250 Jahre Sternwarte Kremsmünster

von P. Amand Kraml


Einleitung

250 Jahre – ein Vierteljahrtausend – ist vergangen seit der Fertigstellung der Sternwarte. Das ist wohl ein entsprechender Anlass, sich mit ihrer Geschichte zu befassen. Sollte man „den Fellöcker“ weiterschreiben? Oder sollte man P. Ansgar Rabenalts „Geschichte der Sternwarte“ aus dem Gymnasial-Jahresbericht von 1958 um einen Direktor erweitern? Vielleicht gibt es aber auch eine andere Möglichkeit, diese 250 Jahre in einer neuen Form dem historisch Interessierten zugänglich zu machen.

Mein geschätzter Lehrer P. Maximilian Schwediauer war ein sehr kommunikativer, geselliger und besonders gastfreundlicher Benediktiner. Er war in den Jahren 1970-1977 Adjunkt an der Sternwarte. Damals gab es bei P. Max, wie er allgemein genannt wurde, viele gemütliche Treffen so mancher Mitbrüder aber auch vieler anderer. Man konnte ihn wohl als leutselig bezeichnen – ein Wort das heute schon fast nicht mehr gebraucht wird. Als P. Max dann in Adlwang als Pfarrer tätig war, hat sich sein Charakter natürlich nicht verändert. Allerdings hat er damals einen „coolen Spruch“ hinterlassen: „Gäste sind immer eine Freude – entweder wenn sie kommen oder wenn sie gehen.“ In Erinnerung an diesen Spruch P. Maxens möchte ich gerne 25 Sternwarte-Besuche verteilt auf die 250 Jahre – für jedes Dezennium einen – vorstellen. Dabei werden nicht nur solche Besucher erwähnt, über deren Kommen man sich gefreut hat. Ein paar werden auch zu behandeln sein, über die die Freude erst beim Verlassen des Hauses aufkam.
P. Max war ein Erzähler, dem man gerne zuhörte. Jedermann aber, der ihn kannte, wusste auch von seinen Abschweifungen, die er mit „da muss man aber wissen“ gerne einleitete.
Dass bei dieser Sternwarte-Geschichte auch mehrfach von den Besuchs-Episoden etwas abgeschweift werden wird, möge ganz in Erinnerung an P. Maximilian gesehen werden. Ich möchte diesen Beitrag aber so anlegen, dass er in diesem Jahresbericht sein Ende findet.

1. Dezennium
1758-1767

22. Mai 1764 P. Nonnos Stadler feiert in der Kapelle der Sternwarte die erste hl Messe.

Im ersten Dezennium der Sternwarte-Geschichte ist es gar nicht so leicht, einen Besucher zu finden, der nicht irgendwie zum Personal des Klosters gehört oder nicht direkt in irgendeinem Dienstverhältnis mit dem Stift steht. Da war P. Eugen Dobler aus Irsee in Bayern, der ja schon von Abt Alexander Fixlmillner auf Anraten von P. Anselm Desing nach Kremsmünster berufen wurde, um hier die Vorlesungen der Physik an der Ritterakademie vorzutragen. Zugleich wurde ihm die Einrichtung einer „Mathematischen Stube“ übertragen. P. Eugen hatte dafür die besten Voraussetzungen. Er hatte in seinem Heimatkloster Irsee zusammen mit P. Ulrich Weiß ein mathematisches-physikalisches Museum eingerichtet. Er verstand sich auf das Ausstopfen von Vögeln und hatte engen Kontakt mit dem über Bayern hinaus berühmten Instrumentenbauer Georg Friedrich Brander in Augsburg. Als nun 1748 der Bauplatz vorbereitet und 1749 der Bau der Sternwarte begonnen wurde, war P. Eugen Dobler einer der drei Geistlichen, die mit dem Sternwartebau betraut waren. P. Anselm Desing aus dem Kloster Ensdorf in Bayern lieferte die Pläne und wollte hier eine Art von hohem Palast aufgerichtet sehen. P. Nonnos Stadler war Rektor der Ritterakademie und zugleich der Schaffner des Stiftes in der Zeit des Sternwartebaus. Er war also Ökonom des Klosters und hatte somit dafür zu sorgen, dass Material und Personal zur Verfügung standen. P. Eugen Dobler endlich war der, der die technische Ausführung des Baus überwachte. Alle drei waren ihrer Profession nach keine Architekten oder Bauleute. Man kann sich gut vorstellen, wie der Stiftspolier Wolfgang Seethaller (Meister Wolf) so manche Vorstellung der „G’studierten“ erst einmal so hinbiegen musste, dass sie zu realisieren war. „Unter Desing’s Inspiration, Meister Wolf’s praktischer Leitung, P. Eugenius Aufsicht, P. Nonnosus allseitiger Fürsorge und des Abtes freundlicher Aufmunterung ging nun der Bau sechs Jahre fröhlich vorwärts.“ So fasst P. Sigmund Fellöcker die Zeit vor der Katastrophe zusammen (S. 21). Nach dem Einsturz am 23. Mai 1755 geht P. Eugen für zwei Jahre nach Paris, um sich dort in Kontakt mit bedeutenden Naturwissenschaftern weiterzubilden. Als Dobler zurückkehrt, lässt sich ein Ende des Baus erkennen. Der junge Seethaler, Meister Leonhard, hat die statischen Probleme gelöst und mit frischer Energie weitergebaut. Dobler hat nun auch die Pläne für die Gestaltung des obersten Bereiches des Mathematischen Turmes geliefert. In einem Brief vom 29. Juni 1758 berichtet er an Desing, dass er bereits „den schönsten Raum der Welt“, das heutige Kapellenzimmer bezogen hätte. Wie lange es aber gedauert hat, dass hier die erste hl. Messe gefeiert wurde, zeigt das Datum unserer Besuchs-Episode. Die Sternwarte war nämlich 1758 noch keineswegs fertig. Im Kontinuum der Bauzeit einen Termin anzugeben, an dem der Bau fertig gestellt sei, ist gar nicht leicht. Abt Alexander Fixlmillner stirbt am 21. Januar 1759. Indem man das Jahr 1758 als Jahr der Fertigstellung angab, bezeichnete man die Sternwarte als sein Werk.
Antependium
Abb. 1: Antependium des Kapellenzimmeraltars mit der Darstellung des hl. Dionysius mit der Überschrift: Aut Deus patitur aut mundi machina dissolvetur - Es leidet entweder der Gott der Natur oder der Weltenbau wird sich auflösen.
Foto: P. Amand Kraml
Von einer wirklichen Vollendung des Baus konnte aber noch nicht die Rede sein. Erst 1761 war es so weit, dass man die „Mathematische Stube“ aus dem Bereich des heutigen Klerikates mit einer speziellen Brückenkonstruktion in die Sternwarte übersiedeln konnte.
P. Eugen Dobler kehrte nach Irsee zurück und P. Plazidus Fixlmillner wurde der erste Direktor unserer Sternwarte. Langsam erfolgte die erste Einrichtung, über die wir durch P. Laurenz Doberschitzens „Specula Cremifanensis“ in einzigartiger Weise unterrichtet sind. Er beginnt seine Sammlungsübersicht im Jahr 1764. Und das ist wohl das Jahr, in dem dann die Sternwarte so weit eingerichtet war, dass P. Nonnos Stadler als für den Bau zuständiger Stiftsschaffner am 22. Mai 1764 die erste hl. Messe im so genannten Kapellenzimmer hielt. Dieser Raum war eigentlich als Arbeitsraum für den Astronomen mit Schreibtisch, Tabernakelschrank und 2 Globen eingerichtet. Die kleine Kapelle ist in die östliche Mauernische hineingezwängt. Das Altarbild stellt den hl. Benedikt dar und das Antependium zeigt den hl. Dionysius, wie er in Alexandrien zur Zeit des Todes Jesu die Verfinsterung der Sonne beobachtet. Diese Darstellung ist in Verbindung mit der Astronomie im bayerischen Raum und auch in Österreich durchaus mehrfach zu finden.
Von der ersten hl. Messe in diesem Raum wissen wir nicht mehr als die Tatsache. Wer dabei noch anwesend war, warum man gerade diesen Tag gewählt hat und alles, was wir noch gerne von diesem Sternwarte-Besuch gewusst hätten, bleibt im Dunkel.

2. Dezennium
1768-1777

4. August 1771, P. Maximilian Hell besucht seinen Freund P. Plazidus Fixlmillner.

P. Maximilian Hell ist Jesuitenpater. Die Jesuiten bauten bereits 1733 in Wien ihre Sternwarte mit 45 m Höhe. Was liegt also näher, als dass die Benediktiner an der Universität ihres Ordens in Salzburg auch gerne eine solche hätten. Den Abt Alexander von Kremsmünster konnte man dazu überreden, diesem Wunsche zu entsprechen. Und P. Anselm Desing, selbst Jesuitenschüler in Amberg, bestimmte die Höhe seiner Sternwarte mit 49 Metern. Wenn nun schon die Benediktiner am Land eine Sternwarte bauen, da war es mehr als an der Zeit auch für die Universität in Wien eine solche zu errichten. Sie wurde 1755 am heutigen Ignaz-Seipel-Platz fertig gestellt und unser Sternwartebesucher von 1771, P. Maximilian Hell, wurde ihr erster Direktor. Durch die Herausgabe der Ephemerides Astronomicae erwarb er sich hohes Ansehen in ganz Europa. Für diese astronomischen Jahrbücher hat auch P. Plazidus Fixlmillner eifrig Beiträge über seine Beobachtungen geliefert.
In der Astronomie gibt es periodische Ereignisse, deren Eintreffen zeitlich oft recht weit auseinander liegt. Die Astronomen müssen also oft lange auf ein bestimmtes Himmelsereignis warten und dann auf schönes Wetter hoffen. Denken Sie an die letzte Sonnenfinsternis bei uns im August 1999.
Ein Ereignis, das eine ganz eigenartige Periodizität aufweist, ist ein Venustransit. Gemeint ist damit, dass die Venus so zwischen Sonne und Erde tritt, dass sie von uns aus als schwarzer Punkt beobachtet werden kann, der über die Sonnenscheibe zieht. Dieses Ereignis findet in einer Zeitreihe von 8, 105.5, 8, 121.5, 8, 105.5, 8 usw. Jahren statt. Die Astronomen des 18. Jahrhunderts mussten erst einmal bis zum 6. Juni 1761 warten und ihre Beobachtungen machen. Aus diesen Beobachtungen konnten sie nun lernen und am 3. Juni 1769 mit verbesserten Mitteln und Methoden nochmals antreten.
Auch in Kremsmünster hatte man schon 1761 den Venusdurchgang beobachtet. P. Anselm Desing gibt P. Eugen Dobler brieflich recht detaillierte Angaben zur Beobachtung. Sie wird auch „unter Beyseyn und Beystand Seiner Excellenz des Gnädigen Herrn Prelatens Bertholdi, und anderer mehreren Geistlichen, so in dieser Kunst nicht gänzlich fremde waren, auf das sorgfältigste observiret“, wie uns Doberschitz berichtet (S. 367).
Im Jahr 1769 war unter den Astronomen Europas ein richtiger Beobachtungs-Boom ausgebrochen. Regierende Fürsten scheuten keine Mittel, um an günstigen Orten der Erde mit provisorisch errichteten Sternwarten diesen Venusdurchgang zu vermessen. Mit vergleichenden Messungen konnte man wichtige Daten zur Vermessung der Sonne, aber vor allem zur Vermessung der Erde und der Erstellung ihres Gradnetzes gewinnen. Die berühmte Endeavour-Expedititon führte Captain James Cook im Auftrag der Royal Society zur Beobachtung des Venustransits nach Tahiti. P. Maximilian Hell machte seine Beobachtungen von der Eismeerinsel Wardoe aus.
P. Plazidus hat in Kremsmünster beobachtet und obwohl die Zeit – die Sonne war dem Horizont schon recht nahe – und die Wettersituation ungünstig waren, bedeutende und vielbeachtete Ergebnisse geliefert.
Auf dem Heimweg von Lappland legte Hell, begleitet von seinem Mitbruder P. Jannowitz, seine Reise so, dass er seinen Kollegen in Kremsmünster besuchen konnte. Dies war das erste Zusammentreffen der beiden großen österreichischen Astronomen. Es gab noch zwei weitere Treffen: Mit P. Rieger war Hell Gast unserer Millenniumsfeier 1777. Und ein interessantes drittes Treffen fand auch noch in Wien im Jahr 1789 in unserem Haus in der Annagasse statt. Es trafen sich dort neben Hell und Fixlmillner unser P. Georg Pasterwiz und Maximilian Stadler, von dessen Sternwartebesuch 1789 noch zu handeln sein wird.
P. Maximilian Hell hat auch die Pläne für eine Sternwarte in Eger (Erlau) in Ungarn geliefert. Graf Eszterházy Károly, Bischof von Eger, hatte den Plan, in seiner Diözesanstadt eine Universität zu begründen. Auch wenn ihm die Verwirklichung dieses Planes verwehrt war, so konnte er doch ein Lyceum errichten, in dem die 1776 fertig gestellte Sternwarte eingebunden war. Weiß man von der Freundschaft zwischen Fixlmillner und Hell, so ist es ganz und gar nicht verwunderlich, dass die Sternwarte in Eger durchaus beachtliche Ähnlichkeiten zu unserer Specula aufweist.

3. Dezennium
1778-1787

P. Emmeram Sutor aus Rott am Inn besucht Anfang September 1783 die Sternwarte.

Was in Eger in Ungarn heute noch recht authentisch zu besichtigen ist – eine durch Ordensleute eingerichtete Sternwarte nämlich – ist im „katholischen“ Bayern längst mutwillig zerstört und in Vergessenheit geraten. Durch die Säkularisation 1802/03 ist in Bayern fast alles, was in den Klöstern an astronomischen und auch allen übrigen naturwissenschaftlichen Objekten vorhanden war, verloren gegangen oder zumindest seiner Wurzeln beraubt worden. Einige der bedeutendsten Gerätschaften wurden durch die Bayerische Akademie der Wissenschaften übernommen und so dem Verkommen entrissen. Liest man einerseits in P. Laurenz Doberschitzens „Beichtvaterreiseln“, was alles in den niederbayerischen Klöstern an astronomischen Gerätschaften und Aktivitäten vorhanden war und besucht man andererseits heute im Deutschen Museum in München die eher wenig liebevoll neu eingerichtete Ausstellung der Instrumente der Bayerischen Akademie der Wissenschaften, so steigen einem Kenner der Materie die Tränen in die Augen.
Als Erenbert Meyer 1771 zum Abt gewählt wurde, übernahm P. Laurenz Doberschitz bis 1779 seine Stelle als Geschäftsträger des Stiftes am fürstbischöflichen Ordinariat in Passau und damit auch die Stelle des Spirituals der Schwestern in Niedernburg. Als solcher hatte er natürlich auch die Funktion des Beichtvaters. Daher betitelt er die zweibändige Beschreibung seiner Reisen, die er von Passau aus gemacht hatte, als „Beichtvaterreiseln“.
In vielen bayerischen Klöstern beschäftigte man sich damals mit Naturwissenschaften und so manches Kloster wollte sich auch eine Sternwarte bauen. Ein interessantes Zeugnis dafür ist die auf Anforderung von Probst Franciscus Toepsel aus Polling schon 1759 angefertigte Beschreibung unserer Sternwarte durch ihren Planer, Anselm Desing, der damals bereits in seinem Heimatkloster Ensdorf als Abt wirkte.
P. Plazidus Fixlmillner genoss schon als Professor des Kirchenrechts einen hervorragenden Ruf. Seine Beiträge für die astronomischen Jahrbüchern von Wien, Paris und Berlin und vor allem seine beiden monographischen Publikationen, „Meridianus“ und „Decennium Astronomicum“ über seine Arbeiten als erster Sternwartedirektor von Kremsmünster machten ihn auch als Astronomen in ganz Europa bekannt.
Es ist daher keineswegs verwunderlich, wenn man so manchen Ordensmann zu ihm in die Lehre schickte. In den ersten beiden Jahren dieses Dezenniums war außerdem auch der Bayer P. Eugen Dobler wieder als Gast im Stift (1771-79). So sind aus verschiedenen bayerischen Abteien junge Kleriker hier in Kremsmünster, um an der Sternwarte ihr Handwerk als Astronomen für ihre Heimatabtei zu erlernen.
Am 30. August 1783 brachen P. Emmeram Sutor und P. Rupert Weigl, sein Lehrer und Mitbruder, aus ihrem Kloster Rott am Inn zu einer Reise auf, die sie über Passau und Linz nach Kremsmünster bringen sollte. Der junge P. Emmeram, sein eigentlicher Familienname war Schuster, hatte schon vor seiner Priesterweihe 1782 zusammen mit P. Rupert meteorologische Beobachtungen für die Akademie der Wissenschaften in München angestellt. Er hatte auch bereits Arbeiten über die Änderung des Luftdrucks verfasst. Jetzt waren sie vier Tage lang in Kremsmünster. Auf Einladung unseres Abtes Erenbert Meyer brachte dann P. Emmeram Sutor einige Monate zum Studium der Astronomie hier zu.
Als unser Gast nach Rott zurückgekehrt war, hatte sein Abt, Gregor Mack, ihm schon eine Sternwarte zu bauen begonnen, die dann am 28. Mai 1786 mit einem Festvortrag von P. Emmeram eröffnet wurde. Sutor machte eine Reihe von notwendigen und interessanten Beobachtungen. Leider starb P. Emmeram schon im Alter von 27 Jahren am 18. Juli 1787. Die von Gabriel Bernhard Widder durchgeführte Aufhebung seines Klosters zu erleben, blieb ihm damit zumindest erspart. Dass in Rott am Inn eine Sternwarte bestand, wissen heute in Bayern die wenigsten, einige werden die überaus prächtige Kirche kennen und die meisten werden wohl mit Rott nur noch die Begräbnisstätte der Familie Strauß verbinden. Doch soweit wollte ich eigentlich gar nicht abschweifen.
Ein weiterer Schüler Fixlmillners aus den Reihen bayerischer Klöster war P. Plazidus Heinrich aus St. Emmeram. Auch er war einige Zeit hier. In dem bereits angesprochenen Augustinerkloster in Polling war es P. Vicelin Schlögl, der ebenfalls bei Fixlmillner seinen Rat einholte.
Auch in unserer Nachbarabtei Lambach hat man eine kleine Sternwarte eingerichtet. Dass der dafür auszubildende Kleriker, der nachmalige Abt Julian Ricci, seine Ausbildung allerdings im ferneren Wien bei P. Maximilian Hell erhielt, ist bei der Nähe unserer beiden Abteien auch irgendwie verständlich. Außerdem war den obderennsischen Klöstern Wien etwas näher gerückt, als Königin Maria Theresia das Studium im Ausland verboten hatte. Damit durften die Kleriker unserer Klöster nämlich nicht mehr in Salzburg Philosophie und Theologie studieren, sondern mussten sich in der Kaiserstadt dazu einfinden. Unsere jungen Leute – wir wissen es von P. Laurenz Doberschitz – hatten daran keine große Freude und taten ihren Unmut auch kund, was zu mehrmaligen Beschwerden von Wien aus an die Abtei führte.

4. Dezennium
1788-1797

Am 15. Juni 1789 kommt Abbé Stadler mit dem Statthalter.

Es hatte eben eine neue Weltanschauung begonnen, ihre praktischen Früchte zu tragen. Die Aufklärung hatte ja sicher Wurzeln auch in den Klöstern. Man kann sogar sagen, was sich viele heute, soweit man sich damit überhaupt beschäftigt, gar nicht vorstellen können, es gibt eine Wurzel auch in der „offiziellen Kirche“. Unter Papst Benedikt XIV. wurden in Bologna die Naturwissenschaften besonders hochgehalten. Es kam 1745 zur besonderen Belebung des Instituto delle Scienze mit der angeschlossenen Akademie, die damals den Namen Academia Benedettini erhielt. Durchaus erwähnenswert ist es, dass gerade im kirchlichen Einflussbereich ein Frau als Professorin für Physik angestellt wurde – nicht etwa eine Nonne, eine Klosterfrau, nein, eine verheiratete Frau und Mutter: Laura Bassi. Dass unser P. Laurenz Doberschitz auf seiner Rückreise von Rom meinte, sie unbedingt treffen zu müssen, ist ebenso erwähnenswert. Es ist ihm am 24. September 1765 auch geglückt und er lobt sie „über den grünen Klee“.
Welche Pflanze diese Wurzeln und gar welche Früchte diese neue Weltsicht hervorbrachte, hat für kirchliche Institutionen vorübergehend – oder auch wie oben von Bayern geschildert endgültig – gewaltige Probleme nach sich gezogen.
Mit Kaiser Joseph II. bekam die traditionelle enge Verbindung zwischen Kirche und Staat eine ganz neue Dimension. Waren es lange Zeit kirchliche Institutionen, die auf dem Kutschbock des Wagens der Kultur saßen, so erkannte man nun, dass es eigentlich Sache des Staates sei, die Lenkung dieses Wagens in die Hände zu nehmen. Dass so manche kirchliche Institution diesen Wagen nicht verlassen wollte, ist auch verständlich. Es blieb der Platz an der Bremse, die dann so mancher Kirchenvertreter mit trotziger Gewalt kräftig anzog. Aber bevor es so weit kam, drohte der Wagen auf Grund der Streitereien auf dem Kutschbock auch noch seine Ladung zu verlieren. Man transportierte viel Unkultur durch Europa. Aber Schluss mit diesen Überlegungen, die einem Naturwissenschafter nicht unbedingt gut anstehen und zurück zu unseren Besuchern!
Also Abbé Stadler führt am 15. Juni 1789 den kaiserlichen Regierungspräsidenten, Heinrich Graf Rottenhann, aus Linz durch die Sammlungen der Sternwarte. Wieso führte dieser Stadler und nicht unser liebenswürdiger P. Plazidus eine so hohe Persönlichkeit durch den Turm? Ich – auf jeden Fall – würde es mir verbieten, dass irgendein dahergelaufener Franzose heute den Herrn Landeshauptmann durch „meinen“ Turm führte. Nun Abbé Maximilian Stadler war weder „dahergelaufen“, noch war er ein Franzose. Aber dazu gilt es doch wieder, ein wenig auszuholen. Seit dem Amtsantritt Kaiser Josephs II. drohte dem Stift die Aufhebung. Die Ritterakademie hatte schon praktisch zu bestehen aufgehört. Dem Stift war es seit 1781 nicht mehr erlaubt, Novizen aufzunehmen und 1788 endlich wurde Abt Erenbert für unfähig und altersschwach erklärt. Ein Kommendatar-Abt in Person von Maximilian Stadler aus Melk wurde ernannt. Nach wenigen Tagen Aufenthalts in Kremsmünster wurde dieser am 27. Mai 1789 feierlich installiert. Noch auf dem Weg nach Kremsmünster wurde er beim Regierungspräsidenten Rottenhann in Linz vorstellig und dieser verlangte von ihm, die astronomischen Instrumente für eine in Linz zu errichtende Lehranstalt der Sternkunde dorthin schaffen zu lassen. Als Rottenhann selbst nach Kremsmünster kam, lud Stadler auch P. Plazidus zur Tafel. Nach Tisch wurde musiziert: Stadler spielte das Pianoforte, Rottenhann das „Bassetl“ und die Violine spielte Fixlmillner, der im übrigen sicher kein schlechter Musiker war.
Aus Fellöckers Geschichte der Sternwarte können wir erfahren wie es dann weiterging: „Nachdem sie die sieben Abtheilungen des Gebäudes hinaufgegangen, und in der obersten einige Beobachtungen waren angestellt worden, dankte der Präsident dem Abbé, dass er ihm Gelegenheit gegeben, sich von der Unzweckmässigkeit eines ihm gemachten Vorschlages zu überzeugen, und befahl, nicht nur Alles in seinem Bestande zu lassen und kein einziges Instrument wegzugeben, sondern auch einige Geistliche durch den würdigen Fixlmillner in der Sternkunde unterrichten zu lassen. So hatte Stadler’s kluges Benehmen dem Stifte eine seiner wichtigsten Zierden erhalten, und der Präsident war demselben sowie seinem trefflichen Vorsteher von dieser Zeit an vorzüglich gewogen.“ (S. 37)
Zwei Jahre später am 27. August 1791 verstarb P. Plazidus. Sein drittes monographisches Werk „Acta Astronomica“ wurde auf Veranlassung von P. Laurenz Doberschitz posthum veröffentlicht. Als Nachfolger Fixlmillners wurde als zweiter Direktor der Sternwarte P. Thaddäus Derflinger bestimmt. Auch er hatte Besucher, auf die er lieber hätte verzichten können.

5. Dezennium
1798-1807

Am 24. Februar 1806 plündern die Franzosen die Sternwarte.

Die Zeit der Koalitionskriege und Franzosenkriege war für Kremsmünster eine sehr unruhige. Immer wieder konfrontiert mit einem nahe bevorstehenden Einfall der Feinde und der Verwendung des Stiftes als Offiziersspital der kaiserlichen Truppen im August 1796 und weiteren Einquartierungen war schon der erste Koalitionskrieg für das Stift eine recht unangenehme und finanziell teure Sache. Es kam jedoch 1800 noch wesentlich schlimmer. Das Stift war vorerst wiederum Offiziersspital. Die Lage der kaiserlichen Armee war katastrophal. Am 17. Dezember flüchtete Abt Wolfgang Leuthner mit P. Beda Plank nach Wien. Im Stift wurde der Stab unter Erzherzog Karl einquartiert, so wurde Kremsmünster ebenfalls in das Kriegsgeschehen hineingezogen. Am 20. Dezember fiel dann Kremsmünster in die Hände der Franzosen. Brigardegeneral Richepanse schlug sein Quartier im Stift auf. Man musste ihm Landkarten zur Verfügung stellen. Er erhielt die im 17. Jahrhundert von Georg Matthäus Vischer angefertigte Topographie von Oberösterreich. Am 21. Dezember kommt Divisionsgeneral Lecourbe ins Stift und übernimmt hier die Führung. P. Benedikt Pitschmann schildert uns, wie dann der hohe Herr zum Dieb wurde: „Lecourbe verlangte auch noch am selben Tage das Stift zu sehen. Er verstand zwar wenig von Kunst und Wissenschaft, doch hatte er in seiner Begleitung einen verständigen Wundarzt, der ihm bedeuten mußte, was er fordern und einpacken lassen solle.“ (S. 190) Auf seinem Rundgang kam er in die Bibliothek, in das Naturalienkabinett in der Sommerabtei, in deren Gemäldesammlung und natürlich auch in die Sternwarte. Die wurde aber zum Großteil geschont. 24 Karten von Deutschland aus einem Atlas musste man ihm allerdings aushändigen. Auch ließ er sich einige physikalische Experimente vorführen, an denen er Interesse zeigte. Das Naturalienkabinett, das sich Abt Erenbert Meyer in der Sommerabtei einrichten ließ, war damals noch an seinem Platz. Es wurde erst 1803 in die Sternwarte übersiedelt. In der Zusammenstellung der Kosten, die dem Kloster durch die Einquartierung der Franzosen 1800/01 erstanden sind, wird für „requirierte Bilder im Kupferkabinett, Kräuter und Erzstufen im Naturalienkabinett“ der Betrag von 500 fl. angegeben. Um die Kräuter aus dem Naturalienkabinett ist dem Botaniker natürlich besonders leid, auch wenn wir heute nicht mehr wissen, was damals wirklich gestohlen wurde. Wahrscheinlich ist damit ein Herbarium vivum – also eine Sammlung gepresster Pflanzen – gemeint.
Genauer wissen wir, dass dann im Anschluss an den Krieg von 1805 im Vorhaus der Sternwarte ein Thermometer entwendet wurde. Im Klimatagebuch des Jahres 1806 findet sich am 24. Februar der folgende Eintrag: „Nota: Heute Nachmittag ist der in dem Vorhaus befindliche Thermometer von den Franzosen gestohlen worden“. Im Archiv der Sternwarte ist ein Gästebuch vorhanden, das zwei Teile enthält: 1. „Liste de Mssrs les Officiers de l’Armée francoise, qui ont visité l’Observatoire de Kremsmunster durant la Guerre de 1805“ und 2. „Liste de Mssrs les Officiers de l’Armée francoise, qui ont visité l’Observatoire de Kremsmunster durant la Guerre de 1809“. Im ersten Abschnitt (1805/06) sind von P. Bonifaz Schwarzenbrunner 52 Namen identifiziert worden. Eine ganze Reihe von wohl unbedeutenderen und auch unleserlichen Namen ist im Index nicht aufgeführt.
Auch diesmal hatte der Abt zusammen mit P. Beda schon am 28. Oktober 1805 das Stift verlassen. Der Abt reiste über Stein, wo er auch noch den Sternwartedirektor P. Thaddäus Derflinger antraf, nach Wien. Derflinger war auf unserem Weingut bei der Weinlese, die sauren Wein erwarten ließ. Er gesellte sich zur Gruppe der Flüchtlinge, die diesmal, ob der Siege Napoleons, bis nach Ungarn kam und in Pannonhalma Aufnahme fand. Am 1. März 1806 kehrten sie wieder nach Kremsmünster zurück. Im Frieden von Preßburg, der am 27. Dezember unterzeichnet worden war, war festgesetzt worden, dass die Franzosen binnen zwei Monaten Österreich verlassen würden. Das lässt darauf schließen, dass das Thermometer von den abziehenden Franzosen mitgenommen wurde. Das Thermometer war natürlich nicht das einzige wertvolle Stück, das die Franzosen mitgenommen haben. Saint Hilaire, der Kommandant im Stift war, hat am Vortag seiner Abreise auch noch den Fasangarten geplündert.
P. Thaddäus war mit dem Konviktszeichenlehrer Georg Riezlmayr bereits am 27. Jänner von Wien abgereist.
Seit Anfang des Jahres 1806 hatten die Franzosen übrigens ihren republikanischen Kalender aufgegeben und jetzt rechneten auch sie wieder nach dem julianischen Kalender.

6. Dezennium
1808-1817

Am 5. September 1814 kommt Simon Stampfer zu Besuch.

Noch ist P. Thaddäus Derflinger Direktor, da findet sich im 1. Gedenkbuch der Sternwarte, das 1802 angelegt wurde, unter dem 5. September 1814 eine Gruppe von Theologiestudenten. Als dritter Name steht Simon Stampfer mit dem Zusatz „Theologiae Candidatus“. Der Leser prüft die Handschrift – und tatsächlich – sie stimmt mit den späteren Eintragungen überein. Es handelt sich also wirklich um den ersten Besuch des später berühmten, mit der Sternwarte so eng freundschaftlich verbundenen Simon Stampfer, der als emeritierter Professor des k. k. Polytechnischen Institutes in Wien 1864 am 10. November verstarb. Er wurde einer breiteren Öffentlichkeit durch die Erfindung seiner stroboskopischen Scheiben, einer frühen Möglichkeit bewegte Bilder darzustellen, bekannt.
Aber so weit sind wir noch lange nicht. Simon Stampfer wurde am 26. Oktober 1790 in Matrei in Osttirol geboren. Ab 1804 besuchte er das Franziskaner-Gymnasium in Lienz, das aber 1807 aufgelöst wurde und so kam der Gymnasiast nach Salzburg, Er setzte seine Ausbildung am Lyceum fort. Als er 1814 diese beendet hatte, konnte er nicht einfach in die Universität übertreten. Sie war vier Jahre zuvor aufgehoben worden. Nachdem Stampfers Bewerbung für ein Lehramtsstudium in München abgewiesen worden war, begann er seine berufliche Laufbahn 1816 als Supplent am Lyceum und im Gymnasium in Salzburg. Er wurde damit zum Lehrer zweier Schüler, die auch heute noch bekannt sind: der Mundartdichter Franz Stelzhamer und der Physiker und Mathematiker Christian Doppler (Doppler-Effekt).
Durch den Staatsvertrag vom 14. April 1816 zwischen Bayern und Österreich wurden in Salzburg neue „Mappirungsarbeiten“ notwendig. Simon Stampfer wurde für diese geodätischen Aufnahmen angeworben. Sie wurden von der „K. K. Demarcations-Hof-Commission“ unter Leitung des Chefs der „k. k. Militär-Triangulierungsdirection“, Oberst von Fallon durchgeführt. Oberst Ludwig August von Fallon war auch in Kremsmünster mit Vermessungsarbeiten betraut und wurde mit P. Thaddäus Derflinger gut befreundet. So ist es nicht besonders verwunderlich, dass sich Simon Stampfer am 16. Jänner 1817 in einem Brief an Derflinger wendet, in dem er ihn um einige Auskünfte und um die Möglichkeit eines Aufenthaltes in Kremsmünster bittet. Am 4. September 1817 findet sich dann Stampfers zweiter Eintrag in unserem Gedenkbuch. Er war mit einigen seiner besten Schüler hier.
In Wien wurde 1825 durch den Rücktritt des Franz Ritter von Gerstner am k. k. Polytechnischen Institut der Lehrstuhl für Praktische Geometrie frei. Simon Stampfer bewarb sich, erhielt am 22. Dezember 1825 die Professur verliehen, zog nach Wien und wohnte fast 40 Jahre in Wieden Nr. 64 (heute Taubstummengasse 3). Das k. k. Polytechnische Institut war nach Paris und Prag die dritte Technische Universität Europas, gegründet 1815. Neben der Geodäsie beschäftigte sich Simon Stampfer recht ausführlich und erfolgreich mit Optik, sodass er mit Recht als der Vater der österreichischen Feinoptik bezeichnet werden kann. Er war der Theoretiker. In Johann Friedrich Voigtländer und G. Simon Plössl waren auch die Praktiker zur Stelle, die für die Begründung einer Wiener Feinoptik notwendig waren.
Mit dem Stift Kremsmünster war Stampfer auch von Wien aus sehr verbunden. Man kann sagen, er war ein wirklicher Freund unserer Sternwarte. Viele Briefe sind vorhanden und berichten auch von manchem Aufenthalt Stampfers hier. Eine besondere Freundschaft verband Stampfer mit P. Marian Koller, der als Ministerialrat 1849 ebenfalls nach Wien kam. Stampfer war zwar 1848 schon emeritiert, hielt aber bis 1853 noch Vorlesungen. 1856 starb seine Frau. Er war taub und sein rechter Arm war gelähmt. So zog sich Simon Stampfer immer mehr aus dem öffentlichen Leben zurück. Siebzehn Jahre lang besuchte er sonntags zum Mittagessen P. Marian Koller. Peter Maria Schuster, Stampfers Biograph und ebenso lieber Freund unserer Sternwarte wie der Beschriebene selbst, schreibt über diese letzten Jahre Stampfers: „Wohin Stampfer jetzt nur noch ging, aber das regelmäßig, das war in die Werkstätte zu Starke und sonntags in die Wohnung zu Koller, sowie zu den Sitzungen in die Kaiserliche Akademie“. (S. 153) An P. Augustin Reslhuber, den Nachfolger Kollers als Sternwartedirektor schreibt Stampfer in einem Brief vom 21. Juli 1857 über die Fertigstellung unseres Refraktors durch Christoph und Gustav Starke: „Bei Starke bin ich fast alle Tage. Es ist alles im Wesentlichen fertig, nur an dem Oculare, Mikrometer-Vorrichtung u. dgl. ist noch Einiges zu vollenden.“ Auf diesen Refraktor will ich später noch eingehen.
Am 6. November 1864 kam Stampfer das letzte Mal zu Koller in unser Stifthaus in der Annagasse 4. Am 7. November erlitt er einen Schlaganfall und verstarb am 10. November 1864. Aber da sind wir jetzt sechs Dezennien weitergekommen, von denen wir auch noch interessante Sternwartebesucher besprechen wollen.

7. Dezennium
1818-1827

Kaiserlicher Besuch am 24. Juni 1826

Theodolit
Abb. 2: Theodolit von Jaworski
Abb aus Fellöcker
Also zurück ins zweite Jahrzehnt des 19. Jahrhunderts und zu einem bedeutenden Besuch. Im 2. Gedenkbuch der Sternwarte, da geht es schon nicht mehr so chronologisch zu. Die ersten Seiten hat man vorerst einmal freigelassen um für wichtigere Besucher einen Platz zu haben. So stehen auf Blatt 1 folgende Namen und Titel: „Caroline Auguste“, „Ludwig König von Bayern“ und „Therese Königin von Bayern“ mit dem Datum „24. Juny 1826“, auf Blatt 2 „Franz 24.ten Juny 1826“ und auf der Rückseite von Blatt 2 durften sich dann, nachdem man die recto-Seite unter seiner Majestät mit einem Muster füllte, die fürstlichen und gräflichen Begleiterinnen und Begleiter „Ihrer k.k. apostol. Majestäten“ eintragen. Kaiser Franz I. war schon einmal 1804 am 9. November zusammen mit seinem Bruder Ferdinand hier. Inzwischen haben sich die Zeiten doch um einiges gebessert.
Dieser Besuch jetzt im Jahr 1826 war durchaus nachhaltig (um auch dieses Modewort einmal zu reiten). Derflinger war inzwischen am 18. April 1824 76jährig verstorben und P. Bonifaz Schwarzenbrunner wurde mit der Direktion der Sternwarte betraut. So fiel es ihm auch zu, dem Kaiser seine Not über die veraltete Ausrüstung der Sternwarte zu klagen. Da sprach „der gütige Monarch zu seinem General-Adjutanten gewendet: ‚Merkt Er was?!’ und nachdem Er weiter gefragt, welche Instrumente denn am meisten Noth thäten, fügte Er noch hinzu: ‚Schreib Er’s auf!’“ (Fellöcker, 236). Und wirklich – der Feldmarschall-Leutnant und General-Adjutant Baron Kutschera hat es zu unserer vollkommenen Zufriedenheit trefflich notiert und auch gleich in die Wege geleitet. Am oben schon erwähnten k. k. Polytechnischen Institut wurden ein Theodolit und ein Meridiankreis für uns bestellt. Am 30. Juli 1826 schon erhielt der Abt die Verständigung davon. Eine solch rasche Erledigung seiner Wünsche, die er sich nicht durch eigene Arbeit erfüllen kann, würde sich der heutige Sternwartedirektor nicht einmal zu träumen wagen. Dass gleich am 8. August Abt und P. Bonifaz zu seiner kaiserlichen Majestät zur Abstattung des schuldigen Dankes gereist sind, ist selbstverständlich. Kaum vorzustellen ist auch, dass schon am 18. November 1826 der Theodolit in Kremsmünster eintraf. Er ist ein Werk des leitenden Werkmeisters am k. k. Polytechnischen Institut, Andreas Jaworski. Er hatte lange Zeit bei Reichenbach und Troughton in London gearbeitet und hatte einen vortrefflichen Ruf. Jaworski besorgte auch den von Schwarzenbrunner gewünschten und von Stampfer in Wien überwachten Umbau des Theodoliten im Jahr 1828.
Am 26. November 1827 kam dann der Meridiankreis „mit der Wienfuhr auf der Donau“ (Lettenmayr, 18) über Linz in Kremsmünster an. Er stammt von gleicher Hand wie der Theodolit. Allerdings hat Jaworski das Fernrohr von Fraunhofer in München besorgt. Joseph von Fraunhofer war damals in Europa für seine Instrumente sehr berühmt und es nimmt nicht Wunder, dass man in Wien alles daran setzte, ähnlich gute optische Geräte selbst erzeugen zu können.
P. Bonifaz Schwarzenbrunner verfügte nun wieder über ein Instrumentarium, das hervorragend geeignet war, sich an die Frontlinie der astronomischen Forschung vorzukämpfen. Wer mag es ihm verübeln, dass für ihn die Ankunft dieses Gerätes zu größerer Freude Anlass gab, als die Ankunft der vielen gekrönten Häupter im Juni des Vorjahres.
Meridiankreis
Abb. 3: Meridiankreisgerät von Jaworski
Abb aus Fellöcker
“Sogleich gestern früh wurde er ausgepackt und ich ruhte nicht eher, als bis ich ihn vorläufig auf seinem provisorischen Stativ vollkommen in Parade aufgestellt hatte, um dann sogleich an meine Herrn Mitbrüder die Einladung machen zu können, den neuen Ankömmling anzusehen und zu bewundern. Nachmittags schon machte mir der Herr Prälat und viele Professoren die Freude, in die Sternwarte zu kommen, und ergötzten sich mit der Betrachtung der verschiedenen Theile dieses prächtigen Instrumentes, welches unsere Sternwarte der ausgezeichneten Huld und Gnade Sr. Majestät, und dessen ungewöhnlich schnelle und sorgfältige Verfertigung der unermüdeten Sorgfalt und Aufsicht Euer Excellenz verdankt.“ Das schreibt Schwarzenbrunner am 28. November 1827 in seinem Dankschreiben an Baron Kutschera.
Damals konnte man mit neuen Geräten die Mitbrüder noch relativ leicht beeindrucken. Irgendwie haben sie schon vom Ausschauen etwas „hergemacht“. Selbst für Leute, die gar nichts davon verstanden haben – oder besser: verstehen wollten – hat zumindest das Messing hell gefunkelt. Heute jemanden mit einem neuen wissenschaftlichen Gerät zu begeistern ist fast unmöglich. Es ist meist eine Box, an der die eine oder andere Leuchtdiode anzeigt, dass sie mit elektrischem Strom versorgt wird, aber mehr sieht man von der Funktion nicht. Wenn man irgendwie begeistern will, dann muss man das über den Preis machen. Das hat auch der damalige Sternwarte-Mechaniker Simon Lettenmayr jun. gewusst und den Wert des Meridiankreises mit 2000 fl. C.M. notiert. Das war im Vergleich mit dem was die Franzosen 1805/06 an Wein getrunken haben, wenig. P. Beda Plank verzeichnete damals: „ indem das Konsummo der österreicher und Ofnerweine allein schon im geringsten Anschlage 20.000 fl. beträgt...“. Im Vergleich mit dem was ein Sternwarte-Mechaniker im Jahr bekam – nämlich 200 fl. – eine ganz schöne Summe. Den Betrag von 200 fl. erhielt zumindest der erste Sternwarte-Mechaniker Johann B. Illinger im Jahre 1792, wie wir den Vorarbeiten für eine Stiftsgeschichte von P. Bonifaz Schwarzenbrunner entnehmen. (S. 39)
Um mit dem Meridiankreis Messung machen zu können, mussten größere bauliche Maßnahmen gesetzt werden. Als Standort wurde das fünfte Stockwerk gewählt. Heute ist dort die Mumie ausgestellt und wenn man genau schaut findet man am Boden gegen die Moschee hin noch eine mit Nägeln vorgenommene Markierung, mit der P. Richard Rankl die ehemalige Position dieses Meridiankreises bezeichnen ließ. Ein Meridiankreis in einem Raum montiert, braucht nicht wie etwa ein Refraktor eine drehbare Kuppel, sondern es genügt einen Schlitz in Nord-Süd-Richtung zu öffnen. Es wird damit ja die Höhe eines bestimmten Sternes im Zeitpunkt seines Meridiandurchganges gemessen.
Im Winter 1828 wurden die notwendigen zwei Steinpfeiler angefertigt und die schlitzförmige Öffnung ausgebrochen.
Die Bedenken die Alois Martin David, Astronom in Prag, in seinem Brief von 5. Jänner 1828 geäußert hatte, haben sich leider bestätigt: „Ich bedaure aber, dass Sie auf Ihrem wenngleich sehr starken und festen Thurme keinen unveränderlichen Stand desselben bewirken werden, weil sich durch Wärme und Kälte der ganze Thurm verzieht und kleine Schwingungen macht.“ Es wurde zwar eifrig mit dem Gerät gearbeitet, aber erst als man 1886 für dasselbe im Hofgarten ein eigenes Observatorium baute, konnte man bessere Daten erhalten. Da war das Gerät selbst aber wohl schon veraltet.

8. Dezennium
1828-1837

Subregens J. B. Zarbl aus Freising beschreibt seinen Besuch vom 8. September 1829.

Einer der ersten Besucher, die damals den neuen Meridiankreis zu sehen bekamen, war der Subregens des Priesterseminars in Freising J. B. Zarbl. Auch er hat sich mit seinen Reisegefährten ins Gedenkbuch, im dritten Band, eingetragen. Er gibt in seinen „Erinnerungen an eine Reise“ eine ausgezeichnete Beschreibung, wie damals die Sternwarte eingerichtet war. Und weil auch ein Autor einmal eine kleine Verschnaufpause braucht, möchte ich Herrn Zarbl selbst zu Wort kommen lassen:
„Die Sternwarte stehet an der Morgenseite des Stiftes, im Garten. Ihre Lage ist sehr angenehm, der Platz, welcher sie trägt, von allen Seiten ganz frei und gepflastert, und besonders östlich vor der Hauptfronte, mit Blumenbeeten, Baumspalieren und steinernen Bildsäulen verschönert. Der berühmte Prälat Fixlmillner hat sie in den Jahren 1748 - 1758, nach dem Plane des Benedictiners Anselm Desing erbaut, und es ist die Veranlaßung ihrer Erbauung, in einer großen Theurung dem Volke Arbeit zu geben, eben so menschenfreundlich, als ihre Bestimmung erhaben.
Die Bauart des Thurmes ist prächtig, und das Ganze mehr einem Schloße ähnlich, als einem Thurme. Acht Stockwerke hoch, mißt seine Höhe dreißig, seine längere Breite 15, und die schmälere 10 Klafter. Er enthält 126 hohe Fenster, nebst 45 Thüren, und zählet bis in seine Kuppe 339 Stufen. Zwei Seitenflügel an den schmalern Fronten, lehnen sich in schönem Verhältniße an den mittleren, thurmähnlichen Bau an; sie sind fünf Stockwerke hoch, und enden wie dieser in eine Plattform. An den beiden längeren Seiten führet über einige Stufen je ein steinernes Portal durch Doppelthüren in das Innere. Die schöne Stiege erhebt sich an der Morgenseite, die Hälfte des Thurmes durch ein helles geräumiges Stiegenhaus, dessen Wände mit Porträten jener adelichen Jünglinge behangen sind, welche ihre Bildung einst in der hiesigen Ritterakademie erhielten. Vom vierten Stockwerke an aber, windet sie sich im Kerne des Gebäudes hinauf, und an ihr lauft zugleich der sogenannte astronomische Brunnen empor, welcher sich beinahe vier Fuß im Durchmesser, durch den ganzen Bau, von der Grundfeste an bis zum obersten Gipfel, hinaufziehet. Ringsherum reihen sich die vielen Zimmer und Säle, welche die reichen Natur- und Kunstsammlungen des Stiftes enthalten.
Nicht weniger, als das Äußere dieses seltenen Gebäudes prächtig erscheinet, sind auch dessen innere Räume groß und zweckmäßig, und was immer gefällig seyn, oder das Bedürfniß erheischen mag, du findest in ihm alles vereiniget. Folge mir zu einem flüchtigen Überblick dieser Seltenheit!
Schon im Erdgeschoße ziehet unter andern alterthümlichen Denksteinen, ein Grabstein die Aufmerksamkeit auf sich. Ich füge Dir diese Schrift in der Übersetzung an, da du vielleicht eben so wenig als ich, je einen muselmännischen Kirchhof betreten hast. Sie soll also lauten:

Verlassend das Haus der Verwesung betrat ich die Ewigkeit! Meine Wohnung sey das Paradies!
Seine Jungfrauen und Knaben meine Gespielen!
Hienieden schwindet das Höchste wie das Niedrigste
Empfohlen sey, o Leser! mein Geist dem Erbarmen!

Von zwei gegenüberstehenden Thüren zur Linken und Rechten des Aufganges, führet diese zu der ersten Abtheilung der sehr reichen und trefflich gehaltenen zoologischen Sammlung; jene dagegen in das Laboratorium, in ein Arbeitszimmer, eine Drechslerwerkstätte u. a. Am ersten Absatze der Stiege stehet in einer Mauer-Niesche die schön gearbeitete, koloßale Bildsäule des Claud. Ptolomäus, und an ihr vorbei gelangt man in das erste Stockwerk.
Dieses Stockwerk enthält auf der einen Seite die Officin nebst der Wohnung des Mechanikers, in der andern entgegen die zweite Abteilung der Thiersammlung. Ein zweites Zimmer verwahrt in Glastafeln mehr als vierhalbtausend Arten Insecten, und ein dritter Saal eine vollständige und anziehende Sammlung inländischer Vögel, nebst ihren Nestern und Eiern, eine natürliche Holzbibliothek, zwei schön gefaßte Menschenskelette, und einen nach Galls System bezeichneten menschlichen Schädel.
Die Säle des zweiten Stockwerkes, auf dessen Treppenabsatz man der Statue des Tycho de Brahe, mit dem Planeten-Systeme, begegnet, sind bereits mit Kunstgegenständen gefüllet. Ein Gemach ist mit mehr als 150 Gemählden behangen, und mit Hohlspiegeln, mit einer camera obscura u. a. bestellet. Nach diesem gelangt man zu den mechanischen und physikalischen Sammlungen, und hier findest Du in drei Abteilungen das ganze Gebäude herum, fast alle wichtigen und merkwürdigen, ältern sowohl als neuern Maschinen, Modelle und Werkzeuge, der Naturlehre, der Mechanik, Wasser und Luftmeßung, der Farbenlehre, der Chemie, Electrizität, des Galvanismus und Magnetismus, nebst einem Wasser-Barometer von 32 Fuß Höhe. Dieses Wundergebäude wird unterdessen immer ätherischer.
Sein drittes Stockwerk enthält in drei Zimmern, gegen die Morgen- Mittag- und Abendseite, die reitzende Wohnung des Astronomen. Wer uns das Himmlische näher bringen will, muß ihm erst selbst näher wohnen. Alles ist hier bequem eingerichtet und heiter, und der nöthige gelehrte Hausrath reichlich zu Handen. Die Wände sind mit Bodes schönen Himmelskarten behangen, mathematische Uhren und Instrumente aufgestellt, und eine auserlesene Bibliothek bietet alle vorzüglichen sternkundigen Werke, nebst den neuesten Zeitschriften dar. Man findet hier die Memoiren der Pariser und Petersburger Akademien, neben den Ephemeriden von Berlin, Paris, Wien und Bologna. Indeß wird Dich hier, mein Geliebter! noch eine Seltenheit ganz anderer Art zu freudiger Bewunderung hinreißen. Und welche ist diese? Ich meine den Astronomen. Es ist ein Stiftsgeistlicher, und führet den Namen Bonifaz Schwarzenbrunner. Ich weiß es, ich würde ihm keinen Dienst thun, wenn ich versuchen wollte ihn zu loben; aber kaum wird Dich ein Mann verehrungswürdiger ansprechen als dieser. Noch in Mitte der schönern Jahre, ist er eben so dienstfertig, als liebenswürdig im Umgange, und ganz in seiner überirdischen Wissenschaft lebend und webend, in ihre Geheimniße vollkommen eingeweiht. Sein Name ist der Welt unbekannt, und weder pomphafte Bekanntmachungen, noch die Ruhmredigkeit leichter Tagesblätter verkünden sein Lob; indeßen stehet er mit den ersten Sternwarten unseres Welttheiles im Verkehre. In der Stille seinem Gotte zu leben, und seine herrliche Wissenschaft, welche so reich ist an erhabenen Betrachtungen und an Sehnsucht zu fördern, genüget ihm. (Dieses war lange schon niedergeschrieben, als uns die Nachricht zukam, daß dieser vortreffliche Mann durch schnellen Tod dahin gerafft worden ist. Ich bedaure in aufrichtiger Theilnahme die Abtei sowohl, als die Wissenschaft, ob ich gleich ihn selbst nicht betrauern kann. Er ist jetzt jenen besseren Sternen näher, zu welchen wohl in manchen stillen Nächten, sein Herz voll unaussprechlicher Sehnsucht emporschaute, weil es in ihnen Denjenigen suchte, der sie gemacht hat.)
Außer der Wohnung des Astronomen, verwahret dieses Stockwerk in einem Saale noch eine sehr ansehnliche, und schön aufgestellte Mineralien-Sammlung; nebst einer Reihe verschiedener Kunstarbeiten aus Wachs, Metall, Glas, Stein, Holz und Elfenbein. Unter diesen zeichnet sich ein großer Altar von Ebenholz, und mit Elfenbein eingelegt, vorzüglich aus. Mit der schönen Bildsäule des berühmten Kepplers, welcher einst obderensischer Landschafts-Mathematiker war, schließet die bisherige Doppelstiege, und eine Wendeltreppe trägt uns in das vierte Stockwerk empor.
Wir befinden uns in der Gemählde-Gallerie. Hier wird Dich sowohl der veränderte Bau, als der reiche Inhalt, mit neuer Bewunderung erfüllen. Der ganze innere Raum bildet da einen einzigen, prächtigen Saal, welcher drei Klafter hoch durch zwanzig Fenster von allen Seiten beleuchtet wird. Sein Plafond ist mit künstlichen Stuccaturen geschmücket, und vier mächtige Pfeiler, in denen die Wendeltreppe nebst dem astronomischen Brunnen hinauflaufen, nehmen seine Mitte ein. Unter den Gemählden selbst, deren Zahl hier gegen fünfhalbhundert betragen soll, sind Werke der berühmtesten Meister enthalten. Man findet da Rubens, von Eyk, Lukas von Leyden, Rempp, Breugel, Schwarz, Holbein, Rosa de Tivoli, Salvator Rosa, Rugendas, Kordova, Hamilton etc.; Stücke der florentinischen, römischen, und altdeutschen Schule, und viele andere. Die schöne Ordnung, in welcher die Bilder aufgestellt sind, erhöhet noch den Eindruck des Ganzen.
Das fünfte Stockwerk bietet abermal einen neue Gestalt dar. Es bestehet aus einem weiten Gewölbe, welches durch einen großen Bogen in zwei Hälften geschieden wird. Merkwürdig ist hier ein Schallgewölbe, dann in einem Kabinette ein herrlicher Meridian-Kreis, ein kaiserliches Geschenk, nebst einer astronomischen Uhr von dem dänischen Künstler Urb. Jürgensen. Eine beträchtliche Menge Alterthümer aller Art, Gemählde, Schnitzwerke, Wehren, Holzbilder, ein Sessel aus den Gebeinen eines Elephanten, türkische Waffen und Kleidungsstücke aus den Schlachten von 1683, sind die übrigen Sehenswürdigkeiten dieses Saales.
Wir besteigen nun das sechste Stockwerk, und mit diesem erst die eigentliche Sternwarte. Ein großer mit Marmor gepflasterter Saal, zwei Stockwerke hoch und zuunter durch hohe, oben aber durch eirunde Fenster erhellet, bildet den innern Raum dieses Stockes. Die beiden Flügel-Gebäude sind niedergesunken und ihre Plattform gestaltet sich, gegen Süden und Norden zu zwei weiten, herrlichen Altanen. Hohe Doppelthüren führen auf dieselben; gegen Außen sind sie mittels Geländer gesichert, und deren Ecken durch steinerne Gebilde bewachet.
Das Innere dieses Stockwerkes ist nun in reichem Maße mit allen Vorkehrungen und Hilfsmittel zur Beobachtung des gestirnten Himmels bestellet. Ich erwähne hier unter den Instrumenten und Sehröhren blos zwei große Mauerquadranten, zu beiden Seiten der gezogenen Mittagslinie, mehrere Sextanten, worunter ein hadleyischer ist, einen reichenbachischen Vollkreis, einen Theodolid, ein nevtonianisches Teleskop, einen fraunhofer’schen Achromat, einen Kometensucher, mehrere Chronometers von Paris, Wien und Linz, nebst zwei großen Himmelskugeln und einer astronomischen Uhr von Fertbauer. Doch die Krone sowohl als den Stolz dieser vortrefflichen Samlung, machen die Geschenke des glorreichst regierenden Kaisers aus.
Von nun an zieht sich das Thurmgebäude mehr zusammen, und verenget sich im siebenten oder achten Stockwerke in ein einziges geräumiges Zimmer. Dieses enthält indessen noch zwei kleinere Ärker, in denen ein Meßkapelle und eine Sakristei eingerichtet sind. Durch zwei Thüren tritt man hier abermal auf zwei Altanen, welche nicht mehr so weit wie die erwähnten untern, in entgegengesetzter Lage angebracht sind, und mit zierlichen Eisengittern umfangen. Welch ein Standpunkt, o Freund! Welche Aussicht! Was soll ich damit vergleichen? Das trunkene Auge wirft sich mit einer Art Schwärmerei in diese entzückende Landschaft. Die prächtige Abtei mit ihren Gärten und Kunstanlagen, und der Markt mit dem lieblichen Kremsthale, breiten sich unter Deinen Füßen hin. Von Mittag her grüßen Dich die nahen, duftigen Riesenalpen, und eilet dann der Blick über die benachbarten Schlößer Kremseck und Achleiten, an den Bergen abwärts gegen Aufgang, so verliert er sich in ein Gewoge grüner Hügel ohne Grenzen; indessen er über Linz hin, jenseits der Donau an die Rücken der böhmischen Gebirge schweifet. Nur gegen Mitternacht und Abend ist der Sehkreis durch die nahen Höhen begrenzet, aber sie sind nur da, um die südliche Milde dieses Thales gegen die Anfälle der rauhen Winde zu schirmen. Und wenn hier der Tag schon solchen zauberischen Anblick darbietet, welch ein Schauspiel muß es erst gewähren, auf diesen Zinnen eine milde, sternenhelle Nacht mit ihren großen, wundervollen Bildern, über den Gebirgen vorüberzieh'n zu seh'n!
Und jetzt nur noch wenige Stufen, und wir haben die letzte Höhe dieses Prachtgebäudes erstiegen. Es endet in eine unbedeckte Fläche oder Plattform. Auf den vier Ecken sind vier Thürmchen erbaut, in deren Ärkern sich ein Regenmaß, verschiedenes astronomisches Geräthe, das Stiegenhaus und die umgitterte Öffnung des astronomischen Brunnens, durch welchen man aus der Tiefe, selbst bei hellem Tage, die Sterne erblicket, befindet. Zu diesen Thürmchen kommt auf der Rückseite stehend, noch ein Rundgebäude, worin eine Uhr nebst einem feststehenden Azimuthal-Quadranten, angebracht sind. Ein Runddach mittels Triebwerk beweglich, schließet dasselbe.
Dieses ist die berühmte Sternwarte, der berühmten Abtei Kremsmünster. Wir haben in diesem Thurme einen halben Tag zugebracht und ihn voll von Bewunderung verlassen; aber ich glaube, daß eine Woche kaum zureichen würde, um alles Merkwürdige, das er in sich schließet, zu beschauen. Niemand mag übrigens berechnen, welche Vortheile er der Wissenschaft sowohl, als der Jugend – und selbst der Volksbildung bringet. Zwar sind seine Sammlungen weder so reich noch so schimmernd wie die der Hauptstädte, aber sie stehen dafür Jedermann, auch dem einfachen Landmanne offen, und man hat nicht nöthig eine Reise in die Hauptstadt zu thun, um ein seltenes Thier, oder einen Sonnenflecken zu sehen. Man lernet hier, indem man sieht, und die gewonnenen Kenntniße pflanzen sich durch zahllose Anregungen wie von selbst, unbemerkt und ohne Anstrengung unter dem Volke fort. Lebe wohl!“

9. Dezennium
1838-1847

Eine „Studentenmutter“ besucht die Sternwarte mit ihren Kindern am 30. September 1838.

Dass man in Kremsmünster schon immer etwas „hoch hinaus“ war, ist bekannt. Nicht nur weil man einen 49 Meter hohen Sternwarteturm gebaut hat. Auch in der Bezeichnung der Gymnasiasten hat man die etwas hochtrabende Bezeichnung „Studenten“ verwendet. Und manche tun es noch immer. Mit der „Studentenmutter“ ist also vorerst die Mutter eines Gymnasiasten gemeint, die dann allerdings auch zur wirklichen Studentenmutter vorrückte – ja mehr noch – als Mutter des bedeutenden Paläobotanikers Konstantin von Ettingshausen, Professor und auch Rektor an der Grazer Universität bezeichnet werden konnte. Aber zuerst einmal zurück zum Sternwartebesuch. Er erfolgte am 30. September 1838 und es waren mit von der Partie: „Antonia von Ettingshausen, Antonia v. Ettingshausen, Tochter, Constantin v. Ettingshausen Sohn sammt Schwestern Emma u. Karolin“. So lautet die Eintragung im 4. Gedenkbuch. Die Mutter brachte also ihren Sohn zum zweiten Mal ins Internat. Und wohl war der Besuch der Sternwarte schon überschattet vom bevorstehenden Abschiednehmen.
Damals hatte das Gymnasium mit seinem 1803 neu errichteten Konvikt einen recht guten Ruf. Vor allem für Eltern, die etwas mit Naturwissenschaften zu tun hatten, war da das Gymnasium im Schatten der Sternwarte recht anziehend.
Konstantin von Ettingshausen wurde 1826 geboren. Die Jahre 1836 bis 1839 besuchte er das Stiftsgymnasium hier. Von seiner Mutter wissen wir schon den Namen: Antonia. Sein Vater war Andreas von Ettingshausen. Dieser hat sich 1819 zusammen mit Simon Stampfer in Innsbruck um eine Professur der Physik beworben und wurde angestellt. Er kam von Wien, wo er als Adjunkt an der Universität für Physik und Mathematik gearbeitet hatte. Schon 1821 kehrte er als Lehrer der höheren Mathematik nach Wien zurück. 1838 wechselte er zur Physik. Bis 1848 war er dann Professor dieses Faches und hatte auch einen recht bedeutenden Anteil an der Gründung der Akademie der Wissenschaften in Wien. Seine 31 Briefe im Archiv aus den Jahren 1834 bis 1840 geben einen guten Einblick in die experimentelle und theoretische Physik der damaligen Zeit. Seine Freundschaft mit P. Marian Koller, der von 1830 bis 1847 nach dem frühen Tod von P. Bonifaz Schwarzenbrunner die Sternwarte leitete, hat auf die physikalischen Sammlungen derselben einen großen Einfluss. Auch sein Schwager, der Physiker Andreas von Baumgarten war in unserem Haus kein Unbekannter.
Warum Konstantin von Ettingshausen 1839 Kremsmünster verließ und seine Gymnasialausbildung in Wien fortsetzte, ist uns nicht bekannt. Er kam dann an die Universität, um sich dem Studium der Naturwissenschaften zu widmen. Im Revolutionsjahr 1848 promovierte er zum Doktor der Medizin. Er wird Assistent beim berühmten Botaniker und Direktor des Botanischen Gartens, Stephan Endlicher, der aber schon 1849 plötzlich stirbt. So bereiste der junge Ettingshausen als Kustos-Adjunkt der Geologischen Reichsanstalt die wichtigsten Fundorte von Fossilien in Österreich. Er machte sich als Botaniker und Paläontologe bald einen Namen. So wurde er 1871 als Professor für Botanik und Phytopaläontologie an die Karl-Franzens-Universität nach Graz berufen. Bekannt wurde vor allem seine außergewöhnlich naturgetreue Art der Buchillustration. Zusammen mit Alois Pokorny entwickelte Ettingshausen eine Form des Naturselbstdruckes von Pflanzenblättern, die bis heute nicht übertroffen wurde. Naturselbstdrucke wurden schon sehr lange Zeit angefertigt. Auch in der Specula Cremifanensis von P. Laurenz Doberschitz ist so ein Naturselbstdruck eines Blattes eingebunden. Für Ettingshausen war der Vergleich der Blattnervatur von tertiären mit rezenten Pflanzen von Wichtigkeit.
Konstantin von Ettingshausen verstarb am 1. Februar 1897 im 71. Lebensjahr in Graz.

10. Dezennium
1848-1857

Finanzrat Ignaz Latzel, Professor Simon Stampfer, Gustav Starke und Ministerialrat P. Marian Koller kommen mit dem neuen Refraktor am 27. September 1857.

Die Zeit war günstig. P. Marian Koller war in Wien Ministerialrat und stand mit allen bedeutenden Physikern und Astronomen in enger, ja zum Teil ausgesprochen freundschaftlicher Beziehung. Professor Simon Stampfer war unserer Sternwarte ein wahrer Freund. Und der Direktor, P. Augustin Reslhuber, hatte in seinem Vorgänger als Abt, Thomas Mitterndorfer, einen großzügigen Oberen. Ein neues Gerät, ein großer Refraktor in einer Kuppel, war das angestrebte Objekt der Begierde. Oder sollte man besser sagen: das Gebot der Stunde?
P. Marian Koller war die Sternwarte noch immer ein Herzensanliegen. Wie könnte es auch anders sein. Wen sie einmal in ihren Bann gezogen hat, den lässt sie nicht mehr los. So „rumorte“ mancher Plan in seinem Kopfe (Brief an Reselhuber vom 28. Jänner 1852). Aus einem Brief vom 5. April 1852 erfahren wir : „Ich will die Sache mit Stampfer nun besprechen und das Übrige wird, se Dio lo vuole, folgen. Im August 1855 war dann Stampfer, diesmal mit Kunzek, mehrere Tage in Kremsmünster und von da an wurde die Sache ernstlich in Angriff genommen. Es kam die Zeit der Auswahl und des Abwägens, der Preis- und Qualitätsvergleiche. Zuerst stand aus preislichen Gründen ein Gerät von Plössl an vorderster Stelle. Man überließ Simon Stampfer die Entscheidung und der traf dann folgende Wahl: Das Fernrohr kam von Merz in München. Merz war der Nachfolger im Betrieb Fraunhofer-Utzschneider. Die Montierung aber sollte in der astronomisch-mechanischen Werkstätte des k. k. Polytechnischen Institutes in Wien durch Vater und Sohn Christian und Gustav Starke gebaut werden.
Da ein solcher Refraktor aber nicht im Freien aufgestellt werden kann, galt es, auch einen geeigneten Platz für eine Kuppel zu finden und die selbe auch anfertigen zu lassen. Nach den Plänen des k. k. Finanzrates Ignaz Latzel wurde der so genannte nordöstliche Pavillon – er trug damals wohl noch den Gnomon für die Mittagslinie im Hofgarten – in einen Beobachtungsraum mit Kuppel umgebaut. Die Eisenkonstruktion der Kuppel wurde in Wien durch den Schlossermeister Bernd ausgeführt. Gegen Mitte September 1857 war dann alles so weit vorangetrieben, dass man alles auf ein Dampfschiff laden und die Fuhre mit der wissenschaftlich hochrangigen Eskorte nach Linz auslaufen lassen konnte. Ministerialrat P. Marian Koller, Professor Simon Stampfer, Finanzrat Latzel und der Mechaniker Gustav Starke kamen so mit der teuren Fracht nach Linz und dann nach Kremsmünster um das gute Stück an seinem vorbereiteten Ort aufzubauen und einzurichten.
Am 11. Oktober war es endlich so weit. Die Kuppel war aufgebaut und der Refraktor darinnen aufgestellt. Man konnte eine „Große Soirée aller Mitbrüder im Refektorium in Anwesenheit“ der oben angeführten Herrn „als Einweihungsfeier des neuen Refraktors“ abhalten. P. Marian Koller hielt eine Festansprache. Am 18. Oktober verließ die illustre Gesellschaft Kremsmünster wieder Richtung Wien. P. Augustin Reslhuber hatte jetzt ein neues Instrument, das dem langjährigen Zusammenwirken von P. Marian Koller, Simon Stampfer und den beiden Mechanikern Starke aber zugleich der Sternwarte „die Krone aufgesetzt“ hat. (Fellöcker, 283).
Dass mit diesem Refraktor dem 1860 neu gewählten Abt Reslhuber der Abschied von der Sternwarte unmöglich war und er selbst als Direktor derselben bis zum Jahr 1873 im Amt blieb, ist nur allzu leicht verständlich. Solange das Gerät neu war, war ja vielleicht auch der Weg bis in die Kuppel hinauf noch nicht so beschwerlich.

11. Dezennium
1858-1867

Dr. August Genczik stirbt am 27. April 1864 im Stift.

Noch in Reslhubers Amtszeit als Direktor aber auch schon in die als Abt fällt dieser letzte Besuch eines Freundes unseres Hauses. Die letzten Tage seines Lebens verbrachte der „Kreh-Bader“, wie er von der Ebenseeer Bevölkerung genannt wurde, im Stift. Ob er kurz vor seinem Tod noch in der Sternwarte war, wissen wir nicht. Was wir wissen ist, dass er dem P. Gotthard Hofstädter, dem es während seiner Krankheit 1862 schon recht schwer gefallen ist, Anschauungsmaterial aus der Sternwarte für seinen Unterricht ins Gymnasium zu bringen, behilflich war, solches zu holen.
Mit Dr. August Genczik verlassen wir jetzt einmal das Terrain der Physik und Astronomie und begeben uns in den Bereich der Biologie. Auch wenn die Biologie heute andere Methoden hat, um ihre Sammlungen zu komplettieren, so waren es damals vielfach die Jäger, die dabei halfen.
Man mag zu dieser Art von Menschen stehen wie man will. Dr. Genczik jedenfalls war ein Jäger mit Leib und Seel’ und nicht nur das, man konnte ihn sogar als Großwildjäger bezeichnen. Dass es ihn in die Ferne zog, sieht man schon bei der Übernahme seines ersten beruflichen Auftrages. Er begleitete als Arzt den reichen Engländer Harrous auf seinen Reisen. Sie kamen nach Kairo. Dr. Genczik lernte die Landessprache und ließ sich 1849 als Chefarzt in Ägypten verpflichten. Nach dreieinhalb Jahren kehrte er kurz in die Heimat zurück um dann bald wieder nach Ägypten aufzubrechen. Sein Geld versuchte er ab 1856 am österreichischen Konsulat in Chartum zu verdienen. Aber es zog ihn nilaufwärts, wo die moderne menschliche Kultur vor der Wildnis noch Halt machte.
Unseren zoologischen Sammlungen und dem Direktor Augustin Reslhuber war er sehr verbunden und so erhielten wir von ihm eine ganz bedeutende Ausbeute seiner „Raubzüge“.
Mehrfach schickt er Kisten nach Österreich mit Vogelbälgen für Kremsmünster. An Reslhuber schreibt Genczik, dass es ihn ungemein freue, „dass das Stift Kremsmünster so außerordentlich mit der ersten Sendung zufrieden war, ich hätte stets gedacht, sie haben noch einen Groll wegen meinem Jugendstreich gegen mich.“ (12. 4. 1857) Die beiden seltenen Schuhschnabel-Präparate lenken heute noch die Blicke der Besuche auf die Vitrine mit Gencziks Spenden an die zoologischen Sammlungen. Ende 1857 kehrt Dr. Genczik wieder nach Oberösterreich zurück und besucht die folgenden Jahre häufig von Ebensee oder von Kogl bei Frankenmarkt aus Kremsmünster.
Aber schon als er 1862 P. Gotthard Hofstädter, dem damaligen Professor für Naturgeschichte an unserem Gymnasium, so manchen Dienst erwiesen hatte, war es um Gencziks Gesundheit nicht mehr ums Beste bestellt. Als er am 29. März 1864 nach Kremsmünster kam, war ihm bestimmt, dass er dieses nicht mehr verlassen sollte. Am 27. April starb er um etwa 15 Uhr. Auf dem Tisch in seinem Gastzimmer fand man noch einen angefangenen Brief an seine 85jährige Mutter.
Sollte ich hier den Eindruck erweckt haben, etwas gegen Jäger und gar Großwildjäger zu haben, so möchte ich darauf verweisen, dass ich die Finanzierung der Pflege von Gencziks Grab am Kremsmünsterer Pfarrfriedhof wie auch die Übersiedlung von Gencziks Porträt aus dem Bilderdepot in die Sternwarte veranlasst habe. Sein Bild hing lange Zeit unerkannt im Bilderdepot des Stiftes und schmückt jetzt den Mikroskopierraum der Sternwarte. Außerdem besuche ich ab und zu in Erinnerung an den begeisterten Fischer, der dort seine letzten Jahre verbracht hat, das Kreh-Gasthaus, um köstlich zu speisen (unbezahlte Werbung). Das Kreh-Gasthaus befindet sich im Langbathtal bei Ebensee und dort begann Dr. Gencziks Tätigkeit als Gesellschafter und ärztlicher Begleiter im Dienste Harrous. Von den Möglichkeiten zu fischen angelockt, kehrte Genczik am Ende seines Lebens zurück und stand als „Kreh-Bader“ bei der armen Bevölkerung Ebensees in hohem Ansehen, da er ihr unentgeltlich seinen Rat und seine Hilfe zukommen ließ.

12. Dezennium
1868-1877

Ein Grünspecht dringt am 15. Jänner 1871 in den astronomischen Saal ein.

Abt Augustin Reslhuber vermerkt im Tagebuch der Sternwarte zum 15. Jänner 1871: „15. Jan. kam ein Grünspecht in den magn. Saal, und stieß den Draht des Bifilars ab; zertrümmerte über dreißig Fensterscheiben.“ (III, 130) Dass Spechte gerne überall mit ihrem Klopfen Lärm machen ist bekannt. Dass sie dabei Fensterscheiben einschlagen, war mir – so muss ich gestehen – neu. Zu erklären bleibt über diesen unfreundlichen Besuch doch noch einiges, was den magnetischen Saal und das Bifilar betrifft. Dafür müssen wir aber das Rad der Zeit noch einmal einige Dezennien zurückdrehen.
Eine Erneuerung der Fenster sowie des Verputzes der Sternwarte erfolgte im Mai 1848.
Magnetisches Observatorium
Abb. 4: Magnetisches Observatorium im Hofgarten
Abb aus Reslhuber
Bereits seit dem Jahr 1815 wurden von Zeit zu Zeit und seit dem Jahr 1832 regelmäßig am Anfang oder Ende jedes Monats Bestimmungen der magnetischen Deklination mit dem Deklinatorium von Georg F. Brander gemacht.
Die Verbindung mit Johann v. Lamont in Bogenhausen und Carl Kreil veranlassten P. Marian Koller sich intensiver mit diesem neuen Bereich der Geophysik zu beschäftigen. In Poggendorffs Analen der Physik und Chemie des Jahres 1833 wurde eine Beschreibung des von Gauss in Göttingen in seinem magnetischen Observatorium verwendeten Magnetometers abgedruckt (S. 247-251). Seit 1835 bestand der in Göttingen gegründete magnetische Verein.
1839 wurde dann das Gauss'sche Magnetometer für Kremsmünster aus der Werkstätte von Moritz Meyerstein in Göttingen angeschafft. Es wurde im Astronomischen Kabinett, das damals als solches keine Verwendung mehr fand, aufgestellt. Um den Einfluss der alten Instrumente mit ihren großen Eisenmassen auszuschalten, entfernte man die zwei großen Mauerquadranten, den Zenit-Sektor und die Fernrohre zur Beobachtung der Polarsterne aus dem Observatorium.
Eine der dort befindlichen Uhren wurde auf mittlere Göttinger Zeit gestellt. Die Beobachtungstermine waren vom magnetischen Verein für alle Mitglieder vorgegeben. In einem Circular, das in unserem Archiv vorhanden ist, wird die Zahl der Termine auf vier festgesetzt und zwar von drei zu drei Monaten, am Ende der Monate Februar, Mai, August und November.
Die Ablesung am Magnetometer bewerkstelligte man mit Hilfe eines Beobachtungsfernrohres über einen an der Achse des Magnetstabes befestigten Spiegel. Der Wert konnte so von einer Skala an der Mauer abgelesen werden. Vorerst befand sich das Unifilar etwa in der Mitte des Raumes. Dieses Instrument ist an einem einfachen Draht aufgehängt und zeigt somit die Änderungen der magnetischen Deklination.
1840 erwarb Koller aus derselben Werkstätte ein zweites Gerät. Dieses war ein so genanntes Bifilar. Der 14,3 kg schwere Magnetstab war in diesem Fall auf zwei Drähten aufgehängt. Es konnte damit auch die Intensität der Abweichung gemessen werden. Das Bifilar wurde jetzt an der Stelle des Unifilars aufgestellt. Das Unifilar kam an die Stelle, an der es auch heute noch steht. Der Draht, ein versilberter Kupferdraht, wurde am dem festen Pfosten aus Lärchenholz befestigt. Im Oktober 1840 erfolgte die erste Messung mit dem neuen Bifilar.
Bald darauf erkannte man, dass die Messungen im Astronomischen Kabinett nicht besonders präzise ausgeführt werden konnten, sodass man den Plan fasste, ein eigenes Observatorium im Hofgarten zu errichten. Im Juni des Jahres 1841 wurde dieser ausgeführt. Mit Anfang des Jahres 1842 begannen die täglichen Messungen an neuen dafür angeschafften Magnetometern. Vorerst war es wiederum ein relativ leichtes Unifilar. Dann bestellte Koller ein Inklinatorium bei Repsold das im Juni 1850 hier eintraf.
Der Schaden, den der unfreundliche Grünspecht anrichtete, war also relativ leicht zu beheben und es wurden keine Messungen unterbrochen. Die Frage nach seinem weiteren Schicksal bleibt ungeklärt. Das Nächstliegende, ihn als Stopfpräparat in die zoologischen Sammlungen einzufügen, ist wohl nicht geschehen. Jedenfalls haben wir kein Grünspecht-Präparat aus diesem Jahr.

13. Dezennium
1878-1887

Kaiser Franz Josef I. besucht die Sternwarte am 19. August 1884.

Inzwischen ist in der Sternwarte vieles anders geworden. P. Gabriel Strasser löste Abt Augustin Reslhuber 1873 als Direktor ab. Der alternde Abt Augustin musste an einen Nachfolger denken und seine Aufgaben als Abt und Prälat werden auch nicht weniger geworden sein. Er starb am 29. September 1875. P. Gabriel war nicht besonders gesund, war zwischen 1873 und 1882 Direktor. Er verstarb 59jährig. Als sein Nachfolger wurde 1882 P. Koloman Wagner von Abt Leonhard Achleuthner eingesetzt. Auch räumlich waren Änderungen eingetreten. Die Bildergalerie war aus dem hohen Saal in die Räume der Abtei verlegt worden. Damit bekamen die zoologischen Sammlungen mehr Platz und es wurde mit P. Anselm Pfeiffer ein eigener Kustos für die naturhistorischen Sammlungen bestimmt. Aus seinen „Memorabilia“ können wir für den Besuch seiner kaiserlichen Hoheit einen Tag nach ihrem Geburtstag am 19. August 1884 Folgendes entnehmen: „Für diesen allerhöchsten Besuch traf man in der Sternwarte folgende Vorbereitungen. Alle Lokale wurden sorgfältig gereinigt. In der Anordnung der Objecte wurde nichts geändert; nur in dem langen Saale des I Stockes stellte ich die Conchylien-Sammlung auf, welche bisher in dem Insectenschaukasten im akustischen Gewölbe sich befanden (Unter Beihilfe des Herrn Aug. Wimmer). Die überkommenen Bestimmungen wurden damals möglichst corrigiert. In den Fächern des geleerten Insektenschaukastens wurde die Sammlung von Hölzern in gefälliger Form provisorisch aufgestellt. Diese ganze Arbeit dauerte 3 Wochen. – Von den geschlossenen Insectenkästen im I. Stocke wurden einige Laden als Proben herausgestellt. – Die beiden Portale der Sternwarte wurden neu angestrichen u. das Ostportale mit einem Triumphbogen geschmückt. Schon einige Tage vor dem Besuche wurde die Sternwarte für Fremdenbesuche ganz abgeschlossen. Von der Kirche her begab sich S. Majestät zum Fischbehälter u. durch den Hofgartengang in Begleitung des Erzbischofes Cölestin, des Statthalters v. Lonz u. vieler anderer Herrn, die ich nicht kannte, zum Feigenhaus u. von dort zum Ostportal der Sternwarte.
Vor dem Portale stellten wir uns auf (Der H. Dir. der Sternwarte u. ich) – So war es angeordnet. Wir wurden von dem Herrn P. Prior Sigmund Sr. Majestät vorgestellt. Sr. Majestät erkundigte sich um unsere Universitätsstudien, insbesondere darum, ob wir in Wien dieselben zurücklegten, was bejaht wurde.
Nun betrat S. Majestät die Sternwarte u. besuchte das geologische Museum. Mitten in den Saale tretend sprach er: ‚A Petrefacten; man hat ja hier unlängst eine Höhle entdeckt!’ Herr Prälat gab mir ein Zeichen, dass ich zur Explication vortreten solle. Ich erklärte, dass die Fossilien aus der Höhle im paläontologischen Museum sich befinden. – Nach kurzem Rundgang in diesem Museum schritt S. Majestät die Stiege aufwärts in den ersten Stock u. fragte mich nach den Bildern der Zöglinge der einstigen Adelsakademie. – Im paläontolog. Museum besah sich S. Majestät insbesondere die Bärenreste aus der Lettenmairhöhle, im langen Saale die Glasmodelle der Seethiere, wobei er sich um den Verfertiger erkundigte. Die an den Wänden der Kästen hängenden Schülerzeichnungen betrachtete S. Majestät mit sichtlicher Freude über die Leistungen unserer Schüler u. gab derselben in Worten auch Ausdruck. – Im physikalischen Museum führte Dr. P. Coloman S. Majestät; im mineralogischen trat P. Prior [= P. Sigmund Fellöcker] – der Schöpfer dieser eleganten Sammlung – an die Spitze der Führung. – Beim Eintritt in das zoolog. Museum staunte S. Majestät über das schöne Lokale. ‚Wol kein Gymnasium’, sprach Er, ‚hat so reiche Sammlungen, wie diese sind; u. wie schön alles aufgestellt ist!’ S. Majestät stieg nun rasch zum akustischen Saale auf, besah dort die Modelle der Kryptogamen u. das der Honigbiene, trat auf beide Plattformen hinaus u. besah dann unter Leitung des Dr. P. Coloman mit vieler Theilnahme den Refractor. – Sofort erfolgte der Rückgang. Am Westportal öffnete der Director u. ich die beiden Thorflügel. Hier sprach Sr. Majestät: ‚Ich danke ihnen sehr; es hat mich sehr gefreut ihre so schöne Sammlung zu sehen.’ Von hier ging S. Majestät durch den Conventgarten in die Bibliothek. Es war ungefähr 10 1/2 Uhr.“ (Memorabilia, 3)
Dass wir diesem Besuch etwa ein neues Instrument verdanken könnten, ist mir nicht bekannt. Aber wie sagt mein ehemaliger Geschichtsprofessor? Man brauche sich nicht vorstellen, die österreichischen Kaiser seien nur pektoralienstreuend durch die Klöster gezogen. Immerhin ein Brustkreuz (= Pektorale) vom Kaiser Franz Josef I. haben wir ja (von Fürsterzbischof Cölestin Ganglbauer). Dass es eine Ehre war, vom Kaiser besucht zu werden, sieht man ja aus P. Anselms Bericht. Eine gute Nachred’ hatten wir vielleicht auch und das ist viel wert, selbst in einer Zeit, wo man das Wort Mobbing noch nicht kannte.

14. Dezennium
1888-1897

Anton Kerner von Marilaun besucht im Herbst 1894 den Botanischen Garten.

Die Vorstellung, dass zu den naturwissenschaftlichen Sammlungen des Mathematischen Turmes auch ein botanischer Garten gehöre, finden wir bereits in einem Konzept des 3. Direktors der Sternwarte P. Bonifaz Schwarzenbrunner. Im Jahr 1889 begann dann dieser Plan Wirklichkeit zu werden. Im alten Forstgarten im Zwickel zwischen Haderbach (heute Gunterweg) und der Linzer Straße (heute Burgfried) östlich des Gunterteiches wurde 1843/44 die Schwimmschule des Konvikts gebaut. Der Schwimmlehrer Johann Paul Kehl, ein Tiroler, holte sich offenbar mit der Anlage eines winzigen Alpinums die Erinnerung an seine Heimat hierher. Als Kehl 1889 den Schuldienst aufgegeben hatte, entstand die Idee, der Naturgeschichtsprofessor und Kustos der Sternwarte P. Anselm Pfeiffer solle für das Gymnasium aus den wenigen Beeten einen botanischen Garten entwickeln. Diese Idee wurde dann auch verwirklicht.
P. Anselm führte von Beginn an ein recht ausführliches Tagebuch, in dem er neben den notwendigen Arbeiten und dem anfallenden Ärger, den er sich von der Seele schreibt, alle kultivierten Pflanzen und deren Herkunft verzeichnet. So mancher Schüler hat auch durch diese Einrichtung sich eine ganz gute Artenkenntnis erwerben können. Manche haben sogar ihre Begeisterung so weit getrieben, selbst kleine „Botanische Gärtchen“ vor ihren Kost- oder Elternhäusern zu errichten. So mancher Botaniker der Monarchie hat sich eingefunden um den Garten zu besuchen. Diese Fachleute wurden dann fleißig für das Bestimmen der Pflanzen eingespannt. Das hatte einen wertvollen korrigierenden Effekt. Wer weiß, wie lange man P. Gotthard Hofstädters Fehlbestimmung des Geranium sylvaticum vom Südrand des Ziegelholzes weitergegeben hätte, wenn Richard Wettstein nicht P. Leonhard Angerers Revision auf Geranium palustre bestätigt hätte. Aber das ist eigentlich schon wieder übers Dezennium hinausgeschossen. Schon zu Pfeiffers Zeiten waren die Kontakte zum Wiener Botanischen Garten und zum dortigen Institut für Botanik recht gut. Denn auch schon Wettsteins Vorgänger in Wien, Anton Kerner von Marilaun wurden „noch theilweise zweifelhafte“ Arten zum Bestimmen vorgelegt. Beide Botaniker verband ja der Umstand, ihre Söhne am Kremsmünsterer Gymnasium in Ausbildung zu haben. „Da Kerners Sohn, Rudolf m. N. hier die 7. u. 8. Classse studierte, so kam der Herr Hofrat öfters nach Kremsmünster, hielt sich aber meistens nur sehr kurze Zeit, öfters nur einige Stunden hier in Kr. auf. Einigemale hatte ich Gelegenheit, mit ihm in der Umgebung von Kremsmünster botanische Ausflüge zu machen. Dabei schenkte er ganz besonders den Rubus-Arten seine Aufmerksamkeit und sammelte dieselben. ... Dies geschah im Spätherbst 1894. Noch in dem selben Herbste setzte ich diese Arten in unserem bot. Garten und gründete eine Rubusgruppe.“ (Gesch. Bot. Garten, 182).
Anton Kerner von Marilaun war Professor für Botanik an der Universität Wien und dass sich Botaniker mit Rubus-Arten herumschlagen, ist nicht weiter verwunderlich. Die meisten Arten der Gattung Rubus, Brombeere, erzeugen die Samen hauptsächlich auf ungeschlechtlichem Weg und zeigen daher keine genetische Variation. Bei den seltenen Kreuzungsereignissen können jedoch Hybriden entstehen, die meist wieder genetisch konstant sind und sich wie Arten verhalten. Die moderne Batologie (= Brombeerforschung) gibt für Österreich rund 270 Arten der Eigentlichen Brombeere an.
P. Anselm Pfeiffer als Kustos der Sternwarte konnte mit seinem Botanischen Garten auf die volle Unterstützung des damaligen Sternwartedirektors rechnen. P. Franz Schwab hat 1895 die Leitung des Turmes übernommen. In den Jahren seines Theologiestudiums in St. Florian hat Schwab 1883 einen Artikel mit dem Titel „Floristische Verhältnisse von St. Florian in Oberösterreich“ veröffentlicht. Als P. Franz Schwab dann 1906 aus gesundheitlichen Gründen das Amt des Sternwartedirektors zurücklegte, widmete er sich wieder ganz der Sciencia amabilis, der Botanik. Er wurde einer ihrer bedeutendsten Forscher in Kremsmünster, auch wenn er selbst durch sein Magenleiden, das 1910 zu seinem Tod führte, gehindert, nicht mehr zur Veröffentlichung seiner Verbreitungsdaten kam. Ein paar Dezennien später stieß ich selbst bei Archivarbeiten als Kustos-Assistent am 24. Dezember 1982 auf seine gesammelten vegetationskundlichen Arbeiten. Ich betrachte es noch heute als eines der schönsten Weihnachtsgeschenke. Schon als Schüler des Gymnasiums hatte ich einmal ein solches aus der Hand von P. Maximilian Schwediauer in Form eines elektrischen Messgerätes zugesteckt bekommen. Aber zurück zur Botanik! Diese Arbeit P. Franzens hat mich dann dazu bewogen, im extrem stark landwirtschaftlich beeinflussten Gebiet der Umgebung von Kremsmünster eine floristische Untersuchung zu starten. Ich sah es durchaus auch als „Akt der Pietät“, wie es Richard von Wettstein formulierte, diese Arbeit P. Franzens in unsere heutige botanische Fragestellung herein zu ziehen.
Aber kehren wir zurück in die Geschichte. Über die modernere Botanik können wir ja weiter unten auch noch handeln.

15. Dezennium
1898-1907

Im Sommer 1905 stellt Othenio Abel den Höhlenbären auf.

Am 7. Juli 1902 verstarb der um die naturhistorischen Sammlungen so verdiente Kustos P. Anselm Pfeiffer. Mit ihm verlor das Gymnasium einen begnadeten Lehrer und die Sternwarte einen unermüdlichen Sammler und Forscher. Zu seinem Nachfolger wurde P. Leonhard Angerer bestellt. Auch er verband die beiden Aufgaben in Sternwarte und Schule. Sein Interesse galt neben der Botanik vor allem der Geologie und Paläontologie. Im 60. Programm des k. k. Obergymnasiums der Benediktiner zu Kremsmünster für das Schuljahr 1910 veröffentlichte er seine Arbeit: „Geologie und Prähistorie von Kremsmünster“. In der Einleitung dazu dankt er einem Mann, der am Zustandekommen dieses Werkes großen Anteil hatte, nämlich dem Universitätsprofessor Dr. Othenio Abel.
Höhlenbär
Abb. 5: Skelett des Höhlenbären im Paläontologischen Kabinett
Foto: P. Amand Kraml
Über die freundschaftliche Beziehung dieses bedeutenden österreichischen Paläobiologen gibt ein umfangreicher Briefwechsel beredt Auskunft. Der erste Kontakt wurde über die Botanik schon mit P. Anselm Pfeiffer geknüpft. Abel erhielt dann von der k. k. Geologischen Reichsanstalt den Auftrag, das Blatt Wels - Kremsmünster der Geologischen Karte (1:75.000) neu aufzunehmen. So brachte er seit 1905 die Sommermonate in unserer Gegend zu. Auch einer seiner Neffen aus Wien, wurde an unser Gymnasium geschickt. Viel später dann, schickte Abel ebenso seinen Sohn an diese Anstalt.
Besuche in der Sternwarte machten O. Abel auf die umfangreiche Sammlung von Höhlenbärenknochen aufmerksam, die wir hier haben. Schon in der Barockzeit lösten die bei Steinbrucharbeiten gefundenen Schädel dieses „vorsintflutlichen Tieres“ Staunen aus. Der Unterschied zu rezenten Bären ist so groß, dass an eine Zuordnung zu dieser Gattung nicht zu denken war. Schon Popowitsch, er war Lehrer an der Ritterakademie und ein bedeutender Naturforscher, berichtet in seinen „Untersuchungen vom Meere“ von diesen „Drachenköpfen“. (S. 119) Im Jahre 1881 wurde dann die Lettenmaierhöhle entdeckt und ausgegraben. Dabei stieß man wiederum auf über 2000 Knochen des Höhlenbären. Das hatte offenbar auch Eindruck auf Kaiser Franz Josef I. gemacht, da er diesen Fund bei seinem Sternwartebesuch ansprach. Abel hat sich also diese Knochen vorgenommen. In einem Brief vom 24. November 1905 schreibt er: „Der Schädel des Ursus spelaeus [= Höhlenbär] ist geklebt und ziert vorläufig mein Zimmer; ich habe mich nicht entschließen können, mich von diesem Schädel zu trennen, da er für mich eine so liebe und angenehme Erinnerung an die in Kremsmünster verbrachten schönen Stunden bildet.“ Und weiter am 16. Dezember 1905 an den Herrn Prälaten, es war seit 27. April 1905 Abt Leander Czerny: „Ich schätze mich glücklich, dass ich Ihnen und den Herrn des Stiftes im verflossenen Sommer näher treten durfte; es werden die im Stifte Kremsmünster verbrachten Stunden immer zu meinen angenehmsten Erinnerungen gehören. Am 5. Dezember erstattete ich in der Sitzung der geolog. R.-A. Bericht über meine diesjährige Tätigkeit und hatte die Freude, daß die Wiener Geologen über die Reichhaltigkeit und den grossen Wert der Höhlenbärenreste in Ihrer Sammlung ganz überrascht waren. Durch die Güte von Herrn Prof. P. Leonhard war ich in der Lage, die trefflichen Photographien der Kollektion vorlegen zu können...“.
Othenio Abel, der sich selbst scherzhaft als "Pater Ursi" bezeichnete, montierte für die paläontologischen Sammlungen aus verschiedenen Individuen fast gleichen Alters ein beinahe vollständiges Skelett eines erwachsenen Männchens.
Dass Prof. Dr. Othenio Abel auch beim Ankauf des Ichthyosauriers großen Anteil hatte, soll hier nur kurz angesprochen werden.

16. Dezennium
1908-1917

Besuch mehrerer Astronomen beim neuen Meridankreis am 19. September 1908

P. Franz Schwab bat am 7. Jänner 1906, nachdem er schon mehrere Male aus Gesundheitsgründen semesterweise vom Schuldienst beurlaubt werden musste, um die Enthebung von seinem Amt als Sternwartedirektor. Im Tagebuch verzeichnet er: „Da es wünschenswert ist, daß an der Spitze der Sternwarte ein körperlich und geistig rüstiger Mann stehe, dies aber bei mir nicht mehr zutrifft, so ersuchte ich den Abt, mich meiner Stelle als Direktor zu entheben, was auch genehmigt wurde. Zu meinem Nachfolger wurde P. Thiemo ernannt. Vivat! Damit ist von selbst die Vereinbarung zur Ausführung gekommen, die getroffen wurde, als ich das Direktorat gegen meinen Wunsch übernehmen mußte, daß ich die Geschäfte wenigstens solange fortführen solle, bis geeignete Personalverhältnisse eintreten. Vielleicht wurde ich durch die Krankheit erinnert, nicht mehr länger zu zögern. Damit schließe ich in Gottes Namen meine zehnjährige Tätigkeit. Deo gratias.“ (IV. Tagebuch, 16)
P. Franz Schwab war aber auch als emeritierter Direktor der Mentor der ganzen Sternwartemannschaft.
Noch unter seiner Direktion geschah es, dass die Sternwarte 1896 unerhofft eine bedeutende Erbschaft von einem Wiener Hofrat machte.
Meridianhaus im Bau
Abb. 6: Bau des "Meridianhauses"
Foto aus dem Archiv der Sternwarte
Schon unter dem siebten Dezennium habe ich davon berichtet, dass der Jaworski-Meridian, den wir von Kaiser Franz I. erhielten, 1886 unter dem Direktorat von P. Koloman Wagner in den Garten übertragen wurde. Es wurde dafür im Hofgarten ein eigenes Häuschen errichtet, das 1928, als P. Richard Rankl seine Beschreibung des Meridiankreises lieferte, noch bestand. Im Abreißen war man allerdings bei uns immer ziemlich voreilig. Auch das Meridianhaus, von dessen Errichtung jetzt berichtet werden soll ist gleichsam in einer Nacht-und-Nebel-Aktion aus heute völlig unergründlichen Motiven 1977 beseitigt worden. Aber das wieder nur am Rande. Wir wollen ja wissen, wie es dazu kam, dass am 19. September 1908 eine erlesene Gruppe von Astronomen aus der ganzen Welt hierher strömte.
Meridianhaus im Bau
Abb. 7: Bau des "Meridianhauses"
Foto aus dem Archiv der Sternwarte
Das Hauptinstrument der messenden Astronomie, das Meridianinstrument von Jaworski, war 1896, als jetzt unerwartet bedeutendere finanzielle Mittel zur Verfügung standen, durchaus als veraltet zu bezeichnen. Auch seine Aufstellung war nicht mehr zeitgemäß. Auf Rat des Direktors der Kuffner’schen Sternwarte in Wien, Leo de Ball, entschloss sich P. Franz Schwab, bei Repsold in Hamburg ein Meridianinstrument zu bestellen. 1901 bereits wurde das Gerät geliefert. Keine österreichische Sternwarte hatte ein vergleichbares Instrument.
Die Patres Bonifaz Zölß und etwas später Anselm Blumenschein erwarben sich eingehende Kenntnisse, um mit diesem neuen Instrument arbeiten zu können. Am 6. Mai 1906 wurde der erste Spatenstich zum Bau des neuen Meridianhauses gesetzt. Geheimrat Prof. Wilhelm Schleyer in Hannover lieferte die Pläne. Im Sommer 1907 wurde das Eisendach, welches sich in der Mitte öffnen ließ, durch Firma Mosenthin in Leipzig aufgestellt und das Instrument montiert. Am 11. September 1907 verzeichnet P. Franz in seinem Tagebuch: „die Aufstellung des Merid. instr. vollendet“. (S. 35)
Für den 19. September 1908 trägt P. Franz in sein Tagebuch ein: „Über Einladung des P. Thiemo bei der Astronomen-Versammlung in Wien besuchten uns mehrere Astronomen: ...
Kamen 19. – Mittags im Kaisersaal Extratafel, dann Besichtigung Fischbehälter, Kunstsammlungen, Kirche, Meridiankreis, Turm. Abendessen im Kaisersaal. Tetens fuhr abends fort, Herz und Kudr. am Sonntag früh. Pechüle besuchte als Katholik eine hl. Messe. Hartwig und Prey reisten 10h ab, die anderen um 1h. Samstag bei Tafel einige Toaste. Alles recht befriedigt über den schönen Verlauf des Besuches, der für uns eine hohe Ehre bedeutet. Vor der Versammlung waren hier M. Wolf aus Heidelberg samt Frau, G. van Biesbroeck, Assistent in Uccle u. der Bibliothekar von Brüssel; nachher am 21. Luigi Gabba vom Osserv. di Brera in Milano.“ (S. 45). Aus dem Gedenkbuch der Sternwarte (begonnen 1903) können wir die Liste der Astronomen wiedergeben: Julius H. G. Franz, Sternwarte Breslau, Boris Kudrjawzen Adjunct-Astronom an der Sternwarte in Pulowo, Richard Schorr – Direktor der Hamburger Sternwarte, Dr. Norbert Herz, Wien, C. F. Pechüle, Sternwarte Kopenhagen, Otto Tetens, Cordoba, Argentinia, Dr. Adalbert Prey, Wien Gradmessungsbureau, N. Hartwig [Gattin des Folgenden], Prof. Ernst Hartwig, Direktor der Sternwarte Bamberg, Ing. Luigi Gabba, Astronom der Sternwarte in Mailand, P. August Fänsch S.V.D., St. Rupert b. Bischofshofen, J. G. Hagen S. J. Specola Vaticana, Roma, P. R. Handmann S. J. Linz Freinberg, Dr. Hugo Springer, Abt zu Seitenstetten, P. Ambros Sturm aus Seitenstetten.
Man hatte also wieder ein Instrument, das der modernen astronomischen Forschung brauchbare Dienste leisten konnte. Leider waren die Umstände weniger rosig. P. Bonifaz Zölß musste seine ganze Energie in den Bau des 1910 zu errichtenden Elektrizitätswerkes des Stiftes stecken. 1914 endlich kam P. Anselm Blumenschein nach abgeschlossenem Mathematik- und Physikstudium aus Wien nach Kremsmünster zurück. Er ging mit größtem Eifer an die Arbeit, bis er am 14. Juni 1915 zum Kriegsdienst an die italienische Front als Feldkurat eingezogen wurde. Schon am 17. April 1916 fiel er am Col di Lana.
P. Richard Rankl, 1918-1945 Assistent an der Sternwarte, setzte kurze Zeit hindurch die Arbeiten am Meridiankreis fort. Er schreibt 1928 in seiner kleinen Arbeit über den Meridiankreis: „Nach dem Krieg hatte das Radio einen ungeahnten Aufschwung genommen und dadurch auch der astronomischen Wissenschaft ein bequemes Hilfsmittel für den Vergleich astronomischer Uhrzeiten geliefert. Diese Tatsache nahm der Verfasser zum Anlaß, mit Hilfe der von Nauen und Paris gegebenen drahtlosen Koinzidenzsignale und einer Reihe von Zeitbestimmungen am Repsold’schen Meridiankreis eine Längenbestimmung für diesen Ort durchzuführen.“ (S. 18) P. Richard Rankl war zwar Assistent der Sternwarte, aber Verwaltungstätigkeiten im Stift nahmen ihn immer mehr in Anspruch, sodass er für die astronomische Arbeit nur mehr sehr wenig Zeit aufbringen konnte.

17. Dezennium
1918-1927

Geologische Exkursion unter Leitung von Prof. Albrecht Penck aus Berlin am 5./7. Juni 1922

Exkursion 1922
Abb. 8: Exkursionsteilnehmer im Jahre 1922
Foto im Archiv der Sternwarte
Wie bedeutend die Gegend um Kremsmünster für die österreichische Eiszeitforschung war und noch ist, ist ja schon angeklungen. Othenio Abel bearbeitete die Geologische Karte neu, P. Leonhard Angerer beschrieb in seinen Arbeiten die lokalen geologischen Verhältnisse. Albrecht Penck und Eduard Brückner, die Autoren des epochemachenden Werkes „Die Alpen im Eiszeitalter“ führten mehrere Exkursionen in unsere Gegend und natürlich auch in unsere Sammlungen.
Der Eintrag für den angegebenen Besuch am 5./7. Juni 1922 lautet: „Wie am 30./31 August 1903 den IX. Internationalen Geologenkongress führte am 5./7. Juni 1922 frühere und heutige Studierende der Geographie der Universität Berlin nach der alten Kulturstätte Kremsmünster Albrecht Penck aus Berlin.“
Blättert man an den Anfang dieses Gedenkbuches so findet man als erste Eintragung, für die dieses schön gebundene Buch angelegt wurde: „Besuch der Glazialexcursion des IX. Internationalen Geologen-Kongresses (Wien) in Kremsmünster am 30. u. 31. August 1903“ und dann kommen Namen von Geologen aus ganz Europa und darüber hinaus.
Für die Quartärgeologie (oder Glazialgeologie) ist der Raum um Kremsmünster insofern von besonderer Bedeutung, als der Vorstoß des Steyr-Krems-Gletschers – im Vergleich mit den übrigen Gletschern östlich der Salzach – besonders weit nach Norden ging. Damit wurde die Moränenlandschaft um Kremsmünster zu einer Schlüsselstelle für die Quartärforschung des Nördlichen Alpenvorlandes. Schon 1887 besuchte Albrecht Penck zum ersten Mal Kremsmünster. Dann führte er die Glazialexkursion zusammen mit Eduard Richter hierher. Im Anhang zum Führer dieser Exkursion findet sich das erste geologische Übersichtskärtchen der Traun-Enns-Platte von Adolf E. Forster. Ihm folgte die oben erwähnte Kartierung des Blattes Wels – Kremsmünster der Geologischen Spezialkarte durch Othenio Abel zwischen 1905 und 1910. Von Albrecht Pencks Zeiten bis heute gehört der Kremsmünsterer Raum zu den regelmäßigen Programmpunkten der entsprechenden Fachexkursionen. Eine Episode sollte hier noch über das 17. Dezennium hinausweisen: Den verworrenen Umständen zum Kriegsende 1945 verdanken wir die geologische Detailkarte der Quartärbildungen um Kremsmünster (1:25.000) durch Franz Lotze. Anfang April 1945 wurde nämlich eine Gruppe des Reichsamtes für Bodenforschung, Zweigstelle Wien, nach Wilhering verlagert. Der Rest davon übersiedelte Ende April 1945 nach Kremsmünster, und so existierte über 5 Monate hinweg, von Mai bis September, die „Geologische Staatsanstalt von Österreich, Ausweichstelle Kremsmünster“.

18. Dezennium
1928-1937

Besuch von Hofrat Armin Tschermak und seinem Bruder Erich im Oktober 1928

Im Tagebuch der Naturalienkabinette von Kustos P. Leonhard Angerer finden wir in seiner schwer leserlichen Schrift die Eintragung: „Hofrat Armin Tschermak war mit seinem Bruder Erich im Oktober 1928 hier, sandten zu Weihnachten einen Steindruck, das Bild ihres + Vaters, unseres unübertrefflichen Lehrers der Mineralogie. Ich habe es gleich hinter Glas u. Rahmen gebracht und im Mineralogischen Kabinett zu Mohs, Haidinger, Eggerth aufgehängt“. (S. 234 u. 244)
Hier kommen wir also doch endlich auch einmal ins Mineralogische Kabinett. Ein kurzer Hinweis darauf, dass P. Prior Sigmund Fellöcker ein verdienter Mineraloge in unserem Haus war, wurde ja schon beim Besuch von Kaiser Franz Josef I. gegeben.
Das Bild, das P. Leonhard im Mineralogischen Kabinett aufhängte, war das Porträt des berühmten Wiener Mineralogen Gustav Tschermak. Ihn hatte Angerer als Lehrer während seiner Studienzeit an der Universität in Wien 1887-1891. Othenio Abel hielt als Dekan der philosophischen Fakultät 1927 seine Trauerfeier und charakterisierte ihn dabei: „Er war immer ein Hofrat vom Scheitel bis zur Sohle.“ Das bestätigt sein Sohn Erich und fügt in seiner Autobiographie hinzu: „Wirklich befreundet war er nur mit seinen Kollegen, dem Chemiker Ernst Ludwig, dem Meteorologen Julius Hann ...“. (S. 5) Julius Hann, Direktor der Zentralanstalt für Meteorologie und Erdmagnetismus war übrigens auch Kremsmünsterer Maturant und so mag es nicht verwundern, dass Gustav Tschermak seine beiden Söhne Armin und Erich nach Kremsmünster ans Gymnasium schickte. Armin trat 1881 hier ein, Erich folgte ihm im darauf folgenden Schuljahr. Nach abgeschlossener Gymnasialzeit studierte Armin in Wien Medizin, promovierte 1895 und ging nach Petersburg, um bei Pawlow seine Studien zu vervollständigen. 1906 wurde er Professor in Wien, ab 1913 in Prag. 1912 heiratete er die Tochter Albrecht Pencks. Man sieht also, Kremsmünster war im Kreise der Wiener Naturwissenschafter kein unbekannter Fleck. Prof. Armin Tschermak kam nach dem Zweiten Weltkrieg 1947 als Professor nach Regensburg. Er verstarb 1952.
Erich, am Gymnasium ein weniger begabter Schüler als sein Bruder, ist heute aber wohl bekannter. Er schreibt über seine Lehrer: „Der Professor der Naturgeschichte P. Anselm Pfeiffer war wohl einer der begabtesten und anregendsten Lehrer, der auch einen wissenschaftlichen Ruf hatte und einige seiner Arbeiten in der Akademie der Wissenschaften in Wien publizierte. Er regte uns auch zum Sammeln und Bestimmen von Pflanzen, Tieren (Schnecken), Mineralien und Versteinerungen an, er schuf sogar einen kleinen botanischen Garten. Später soll er auch Sezierübungen an Mäusen veranstaltet haben, und er hielt an einem menschlichen Skelett (damals noch nicht erlaubt) Demonstrationen in der Kremsmünsterer Sternwarte mit ihren sehenswerten Sammlungen ab, die er betreute. Auch unterrichtete er uns im Heranziehen von Seidenraupen. Mit seinem mühselig ersparten Geld kaufte er Kolibris für die Sammlungen der Sternwarte. Auch der Direktor der Sternwarte. P. Coloman Wagner (mit seinem von uns „Cosinus“ benannten Hunderl), und sein Nachfolger, P. Franz Schwab, hatten einen sehr guten wissenschaftlichen Ruf.“ (S. 18-19) So ist halt auch aus dem Erich, der in seiner Autobiographie von so mancher Lausbüberei berichtet, „was Gescheites“ geworden. Er kam nach seinem Abschluss hier nach Wien an die Hochschule für Bodenkultur und war gleichzeitig Hörer an der Universität. Danach ging er nach Halle. Erich Tschermak-Seysenegg gilt neben Hugo de Vries und Carl Correns als einer der Wiederentdecker der Vererbungsgesetze von Gregor Mendel.
Im Sternwartearchiv ist auch noch eine Brief von Erich Tschermak an Abt Ignaz Schachermair erhalten, in dem er schreibt: „Sehr verehrter Herr Prälat! Sie waren so liebenswürdig, mir seinerzeit die Anzeige Ihrer Rückkehr nach Kremsmünster [Nach der Vertreibung durch die Nationalsozialisten] mit Ihrem Bilde zu senden. Darf ich mich in der Weise revanchieren, dass ich dem von mir stets hochverehrtem Stifte, das ich dauernd in dankbarer Erinnerung behalte, ein Bild von mir überreiche, das mich bei meiner Arbeit an Primeln darstellt. Trotz meiner 77 bin ich noch immer mit Begeisterung an Gregor Mendels Erbe tätig und finde mich so leichter in die schweren Zeiten. Mein Bruder ist heute, in seinem 78. Lebensjahr, wieder als Professor für Physiologie in Regensburg – an die Münchner Universität angeschlossen – tätig und noch leistungsfähiger als ich. ...“
Am 11. Oktober 1962 verstarb Erich Tschermak-Seysenegg.
Im Jahr 2000 wurde im Arkadengang entlang des Wassergrabens eine Gedenktafel zur Erinnerung an diesen bedeutenden Schüler des Kremsmünsterer Gymnasiums angebracht.

19. Dezennium
1938-1947

SCHUPO durchsucht das Meridiankreis-Observatorium nach belastendem Material am 15. März 1938.

Meridianhaus
Abb. 9: Das "Meridianhaus" kurz bevor es abgerissen wurde
Foto aus dem Archiv der Sternwarte
Im letzten Dezennium bin ich recht abgeschweift und es ist vielleicht notwendig, wieder die Kompetenzen im Haus zu beschreiben. Durch die Abtwahl vom 4. April 1929 ist der Sternwarte schon wieder einer aus dem Personal entrissen worden. Der gewählte Abt Ignatius Schachermair war seit 1906 Professor am Gymnasium für Naturgeschichte, Mathematik und Physik und auch Adjunkt des Kustos an der Sternwarte. Die Wahl war notwendig geworden, weil Abt Leander Czerny frei resignierte. Ihm war es gegönnt, noch bis 1944 zu leben und sich einen Namen als weltweit bekannter Dipterologe (= Fliegenwissenschafter) zu machen. Sternwartedirektor war seit 1906 P. Thiemo Schwarz und er sollte es bis zu seinem Tode am 19. April 1947 bleiben. Sein Assistent war P. Richard Rankl, dem allerdings enorme Aufgaben außerhalb des Turmes zufielen. P. Bonifaz Zölß war schon 1910 durch seine Aufgabe beim Bau und Betrieb des Elektrizitätswerkes als Adjunkt der Sternwarte nur mehr bedingt zur Hand. Ab 1929 war er als Gymnasialprofessor beurlaubt. 1938 wurde er in Admont zum Abtkoadjutor und 1953 auch zum Abt gewählt.
Das Kustodiat wurde nach dem Tod von P. Leonhard Angerer am 28. Mai 1934 nun von P. Reinhard Windischbauer geleitet. Dermaßen geistig gerüstet, können wir nun unseren Blick auf die Dinge richten, die da kommen sollen. Und es sind keine guten.
Aus dem Jahresberichtsbeitrag „Das Stift unterm Hakenkreuz“ von P. Rudolf Hundstorfer können wir auch eine Menge über das Schicksal der Sternwarte in diesen Jahren erfahren.
In seinem Tagebuch vermerkt P. Richard Rankl für den 15. März 1938 – es war ein Dienstag: „Am Vormittag große Hausdurchsuchung im Stift durch SCHUPO – nach Maschinengewehren – aber erfolglos. – Trotzdem gehen unverantwortliche Gerüchte von Unwissenden und Übelgesinnten. Nach meiner Rückkehr erfuhr ich, daß man auch im Meridiankreis Nachschau halten wollte – Erfolg natürlich Null.“ Um das Meridiankreis-Observatorium durchsuchen zu können, wurde P. Richard noch aus dem Chor geholt. Am Donnerstag, dem 17. März kamen SA-Beamte und P. Richard musste wegen eines „Geheimsenders“ Rechenschaft geben. Er hatte 1928 die Genehmigung erhalten, einen Studiensender in Betrieb zu nehmen, den er damals kaum einige Wochen nutzte. Schon am 22. März musste Hofrat P. Thiemo Schwarz, er war damals zugleich Gymnasialdirektor, nach Linz. Zwei Tage später wurde Professor Kaun zum provisorischen Leiter des Gymnasiums ernannt. „Unser erster und einziger Schulschluß im Dritten Reich“ – so Hundstorfer (S. 29) – war am Freitag dem 1. Juli 1938. Mit Beginn des Zweiten Weltkrieges wurden die jüngeren Patres zur Wehrmacht eingezogen, bald auch ältere.
Am 3. April 1941 besetzte die GESTAPO das Stift, am Tag darauf wurde das Kloster aufgehoben und Abt Ignatius aus dem Gau Oberdonau verbannt.
Am 20. Oktober 1942 kam Dr. Kerschner, der Archivar des Linzer Museums, nach Kremsmünster und besuchte Sternwarte und Meridiankreis-Observatorium. Dabei wurde überlegt, ob die Sternwarte mit ihren Sammlungen nicht der Heimschule, die an die Stelle des Stiftsgymnasiums getreten war, zu übergeben. Durch die Kriegsereignisse blieb es aber wie es war.
P. Thiemo arbeitete unbeirrt in der Sternwarte als Meteorologe weiter. Wie sich das abspielte referiert Hermann Austaller in seiner Dissertation im Exkurs: Die Wetterstation während des 2. Weltkrieges. Ich übernehme hier auszugsweise seine Darstellung. Die Station war mit 1. Jänner 1939 samt Beobachter P. Thiemo in den Deutschen Reichswetterdienst übernommen worden. P. Thiemo erhielt sogar für seine langjährige meteorologische Arbeit eine Medaille verliehen, obwohl ihm von der NSDAP Kreisleitung Kirchdorf am 16. Juni 1939 folgendes Urteil ausgestellt wurde: „Pater Thiemo Schwarz ist wohl kein Freund der NS-Bewegung und steht dieser weltanschaulich entgegengesetzt. Er hat sich als Leiter des ehemaligen Kloster-Gymnasiums sehr bei er Übergabe desselben gewehrt und beunruhigende Gerüchte über die Auflösung der Schule verbreitet.“ Für den Verbleib von P. Thiemo war die Inspektion der Wetterstation durch J. Schmutzhart am 14. Mai 1941 von Bedeutung. Er schreibt in seinem Bericht: „Der Beobachter der Station ist der Direktor der Sternwarte Kremsmünster Hofrat Pater Thiemo Schwarz. Die Qualität des Beobachters ist selbstverständlich hervorragend. ... Der Beobachter ist 74 Jahre alt. Eine Vertretung übernimmt fallweise Pater Richard Rankl. ... Im Interesse des Reichswetterdienstes und damit der Luftwaffe ist es daher dringend geboten, den Beobachter Hofrat Pater Schwarz auf seinem Posten zu belassen.“ P. Thiemo wurde als Vertreter P. Edmund Baumgartinger zur Seite gestellt. Im Sommer 1943 wurden die Stiftsgebäude getarnt. Die Sternwarte wurde mit Tarnmatten bespannt. Das führte natürlich dazu, dass die meteorologischen Messungen am althergebrachten Standort im Wetterkammerl, verfälscht wurden. Am 23. Mai 1944 ist jedoch „die Enttarnung der alten Sternwarte soweit durchgeführt, daß die Fensterinstrumente des Herrn Hofrates Thiemo Schwarz wieder einwandfrei arbeiten können.“
An seinem Geburtstag, dem 26. Mai im Jahr 1943 wurde P. Richard Rankl von Abt Ignatius zum Prior der Kremsmünsterer Benediktinergemeinschaft ernannt. Drei Wochen darauf erfolgte seine Ernennung zum Kustos der Sternwarte. P. Reinhard Windischbauer war ja in diesem Jahr zum Wehrdienst eingezogen worden.
Gegen Ende des Krieges wurden immer mehr Evakuierte im Stift eingewiesen, sodass auch die Sternwarte als Quartier herangezogen wurde. Im November 1944 wurden im Parterre etwa 20 Italiener einquartiert. Anfang April 1945 wurde eine Menge von Sende- und Empfangsanlagen vor der Sternwarte ausgeladen. „Es schien, als sollte die Sendestelle im Kapellenzimmer eingebaut werden und in der Sternwarte noch alles Brauchbare als Wohn- und Arbeitsraum beschlagnahmt werden“ (Hundstorfer, 75).
„Das ganze Kloster war übervoll geworden, schließlich auch die alte Sternwarte. In den Kabinetten waren Betten aufgestellt. Bei den Umräumearbeiten wurde auch ein Teil der ganz seltenen Glasmodelle von Seetieren und beim Abmontieren der kurzmayrische Refraktor schwerstens beschädigt ... Im Refraktorraum und dem dazugehörigen Vorraum ist der Einbau eines Militärsenders beabsichtigt.“ (Hundstorfer, 77) Auch eine Gruppe vom Ungarischen Sicherheitsdienst, der dem SS-Obersturmbannführer Weirauch unterstellt war, hauste in der Sternwarte und zwar im fünften Stock, wo heute das Anthropologische Kabinett untergebracht ist.
Am 5. Mai 1945 um 09:30 Uhr rollten die Panzer der Amerikaner durch Kremsmünster und P. Richard ließ auf der Sternwarte die rot-weiß-rote Fahne hissen. Ich frage mich, wo er die wohl aufbewahrt hatte. Jedenfalls können wir mit diesem Dezennium die 1000 Jahre des Dritten Reiches abschließen. Und damit habe ich auch die letzten unerwünschten Gäste der 250jährigen Geschichte der Sternwarte präsentiert.

20. Dezennium
1948-1957

Die österreichischen Malakologen halten vom 28. bis 30. April 1951 ihre Tagung ab.

Diesen Besuch in der Nachkriegszeit kann ich recht gut P. Reinhard Windischbauer schildern lassen. Er schreibt im Gymnasial-Jahresbericht für das Schuljahr 1950/51 unter den Berichten über die Lehrmittelsammlungen für das Naturalienkabinett: „Die Pflege der naturwissenschaftlichen Interessen hat ein erfolgreiches Jahr zu verzeichnen. Schon im Herbst wurde mit der Durchsicht, Reinigung und Neukonservierung der Insektensammlung begonnen, die bisher gute Fortschritte gemacht hat. Herr Schuldirektor i. R. Hans Persazi nahm diese Aufgabe auf sich und führt die Arbeit mit viel Geschick, unermüdlichem Fleiß und vorbildlicher Liebe zur Sache durch. ...
Als Vorbereitung auf eine geplante Tagung der österreichischen Malakozoologen wurde im Frühjahr die Schneckensammlung des Prof. P. Anselm Pfeiffer (+1902), die bisher in Zündholzschachteln verwahrt war, geordnet, mit den neuen Namen versehen und in Glasröhrchen gegeben. Den Bemühungen des Herrn Friedrich Mahler in Salzburg, eines alten Freundes Kremsmünsters, der selbst Schüler P. Anselms war, ist es zu danken, daß die Tagung vom 28.-30. April auch wirklich zustande kam. Ein großer Teil der Studenten, besonders der unteren Klassen, bekundete dafür reges Interesse und erhielt durch entsprechend abgestimmte Referate im Physiksaal des Gymnasiums wertvolle Anregung. Nach Eröffnung der Tagung durch Herrn Prof. i. R. Dr. Camillo Mell, sprachen Herr Walter Klemm über den Stand der österr. Schneckenforschung, Herr Karl Uetz über Meeresschnecken und Herr Univ.-Doz. Dr. Rudolf Sieber über fossile Schnecken. Möge die Feststellung der Teilnehmer, daß auf dem Gebiete der Schneckenforschung in Österreich noch viel Arbeit zu leisten ist, in der jungen Generation Frucht bringen! Die genannten Herrn stellten außerdem ihr reiches Fachwissen für die Durchsicht der Sammlungen in der Sternwarte zur Verfügung. Herr Karl Uetz spendete überdies etwa 35 Arten Meeresschnecken, die unserer Sammlung eingereiht wurden. ... Der gesamte Bestand der naturwissenschaftlichen Kabinette der Sternwarte stand auch heuer wieder ausgiebig im Dienste des Unterrichtes unserer Studenten.“ (S. 57-58)
Friedrich Mahler besuchte nur kurz unser Gymnasium und zwar in den Jahren 1903-1908. Und obwohl Mahler am Haus der Natur in Salzburg arbeitete, vermachte er testamentarisch seine umfangreiche Sammlung heimischer Mollusken 1955 der Sternwarte. Da er in seinem Museum erleben musste, wie man, wenn man Glasröhrchen brauchte, seine Schneckenaufsammlungen einfach wegschüttete, entschloss er sich zu diesem Schritt. Inzwischen sind seine Listen digital verfügbar und seine Sammlung wird von Malakologen eingesehen. Nur so macht ja das Bewahren Sinn, wenn das Bewahrte auch dann den Wissenschaftern zur Verfügung gestellt werden kann. Dass ich aber mit ein wenig Sorge in die Zukunft blicke, ob das fernerhin von den Mitbrüdern auch so gesehen werden wird, sei mir hier erlaubt, kurz von der Seele schreiben zu dürfen.
Da ich selbst – ich sage absichtlich – das Glück hatte, bis zur fünften Klasse P. Reinhard als Naturgeschichtsprofessor zu haben, kann ich auch bestätigen, was er oben schreibt, dass die Sammlungen der Sternwarte in seinem Unterricht einen festen Platz gehabt haben. Ich empfinde es als Glück, P. Reinhard als Lehrer gehabt zu haben. Manche andere haben ihn gefürchtet. Bezeichnend ist es, wenn einer seiner Schüler erzählt, es hätte ihm ab Sonntag schon das Essen nicht geschmeckt, wenn er an die bevorstehende Naturgeschichtsstunde am Dienstag um 11 Uhr gedacht hätte. Es war sicher eine grobe Selbstverkennung, wenn P. Reinhard einmal gesagt hat, er hätte niemals einem Schüler Unrecht getan.
Er hat es aber verstanden, einen interessanten, auf das Wesentliche beschränkten Unterricht zu halten. Darüber hinaus hatte er die Gabe, Interessierte entsprechend zu fördern. So mancher Medizinstudent, der P. Reinhard als Lehrer der Naturgeschichte hatte, erzählt, das Knochenkolloquium sei nur noch eine Bagatelle gewesen. Ich selbst kann berichten, dass sowohl die Artenkenntnis und die dazugehörende Systematik, die P. Reinhard mir in der Botanik vermittelt hatte, eine ausgezeichnete Basis darstellte für das Studium der Botanik. Man muss bedenken, durch mein Studium der Philosophie und Theologie und durch den Pastoraleinsatz war der zeitliche Abstand zum Gymnasialunterricht doch schon ziemlich groß. Und trotzdem fühlte ich mich auch in der Hauptvorlesung der Pflanzenanatomie, die ich bei Prof. Karl Burian hörte, gleich irgendwie zu Hause. Wenn P. Reinhard von den „Fabriksgeheimnissen“ der Natur sprach, so vermittelte er uns damit ein Verständnis für das Voranschreiten der Forschung, das mit dem Lüften eines „Geheimnisses“ ungezählte neue Fragen aufwirft.
Man sieht, wir kommen in eine Zeit, wo auch ein alternder Sternwartedirektor und Botaniker zwar nicht aus dem „Nähkästchen“, so doch aus seiner „Schatulle fürs Präparierbesteck“ plaudern kann. Vielleicht kann ja so manches wieder in Erinnerung gebracht werden.

21. Dezennium
1958-1967

Minister Heinrich Drimmel sieht am 8. August 1961 in der Sternwarte fern.

Man könnte bei dieser Überschrift auch meinen, er hätte durch ein Fernrohr geschaut. Das würde ja nahe liegen. Aber nein, 1961 gab es in der Sternwarte schon längst einen Fernsehapparat.
Minister Heinrich Drimmel war mehrmals bei den Hochschulwochen, die damals in Kremsmünster abgehalten wurden, Teilnehmer.
Am 8. August 1961 war der Bundesminister für Unterricht bei P. Ansgar in der Sternwartedirektion und verfolgte am Fernsehapparat die letzten Minuten des Fußballspiels Österreich gegen Ungarn (2:1). P. Ansgar Rabenalt notiert auf einem ins Gedenkbuch eingelegten Zettel: „ca. 16:30“. Der Zettel trägt aber auch den Text des Telegramms, das der Minister als Präsident des Olympischen Komitees an den Österreichischen Fußballbund schickt: „Im Kreise der begeisterten Benediktiner v. Kr. feierte ich am Fernsehschirm der Sternwarte den schönen Weg der Österreicher.“ Man mag zum Fußball stehen wie man will, interessant ist für mich nicht so sehr der Besucher und schon gar nicht der Ausgang des Fußballspiels. Man möge mir verzeihen! Interessant ist die Tatsache, dass man bei P. Ansgar in der Sternwartedirektion 1961 schon längst fernsehen konnte.
P. Ansgar Rabenalt begann nach seiner Gymnasialzeit in Kremsmünster und seiner philosophischen und theologischen Ausbildung im Herbst 1934 sein Studium der Mathematik und Physik in Wien und promovierte 1937 zum Doktor der Physik. Die politischen Umstände erlaubten eine Anstellung an unserem Gymnasium nicht. P. Ansgar wurde als Assistent zum Kustos der physikalischen Sammlungen in der Sternwarte bestellt. Nachdem 1939 aus einer Berufung an die Ordenshochschule S. Anselmo in Rom nichts wurde, ging er in die Vereinigten Staaten, um zuerst am St. Martin’s College in Lacey (heute Olympia) Wash. von 1939 bis 1943 Chemie, Mathematik und Physik, dann von 1943 bis 1945 an der Preparatory School St. Mary’s in Newark, N. J. die gleichen Fächer zu unterrichten.
Am 19. April 1947 verstarb in Kremsmünster der Sternwartedirektor P. Thiemo Schwarz. P. Johannes Brik erledigte inzwischen die Wetterbeobachtungen. Auch das Gymnasium stand wieder unter der Leitung der Benediktiner von Kremsmünster, sodass nun für P. Ansgar hier ein reiches Betätigungsfeld gegeben war. Abt Ignatius Schachermair rief ihn aus den USA zurück und bestellte ihn zum Direktor der Sternwarte und zum Professor für Mathematik, Physik und Chemie. Dass er darüber hinaus den Unterricht in Englisch zu erteilen hatte, versteht sich fast von selbst. Seine Tätigkeit in der Schule von 1947 bis 1980 war eine sehr erfolgreiche. Sein besonderer Eifer galt der Erneuerung der Gerätschaften für den Physikunterricht.
Seine Freude war es, seine Kollegen im Schuldienst damit zu überraschen, dass er als Erster die neuesten technischen Errungenschaften vorführen konnte. Als er nach dem Krieg aus Amerika zurückkam, war das mit den entsprechenden Freunden in den USA auch keine so große Kunst. Noch heute erzählen seine Schüler, er sei der Erste gewesen, der eine Neonbeleuchtung – wie man damals zu den Leuchtstoffröhren sagte – hatte. Wie neu und unbekannt das damals war zeigt, dass man durchaus auch hören konnte, P. Ansgar hätte eine „Nylon-Beleuchtung“. Aber auch Geräte zur Tonaufzeichnung – zuerst noch ein Magnetophon, das auf Eisendraht aufzeichnete – brachte er als Erster nach Kremsmünster. Dass er dann auch einer der Ersten war, der – sicher schon 1956 – einen Fernsehapparat hatte, ist wenig verwunderlich. Bei interessanten Übertragungen durften dann Gymnasiasten zu ihm in die Sternwarte kommen, um sie anzuschauen. Mir wurde erzählt, dass sogar das Stiegenhaus als „Fernseh-Arena“ dienen musste. Es gibt auch noch 8mm-Filme, dazu den Projektor, die „der Harry“, wie wir ihn nannten, aus den USA mitbrachte und hier zum großen Staunen seinen Schülern vorführte.
Als Sternwartedirektor erkannte er die Bedeutung der meteorologischen und geophysikalischen Beobachtungen und lenkte seine Aktivitäten in der Sternwarte vor allem in diese Bereiche. Als Beispiel dafür seien die Aufstellung neuer Seismographen in den Jahren 1958 und 1973, die Anschaffung eines Feldstärkeschreibers für die Luftelektrizität 1967 und die Installation eines Windböenschreibers 1983 genannt. In guter alter Tradition pflegte P. Ansgar die Zusammenarbeit mit der Zentralanstalt für Meteorologie und Geodynamik in Wien und deren Regionalstelle in Salzburg.
Das 200-Jahr-Jubiläum nahm P. Ansgar Rabenalt zum Anlass, den großen Astronomischen Saal, der lange Zeit ja den magnetischen Beobachtungen diente, als astronomisches Museum einzurichten. Dort wo 1871 der Grünspecht sein Unwesen trieb, wurden jetzt mit Unterstützung aus der Stiftstischlerei und mit Hilfe einiger Gymnasiasten die Kleinode der Himmelskunde, die im Laufe vieler Jahre zusammengekommen waren, dem Besucher präsentiert. Im Tonarchiv der Sternwarte haben wir den Mitschnitt einer Radiosendung von Radio Linz, die von der Neueröffnung am 29. April 1958 berichtet. In dieser Sendung führt P. Ansgar durch den neuen Ausstellungsraum und beantwortet dem Reporter Rudolf Fochler seine Fragen. Beim Abhören dieser CD am Computer wird P. Ansgar wieder erlebbar. Dabei stelle ich mir vor, wie es wäre, wenn er mit hochrotem Kopf hinter mir stünde und voll Wissensdurst, der immer eine Art Nervosität vermittelte, die Frage stellte: „Wie hast du das wieder gemacht?“ Das habe ich schon im Physikunterricht erlebt, wenn ich ihm beim Aufbau eines Versuches helfen durfte und meine pädagogisch völlig sinnlosen „Verbesserungsvorschläge“ einbrachte. Als P. Ansgar dann mit 80 Jahren am Computer auch immer die neuesten für ihn erreichbaren Programme benutzen wollte, war das nicht anders. Es war aber nicht nur der Wissensdurst, „wie funktioniert das?“ oder die Freude am „neuen Spielzeug“. Er hat Erstaunliches damit geleistet. Bis zuletzt bearbeitete er meteorologische Daten und beschäftigte sich recht intensiv mit der Bearbeitung unserer Ozonmessungen. Die große Zahl der von ihm herausgebrachten wissenschaftsgeschichtlichen Arbeiten ist beeindruckend.

22. Dezennium
1968-1977

Am 29. April 1977 kommen die Gäste der Eröffnung der Landesausstellung ins Haus.

P. Ansgar Rabenalt wurde von Abt Albert 1970 zum Gymnasialdirektor ernannt. Dieses Amt hatte er bis 1976. Das war die Zeit, in der die Vorbereitungsarbeiten für das Stiftsjubiläum recht intensiv vorangetrieben wurden. 1977 feierte das Stift das Jubiläum seines 1200jährigen Bestehens. Zu diesem Anlass hatte das Land Oberösterreich beschlossen, bei uns eine Landesausstellung abzuhalten. Damals war es üblich, Landesausstellungen an einem Ort zu konzentrieren.
Um den Überblick nicht zu verlieren, möchte ich wieder einen kurzen Einblick in die Personalia geben. Abt Ignatius Schachermair wollte aus Altersgründen sein Amt zurücklegen, das wurde ihm nicht zugestanden. Er erhielt aber 1964 in Abt Albert Bruckmayr, einem Altphilologen, einen Abtkoadjutor, dem er noch am Weihtag alle Regierungsfunktionen übertrug. Abt Ignatius verstarb am 14. Juni. 1970. P. Reinhard Windischbauer, der Kustos, starb am 26. August 1972. Ihm folgte als 4. Kustos der Sternwarte 1972 P. Jakob Krinzinger. Er kam 1965 ans Gymnasium als Professor für Naturgeschichte und Philosophie, wurde 1970 Prior und 1976 Gymnasialdirektor.
P. Ansgar hatte als Assistenten zuerst P. Johannes Brik bis 1960, dann 1962-1970 P. Lambert Zauner und 1970-1977 den schon in der Einleitung angesprochenen P. Maximilian Schwediauer.
P. Jakob Krinzinger war als Prior von Anfang an in die Planungen des Jubiläums eingebunden. Ihm ist es zu verdanken, dass auch die Sternwarte ins Ausstellungskonzept der Landesausstellung hereingenommen wurde. Ob er allerdings am Anfang schon wusste, was er sich da aufgehalst hatte, weiß ich nicht. Ich selbst habe – obwohl schon im Kloster – von diesen Vorbereitungen wenig mitbekommen. Manchmal habe ich bei Arbeiten in der Sternwarte ein paar Handgriffe mitgeholfen. Das geschah aber nur in den Sommerferien. Ich war damals zum Studium in Rom und fast meine ganze Aufmerksamkeit galt in dieser Zeit zuerst dem Studium der Philosophiegeschichte und dann vor allem der neutestamentlichen Exegese, die mich auch in Wien noch einige Zeit hindurch beschäftigte. Meine Neutestament-Professoren in Rom P. Pius Tragan und in Wien Prof. Jakob Kremer haben mich für dieses Fach zu begeistern gewusst. Als Prof. Kremer in Wien emeritierte, feierte er seinen Rücktritt als Ordinarius mit seinen Institutsmitarbeitern am 10. Oktober 1995 mit einem Besuch in der Sternwarte Kremsmünster.
Aber man kann mir mit Recht Abschweifung vorwerfen. Schon erscheint vor meinem geistigen Auge die Hand von P. Pius Pöttinger, die sich zum Zeichen „Fasse dich kurz!“ schließt. So hat er sie P. Maximilian oft gezeigt. Der seinerseits hat dann mit einem kräftigen Räusperer („happuh“) den verlorenen Faden wieder aufgenommen.
P. Pius Pöttinger verstarb noch im Jubiläumsjahr im 46. Lebensjahr. Er war in seiner Zeit, was P. Nonnos Stadler zur Zeit des Sternwartebaus war, nämlich Stiftsschaffner.
Die Vorbreitungen für die Landesausstellung waren recht umfangreich. Zuerst ging man an eine Generalsanierung des Gebäudes. Bei dieser war P. Maximilian der gute Geist. Am 26. März 1974 wurde damit begonnen, das Gerüst aufzubauen. Bis zum 9. Oktober 1974 wurden die Außenmauern renoviert. Mit der Renovierung des Gebäudes allein war es aber nicht getan. Es mussten auch die Ausstellungsräume und dann vor allem die Ausstellungen in den einzelnen Kabinetten selbst auf den aktuellen Stand der Wissenschaft gebracht werden. Obwohl man durchaus das Museum eines Museums präsentieren wollte, sollten doch die Schaustücke attraktiv präsentiert und vor allem unserem heutigen Wissen entsprechend beschrieben werden. Dass dazu Fachpersonal notwendig war, ist klar. Mit Hilfe der öffentlichen Stellen in Landes- und Bundesmuseen fand sich auch bald eine kompetente Mannschaft ein. Wie schwierig dann die Arbeiten waren, kann man sich vorstellen, wenn man den Aufbau einer Ausstellung einmal mitgemacht hat. Hier galt es aber nicht einfach eine Ausstellung in einem Museum aufzubauen sondern ein ganzes Museum neu aufzustellen. Zeitdruck, Platzmangel und im Winter die, dem Sternwartepersonal nur zu vertraute Eiskellersituation, verlangten von P. Maximilian und P. Jakob so manchen Einsatz, um die Fachleute bei Laune zu halten.
Ich versuche nun, für die einzelnen Fachbereiche die verantwortlichen Fachleute zusammenzustellen. Ich bin mir durchaus bewusst, dass hier die eine oder andere Lücke bleiben wird. Man möge mir dies verzeihen.
Die Liste der Gäste im Gedenkbuch am Eröffnungstag der Landesausstellung ist nicht vollständig. Sie nennt zwar eine Reihe von „Großkopferten“, aber von denen, die die Arbeiten in so kompetenter Weise geleitet haben, sind nur wenige verzeichnet. An den Arbeiten im Physikalischen und Astronomischen Kabinett hatte vor allem P. Maximilian großen Anteil. Die Beschreibungen der Sammlung lieferten Hans Bertele-Grenadenberg und P. Ansgar. Für die umfangreichen Sammlungen der Geologie und Paläontologie standen Heinz A. Kollmann und Herbert Summesberger zur Verfügung. Im Mineralogischen Kabinett machten sich über das Jubiläum hinaus Erich J. Zirkl und seine Frau Jutta große Verdienste. Die botanischen Sammlungen bearbeitete und gestaltete Franz Speta, der als guter Freund noch heute so manche Episode zu erzählen weiß. Der große Bereich der zoologischen Sammlungen wurde hauptsächlich von Herbert Schifter betreut und in einer perfekten Art mit Unterstützung seiner Frau Theresia auch montiert. Dr. Schifter ist der Sternwarte als Berater und Freund bis heute treu geblieben. Die volkskundlichen Sammlungen wurden von Franz C. Lipp betreut und die völkerkundliche Abteilung endlich von Hans Manndorff.
Als „hilfreiche Geister“ standen zudem Dr. Lothar Hofmeister und seine Frau Gertrude zur Verfügung. Manche im Stift haben von ihnen nur als Philemon und Paucis gesprochen. Dr. Hofmeister war 1920-1928 Schüler des Stiftsgymnasiums und dann Professor am Institut für Pflanzenphysiologie in Wien, wo er als erster den Mikromanipulator einführte – eine Einrichtung, die heute im Zeitalter künstlicher Befruchtung Gang und Gäbe ist, damals für die Untersuchungen am Protoplasten der Pflanzenzelle aber durchaus eine Novität darstellte. Hofmeister war daneben auch noch Direktor am Botanischen Garten der Universität. Als er in Pension ging, stellte er sich und seine Frau P. Jakob als Arbeitskraft zur Verfügung. P. Jakob musste sich von P. Reinhard einmal den Vorwurf gefallen lassen: „Wenn ich einmal tot bin, wirst du nicht einmal wissen, wo die Schlüssel sind.“ Diesen Vorwurf konnte er jetzt aber entschieden entkräften. Er hatte einen Mann, der dem P. Leonhard Angerer schon viel geholfen hatte und der noch über ein ausgezeichnetes Gedächtnis verfügte, sodass er nicht nur wusste, wo alle Schlüssel zu sein pflegten, sondern darüber hinaus noch viel viel mehr über die Interna des Kustodiates Bescheid wusste. Sein Wissen und seine geschickte Hand standen uns leider nur mehr bis zum Ende des Jubiläumsjahres 1977 zur Verfügung. Er starb am 5. Dezember 1977. Seine Frau war uns bis 1998 eine treue Helferin.
Das Jubiläumsjahr des Stiftes ging vorbei und zurück blieb eine im neuen Glanz funkelnde Sternwarte, die das Interesse der Öffentlichkeit auf sich gezogen hatte. Das Stift „leistete sich auch den Luxus“, zwei junge Konventmitglieder zum Studium der Naturwissenschaften nach Wien zu schicken. Der eine war P. Wolfram Herman Austaller, der sich dem Lehramtsstudium der Mathematik und Physik und dem Doktoratsstudium der Klimatologie widmete. Der andere war ich selbst. Wenn ich von Luxus spreche, so denke ich, dass jede Kultur Luxus ist und doch ist sie zum Menschsein unumgänglich notwendig. Mancher mag aber bei der heutigen Situation der Priesterknappheit in den Pfarren denken, es sei Luxus, wenn ein Ordenspriester sich der Naturwissenschaft widmet und damit nicht im Pfarralltag verheizt werden kann. Aber das können wir ja einmal privatim besprechen.

23. Dezennium
1978-1987

Botaniker aus Wien kommen zum Dias-Anschauen am 16. April 1983 ins damalige Kustodiat.

Ich habe davon gesprochen, dass die Sternwarte im Rahmen des Stiftsjubiläums ins Interesse der Öffentlichkeit geraten ist. Da nimmt es nicht Wunder, dass auch von vielen naturwissenschaftlichen Institutionen die Überlegung angestellt wurde, man könnte ja so wie schon weiland die Malakologen 1951, wissenschaftliche Tagungen im Rahmen der Sternwarte abhalten. Solche Tagungen gab es inzwischen recht viele. Eine, die mir selbst sehr wichtig ist, möchte ich hier anführen und einige Teilnehmer der Tagung als meine Sternwartegäste vorstellen.
Im Jahr 1981 hat Dr. Franz Speta anlässlich des 50-Jahr-Jubiläums der Botanischen Arbeitsgemeinschaft am Oberösterreichischen Landesmuseum zum 1. Österreichischen Botanikertreffen nach Linz eingeladen. Bei diesem Symposion wurde beschlossen, ein solches Treffen solle im Abstand von jeweils zwei Jahren fortgeführt werden. Als Austragungsort für das 2. Österreichische Botanikertreffen wurde Kremsmünster und als Termin der 15.–17. April 1983 fixiert. In den Räumlichkeiten oberhalb des Riederganges fand dann dieses Treffen statt.
Es war für mich die Zeit, wo ich im Studium über die ersten Hürden der so genannten Hauptvorlesungen hinweggekommen war. Ich war auch schon bei meinem Doktorvater Prof. Dr. Harald Niklfeld wegen meiner Dissertation vorstellig geworden. Und der war mit dem Vorschlag, eine floristische Punktrasterkartierung vom Kremsmünsterer Raum mit Einbeziehung der Verbreitungsangaben von P. Franz Schwab zu erstellen, einverstanden. Ich gehörte also nun zu den Dissertanten des Institutes für Botanik am Rennweg in Wien, obwohl ich dort keinen Arbeitsplatz hatte, weil ich denselben ja als Freilandbotaniker kaum brauchte. Außerdem konnte ich die Räumlichkeiten des damaligen Kustodiates im 2. Stock, heute Direktion, in Beschlag nehmen. Prof. Manfred Weigerstorfer, der in diesen Räumen von 1977 bis 1980 als Helfer in der Sternwarte wohnte, war ausgezogen. Ich konnte also hier beginnen, zuerst als Assistent des Kustos P. Jakob, mir meinen Arbeitsplatz einzurichten und auszustatten. Es war mir gestattet, die Bibliothek für meine Bedürfnisse durch Buchankäufe zu erweitern. Ein hauptsächliches Nebeninteresse galt zu dieser Zeit dem Eigenbau eines damals so genannten Mikrocomputers. Was mein Doktorvater für die Florenkartierung Österreichs auf Großrechnern machte, wollte ich auf meinem Eigenbau-Computer für den Raum Kremsmünster machen. Natürlich wusste ich damals noch nicht, dass ich einmal einen Selbstbaurechner haben würde, der die 150.000 Einzeldaten meiner Kartierungsaktivitäten bearbeiten und in Kartenform würde ausdrucken können. Für Spezialisten möchte ich hinzufügen, dass man damals als Betriebsystem CP/M verwendete.
Ich hatte zu dieser Zeit auch schon eine ganz gute Fotoausrüstung zur Verfügung. So ergab es sich, dass an einem Abend – wohl am 16. April 1983 – eine große Gruppe von Botanikern der Wiener Universität zu mir in meine Arbeitsräume kam. Der Anlass ist leicht erzählt: Das Botanische Institut in Wien hatte nämlich unter Leitung von Dr. Manfred A. Fischer und Dr. Walter Gutermann über die Osterferien vom 25. März bis zum 11. April die so genannte Mittelmeer-Exkursion nach Sardinien organisiert. Obwohl ich diese Pflichtveranstaltung eigentlich schon 1981 mit Teilnahme an der Exkursion nach Dalmatien erledigt hatte, wurde mir vom Abt erlaubt, auch an dieser Exkursion in den Westen des Mediterranraumes teilzunehmen. Dass mich auch die Exkursionsleitung als Teilnehmer nach Sardinien und später auch noch zweimal nach Griechenland mitnahm, verdanke ich deren Wohlwollen.
Da wir gerade von Sardinien zurückgekehrt waren und ich eben erst meine Dias aus dem Labor bekommen hatte, war es klar, dass ich zum Anschauen derselben einlud. Der Gäste waren so viele, dass eine Reihe von jüngeren Kollegen auf dem Boden Platz nehmen musste.
Anlässlich dieses Österreichischen Botanikertreffens geschah es auch, dass eine hochgestellte Persönlichkeit des öffentlichen Lebens hier in Kremsmünster, den Tagungsteilnehmern die Bedeutung unseres schönen Stiftsortes für die Botanik näher bringen wollte, indem er die ebenso alte wie falsche Wanderlegende erzählte, Josef Runkel, der bedeutende Stiftsgärtner, sei für die Entstehung der Runkelrübe verantwortlich. Josef Runkel war tatsächlich als Stiftsgärtner ein erfolgreicher Pflanzenzüchter und hat sich um die Obstkultur in unserer Gegend einen Namen gemacht. Außerdem gehen auf ihn die Pläne verschiedener Gartenanlagen zurück. Aber die Runkelrübe ist schon im Mittelalter bekannt und die Etymologie deutet darauf hin, dass sie eine sehr alte Kulturpflanze ist.
2006 feierte die Botanische Arbeitsgemeinschaft am O. ö. Landesmuseum sein 75jähriges Bestehen mit dem 12. Österreichischen Botanikertreffen in Kremsmünster. Da gab es zwar auch eine Führung in der Sternwarte, aber Dias gab es nur mehr museal. In einem Vorraum des Theatersaales, wo das Symposion stattfand, ließ ich mit Hilfe eines Rundmagazins Fotos von Teilnehmern früherer Tagungen projizieren. Alle aktuellen Bilder wurden selbstverständlich in digitaler Form über einen Beamer gezeigt. Aber wir müssen doch wieder zurück in die Zeit der „chemischen“ oder „analogen“ Fotografie.

24. Dezennium
1988-1997

Dr. Christian Schönwiese besucht uns am 14./15. März 1988

Im Gedenkbuch findet sich am 14./15. März 1988 der folgende Eintrag: „Mit herzlichem Dank für die Gastfreundschaft und die Einblicke in Geschichte und Bestand des Stiftes, ganz besonders Herrn P. Wolfram Austaller. Ich bin sehr beeindruckt. Christian D. Schönwiese, Inst. f. Meteorologie und Geophysik d. Universität Frankfurt/Main.“
TAKLIS
Abb. 10: Eingabe- und Steuergerät der teilautomatischen Klimastation (TAKLIS) abgebaut 2007
Foto P. Amand Kraml
Klimawandel ist heute in aller Munde und manchmal wird dieses Wort wie „Nachhaltigkeit“ und so manches andere zum Reizwort. Einer der schon 1979 ein Buch mit dem Titel „Klimaschwankungen“ veröffentlicht hat, ist Prof. Dr. Christian D. Schönwiese. Inzwischen ist er, wie man aus seiner Internetseite erfahren kann, seit 1. April 2006 „im Ruhestand, aber noch vielseitig aktiv (Vorlesungen und Vorträge, Publikationen, Gutachter- und Beratungstätigkeit)“. Seit 1981 war er Professor am Institut für Atmosphäre und Umwelt an der Universität Frankfurt am Main. Dieses Institut hieß bis 2004 Institut für Meteorologie und Geophysik. Manchmal habe ich den Eindruck, diese vielen Namensänderungen seien nur eine Arbeitsbeschaffung für die sonst arbeitslosen Firmen, die eine CI (wer’s noch immer nicht kennt: Corporate Identity) versprechen und dafür horrende Geldbeträge einstecken. Ich seh’ schon wieder das Handzeichen von P. Pius. Und halte mich besser an den roten Faden.
Dr. Schönwiese leitete an seinem Institut die Arbeitsgruppe Klimaforschung, war zweimal Institutsdirektor und vieles mehr. „Seine Arbeitsschwerpunkte waren die empirisch-statistische Analyse der jüngeren Klimageschichte (letzte ca. 100-200 Jahre, global und regional) sowie die Erkennung anthropogener und natürlicher Faktoren in den Klimabeobachtungsdaten. Er hat über 200 Fachpublikationen geschrieben.“ Soweit seine Homepage. Prof. Schönwiese ist sicher einer der bedeutendsten Klimaforscher im deutschen Sprachraum. Dass er nach Kremsmünster kam um P. Wolfram Austaller zu treffen, kommt nicht von ungefähr.
P. Wolfram studierte ab 1978 in Wien für das Lehramt Mathematik und Physik und legte darin 1984 seine Lehramtsprüfung ab. Seit 1984 war er Assistent an der Sternwarte, betreute als solcher die meteorologische Station und katalogisierte die Bibliothek der Direktion. Im September 1985 begann er am Gymnasium seine Unterrichtstätigkeit.
Daneben studierte er Meteorologie seit 1978 ebenfalls an der Universität Wien, wo er im Sommer 1988 zum Dr. rer. nat. promoviert wurde. Er beschäftigte sich in seiner Dissertation mit der Temperaturreihe von Kremsmünster. Seit Dezember 1762 werden hier immer vom selben Ort aus die Temperaturmessungen vorgenommen. So entstand eine wertvolle Klimareihe, die längste in Österreich ohne Ortsveränderung. Kremsmünster wurde deshalb neben Wien Klima-Basisstation der WMO (Weltmeteorologische Organisation). Möglichst lange und zuverlässige Datenreihen sind die Grundlage aller Bewertung über Ursachen und Auswirkung der Klimaänderung. In seiner Einleitung schreibt Austaller: „Speziell im Hinblick auf die Klimaentwicklung unter dem Einfluß der Umweltveränderung und –belastung durch die Industriegesellschaft sind lange Reihen von aktuellem Interesse“. (S. 4) Austallers Arbeit hat die Prüfung unserer aufgezeichneten Daten und die Untersuchung der Homogenität der langen Temperaturreihe zum Ziel. Dies erfordert zum einen eine Neuberechnung der Temperaturmittelwerte und zum andern eine Homogenitätsprüfung, die er durch eine sehr eingehende Darstellung der Stationsgeschichte und durch statistische Homogenitätstests durchzuführen im Stande war.
Der Besuch des berühmten Klimaforschers Schönwiese an unserer Sternwarte zeigt die Bedeutung unserer Daten, unterstreicht aber auch die Hochschätzung von Austallers Arbeit.
Eine neue Zeit hat P. Wolfram dadurch eingeleitet, dass er am 18. Jänner 1984 an der Zentralanstalt für Meteorologie und Geodynamik für uns ein neues Stationsthermometer holte. Das bis dahin verwendete, das er zurückbrachte, trug noch den Adler des Deutschen Reiches. Aber ein neues Thermometer, so erkennt man mit Recht, macht noch keine neue Zeit. Richtig! Aber P. Wolfram hat damals den Anstoß für die komplette Erneuerung der Station und den Einbau der Teilautomatischen Klimastation (TAKLIS) in die Sternwarte gegeben. (Austaller, 54) Am Stiftertag 1987 (11. Dez.) wurde die neue Anlage in Betrieb genommen. Im letzten Jahr (2007) war sie so veraltet, dass sie komplett ausgetauscht wurde. So schnell altern Messgeräte. Aber geht’s uns besser?
P. Wolfram Austaller hat am 9. Dezember 1990 das Kloster verlassen. Direktor P. Ansgar hat für ihn keinen Nachfolger mehr bekommen. Für Hofrat P. Ansgar Rabenalt fand sein langes Leben am 30. September 1994 sein Ende.

25. Dezennium
1998-2007

Am 28. September 2002 bringt mir Doz. Dr. Peter Simonsberger ein Rasterelektronenmikroskop

Man meint eines Sternwartedirektors größte Freude sei es, zum gestirnten Himmel aufzuschauen und auf Sterne zu warten. Dass es da bei unseren Witterungsverhältnissen wirklich zum Warten kommen kann, hat schon P. Bonifaz Schwarzenbrunner 1826 in einem Brief an den Astronomen Schumacher geschrieben: „...dass wir in Kremsmünster nach einem zehnjährigen Durchschnitte jährlich nur etwa auf 33 ganz heitere und wolkenfreie Tage rechnen dürfen. Für Astronomen eben keine zu bedeutende Anzahl. Damals kannte man aber das Wort Lichtverschmutzung nicht und auch die Tatsache, die damit ausgedrückt wird, war unbekannt. Heute wird jedem kleinen Betrieb unter dem Schlüsselwort CI (jetzt wissen Sie’s aber!) eingeredet, er müsse alle seine Schilder, alle seine Markensymbole, ja am besten auch noch den Firmenchef beleuchten. Ein Blick von der Sternwarte während einer Beobachtungsnacht in den Markt und Ihr Auge fängt sich in der rotierenden gelb-roten Sackerl-Attrappe (dt. = Tüten-Attrappe) einer Geschäftskette. Um wieder schwächere Sterne zu sehen, brauchen Sie einige -zig Minuten. Da vergeht einem der Blick in den überirdischen Kosmos.
Rasterelektronenmikroskop
Abb. 11: Rasterelektronenmikroskop Stereoscan 600 mit PC-Erweiterung
Foto P. Amand Kraml
Der Blick in den Mikrokosmos ist durchaus – vor allem für einen Biologen – recht lohnenswert. Ich hatte das Glück schon als Kind ein kleines Mikroskop zu bekommen. P. Jakob hat mich in einem kurzen Privatissimum angeleitet, wie man damit fachmännisch umgeht. Während meines Studiums in Wien durfte ich ein RC von Reichert aus Kremsmünster mitnehmen und habe es eifrig verwendet. Damals hatte ich auch große Freude an der Mikrofotografie. Als ich wieder als Kustos in Kremsmünster war, P. Jakob und ich hatten uns1989 das Kustodiat geteilt, kam Abt Oddo 1994 auf mich zu mit der Frage, ob ich nicht ein Mikroskop brauchen könnte. Er wollte jemanden, der in Not geraten war, das Mikroskop abkaufen. Ich war damals mit dem RC das mir zur Verfügung stand ganz zufrieden und hätte eher einen schnellen Drucker oder ein anderes Zusatzgerät für den Computer haben wollen. Als ich dann aber sah, dass da nicht einfach ein Mikroskop gekauft werden sollte, sondern dass das angebotene Mikroskop ein Zetopan von Reichert mit Interferrenz-Einrichtung war, da war ich natürlich Feuer und Flamme. So hatte ich immer das Glück, nebenbei ein wenig mikroskopieren zu können.
Irgendeinmal in den 80er-Jahren meldete sich Prof. Hans Adam aus Salzburg für einen Besuch in der Sternwarte an. Er ist mit P. Jakob gut bekannt. Ich hatte 1972/73 die Gelegenheit, einiger seiner Einführungsvorlesungen in die Zoologie an der Universität in Salzburg zu hören. Er hatte damals eine Gruppe von Assistenten um sich, darunter auch Dr. Peter Simonsberger, die ihm für die Vorlesung Mikrovideofilme drehten. Das hat mich begeistert und mich angezogen. Auch Prof. Heinrich Wagners Einführungsvorlesungen in die Botanik habe ich gelegentlich besucht. Eigentlich war ich ja zum Studium der Theologie in Salzburg, sodass es sich bei diesen Vorlesungsbesuchen um etwas handelte, was ich rein als Hobby und nur in freien Stunden machen konnte. Aber jedenfalls kannte ich daher Prof. Adam und ich führte ihn gerne zusammen mit seiner Frau durch die Sammlungen. Irgendeinmal stellte er die Frage: „Wissen Sie was Ihnen fehlt? Ein Elektronenmikroskop“ Und in seiner bestimmten Art setzte er hinzu: „Ich werde schauen, dass Sie eins bekommen!“ Nun was sollte ich mit einem Elektronenmikroskop, von dem ich wusste, dass die Präparation höchst aufwändig und die Ergebnisse, die man erreichen kann, höchst speziell sind? Es ging mir ein wenig wie mit dem Zetopan, dem hervorragenden Lichtmikroskop von Reichert. Ich bin der Sache von mir aus nicht weiter näher getreten.
Im April 1997 bekam ich dann einen Anruf von einem Dr. Simonsberger. Er sagte mir, Prof. Adam hätte ihm angeschafft, er müsse für die Sternwarte Kremsmünster ein Elektronenmikroskop liefern. Wir brauchen einen LKW und ein paar starke Männer, denn das Gerät stünde bei ihm im Keller und müsse für den Transport herausgebracht werden. Das Gewicht habe ich mir nicht gemerkt, aber es war gigantisch. Es handelte sich um ein Transmissionselektronenmikroskop der frühen Generation – ein Elmiskop von Siemens-Halske, das 1958 gebaut wurde. Meine Kenntnis der Elektronik sagte mir gleich, das ist ein Museumsstück, mit dem ich nicht viel anfangen kann. Wenn aber in Österreich niemand Elektronenmikroskope sammelt, dann muss ich es wohl. Aber wohin damit? Ich habe es genommen und aufgestellt. Alle diese Bedenken habe ich Doz. Simonsberger gesagt, mit dem Zusatz: „Ja wenn es ein Rasterelektronenmikroskop wäre, dann würde ich mit Freuden zugreifen und auch alles daran setzen, dass ich es in Betrieb nehmen kann.“ Mit einem Rasterelektronenmikroskop (= REM) kann man nämlich Dinge so anschauen, wie wir sie auch außerhalb des Mikroskops sehen, also auflicht.
Der gute Peter Simonsberger hat sich das gemerkt und mich nach fünf Jahren wieder angerufen mit der Meldung: „Pater Amand, ich habe ein Stereoscan 600, ein REM, für Sie und ich bin gerade dabei, es wieder auf Schuss zu bringen.“ Das war nun aber eine Meldung, für die es sich fünf Jahre zu warten gelohnt hat. Dr. Simonsberger hat dann das Gerät gebracht, wir haben es in den jetzigen Vorraum der Direktion im zweiten Stock geschleppt. Ein paar kräftige Gebirgler haben mitgeholfen. Das gute Stück hat ja an die 450 kg. Und da kann man wenig zerlegen. Nach ein paar Stunden Arbeit war es dann so weit. Wir hatten das notwendige Vakuum erreicht und auch der Elektronenstrahl suchte sich bereits seinen Weg durch die Magnetlinsen. Dr. Simonsberger wurde mir ein großartiger Mentor und ein guter Freund und das bleibt er hoffentlich noch recht lange.
Für mich war das Belichten von Filmen am REM recht umständlich und kostspielig. Mit dem Wissen, dass man das digital billiger haben kann, machte ich mich daran, eine Einrichtung zu bauen und ein Programm zu schreiben, mit dem man die Bilder am REM digitalisieren kann. Inzwischen haben schon mehrere Bekannte, die auch der Anziehungskraft des Mikrokosmos nicht widerstehen können, ebenfalls eine solche Vorrichtung mit meinem Programm in Betrieb.
Jetzt ist bereits einige Zeit vergangen und das REM gehört schon fast wieder zum Alltag. Ich halte gerne für Schüler unseres Gymnasiums Kurse, um ihnen diesen Blick ins Winzige zu ermöglichen. Auch liefere ich die eine oder andere Abbildung für Interessierte und vor allem habe ich jetzt begonnen, mich ein wenig in die Welt der Pollen einzuschauen.
So jetzt aber genug geschwärmt! Kommen Sie halt einfach einmal und schaun Sie sich das an!

Schluss

Wenn vor etwa 35 Jahren im Konvent Episoden erzählt wurden, so war P. Pius, der Schaffner, mitten drin und voll dabei. Mit einem kleinen Seufzer gab er manchmal den Satz von sich: „Eine Feder müsste man haben!“ Nun ja, ich habe die Feder, respektive den PC, gehabt und genutzt und versucht, die eine oder andere Episode zum Besten zu geben. Wie würde nun das Urteil des in der Einleitung kurz beschriebenen P. Maxens lauten? Würde er auch, wie damals ein wenig verlegen sagen: „Ja wia soll i denn sagn? Es is was und do wieder net ah.“
Natürlich ist dieser Jubiläumsbeitrag kein wissenschaftlicher. Daher gibt es keine Fußnoten. Die Auswahl ist höchst subjektiv. Aber genau das sollte es sein. Vieles wird nur angedeutet. Doch wer könnte all das lesen, was es über die Sternwarte zu erzählen gäbe?
Seit September 1997 gibt es ja im Internet das „Objekt des Monats“. Inzwischen sind es viele, viele Seiten geworden. Wenn Sie also hier manche Information vermissen, oder Sie haben sich in eine Episode sehr verbissen, suchen Sie im Internet auf unserer Homepage. Vor allem habe ich mich bemüht, dort alle biographischen Daten zusammenzustellen.
Zum Schluss danke ich recht herzlich dem Herrn Gymnasialdirektor, der mich eingeladen hat, diesen Artikel zu schreiben, meinen Mitbrüdern und Lehrern P. Benedikt und P. Jakob, die sich geduldig manche Episode erzählen ließen und auch selbst Erlebtes beisteuerten, was ich aus Altersgründen noch nicht wissen konnte.
Besonderen Dank möchte ich meinem Lektorat aussprechen. Wiederum haben P. Benedikt, Frau Ulrike Holzinger und vor allem meine Schwester Waltraud den größten Anteil am Zustandekommen dieses Jubiläumsbeitrages. Danke!


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(c) P. Amand Kraml, 2008-07-29
Letzte Änderung: 2017-03-14