifache Horizontalpendel, in: Beiträge zur Geophysik. Zeitschrift für
physikalische Erdkunde, Bd. III, Leipzig, 481-494
FELLÖCKER, P. Sigmund 1864: Geschichte der Sternwarte der Benediktiner-Abtei Kremsmünster,
Linz.
FIXLMILLNER, P. Placidus 1791: Acta Astronomica Cremifanensia, Styrae
Jahrbücher der Zentralanstalt für Meteorologie und Geodynamik, Jg. 1958, NF, 95. Bd.
ZAMG Publikation Nr. 173, Wien 1959
KELLNER, Altman 1968: Profeßbuch des Stiftes Kremsmünster, Klagenfurt.
KRAML, P. Amand 1999: Anselm Desing und das Benediktinerstift Kremsmünster,
in: Knedlik, Manfred & Schrott, Georg (Hrsg.) Anselm Desing (1699-1772). Ein benediktinischer Universalgelehrter im Zeitalter der Aufklärung, Kallmünz, 64 - 79
KRAML, P. Amand 2001: Erdbeben-Beobachtungen im Stift Kremsmünster,
in: Berichte des Anselm Desing Vereins, 42, Kremsmünster
KRAML, P. Amand, 2001: Geschichte der Wetterbeobachtung in Kremsmünster, Festvortrag anläßlich der Jahresversammlung der
Österreichischen Gesellschaft für Meteorologie, ÖGM-bulletin 2001/1, Wien, 4-10
PACHMAYR, P. Marian 1777: Historico-chronologica Series Abbatum et Religiosorum
Monasterii Cremifanensis, Steyr
PFAUNDLER, L. 1897: Über einen Erdbeben-Registrator mit elektrisch-photographischer
Aufzeichnung des Zeitmomentes des Stosses, in: Sitzungsberichte der mathem.-naturw.
Classe der kaiserl. Akademie der Wissenschaften, CVI. Band, Abth. II.a, 551-561
RABENALT, P. Ansgar 1958: Geschichte der Sternwarte von Kremsmünster, in:
101. Jahresbericht Schuljahr 1958, Öffentl. Gymnasium der Benediktiner zu Kremsmünster, Wels, 7-27
RABENALT, P. Ansgar 1977: 1976 - 1977 - 1978 Briefwechsel von zwei berühmten
Männern, in: Öffentliches Stiftsgymnasium Kremsmünster, 120. Jahresbericht, Wels.
RESLHUBER, P. Augustin 1854: Über das magnetische Observatorium in Kremsmünster
und die vom Jahre 1839-50 aus den Beobachtungen abgeleiteten Resultate, Wien
RESLHUBER, P. Augustin 1856: Die Sternwarte Kremsmünster, in: Der Oberösterreicher, 3. Jg., Linz
SCHWAB, P. Franz 1900: Mittheilungen der Erdbeben-Commission der kaiserlichen Akademie der
Wissenschaften Wien. XV, Bericht über Erdbebenbeobachtungen in Kremsmünster,
in: Sitzungsberichte der mathem.-naturw. Classe der kaiserl. Akademie der Wissenschaften in Wien,
Bd. CIX, Abth. I. Februar 1900, 19-69
SCHWAB, P. Franz 1904: Über das photochemische Klima von Kremsmünster, in: Denkschriften der
math.-naturw. Classe der kaiserl. Akademie der Wissenschaften, LXXIV, Wien
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(c) P. Amand Kraml 2010-11-01
Letzte Änderung: 2010-11-02