Objekt des Monats
aus dem Museum der Sternwarte Kremsmünster
August 1999
Modell der Sternwarte von P. Anselm Desing, zerlegt, Pfeil zeigt auf den Pendelschacht
Foto: P. Amand Kraml
Bereits von Anfang an hat P. Anselm Desing bei seinen Plänen zum Bau der Sternwarte einen Schacht vorgesehen, als zylindrischer Hohlraum vom tiefsten Punkt des Kellers bis an die Spitze des Gebäudes reichen sollte. Er verwendete dafür die Bezeichnung "laterna".
P. Laurenz Doberschitz geht in seiner Beschreibung der Sternwarte von 1764 näher auf diesen Schacht ein: In einem anderen Hüttlein ist eine von der innersten Grundveste an durchaus holl aufgeführte Lucke, oder Laterne zu oberst in der Höhe mit einem eisernen Gitter umfangen, in dero Tiefe man von dem Eingange des Thurnes 38 Stuffen abwärts zählet. Wenn man
Ob der Schacht jemals als astronomischer Brunnen genutzt wurde, ist fraglich. Jedenfalls ist in diesem Zusammenhang nachzuprüfen, ob P. Thaddäus Derflinger wirklich Simon Stampfer die Verfügbarkeit dieser Einrichtung angeboten hat, wie Strasser dies behauptet. ("Eine vorzügliche Beobachtung von Gestirnen im Zenit bei Tageslicht ermöglichte außerdem der 'astronomische Brunnen', der die ganze Höhe der Sternwarte bis in das zweite Kellergeschoß durchzieht." S. 41)
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Blick vom oberen Ende des Schachtes auf den ca. 54 m darunter liegenden Boden. Der Durchmesser des Schachtes ist 135 cm. In der Mitte ist das Foucault'schen Pendel montiert. Die Drahtlänge ist 52,53m, das Gewicht des Pendelkörpers aus Messing ca. 25 kg. Foto: P. Amand Kraml |
Quellen und Literatur:
ANGERER, P. Leonhard 1922: Können die Sterne durch einen tiefen Schacht am hellen Tage mit freiem Auge gesehen werden?, in: Unsere Welt. Illustrierte Monatschr. für Naturwissenschaft u. Weltanschauung, Jg. 14, Godeberg, 234
DOBERSCHITZ, P. Laurenz 1764: Specula Cremifanensis, MS CCn 1048 (Herausgegeben von P. Amand Kraml als Heft Nr. 40 der Berichte des Anselm Desing Vereins, Februar 1999)
FELLÖCKER, P. Sigmund 1864: Die Geschichte der Sternwarte der Benediktiner-Abtei Kremsmünster, Linz
FOUCAULT, L. 1851: Démonstration physique du movement de rotation de la terre au moyen du pendule, in: Comptes rendus hebdomadaires des séances de l'acadeémie des siensces, XXXII, Paris - vgl.: XIV. Physikalischer Beweis von der Axendrehung der Erde mittels des Pendels; von Hrn. L. Foucault, in: Annalen der Physik und Chemie, 82. [158.] Bd., Leipzig, S. 458-462
FOUCAULT, L. 1852: Sur un nouvelle Démonstration expér. du movement de rotation de la terre ..., in: Comptes rendus hebdomadaires des séances de l'acadeémie des siensces, XXXV, Paris
GIOVANNANGELI, Françoise 1996: Spinning Foucault's Pendulum at the Panthéon, in: Paris Kiosque - November 1996 - Volume 3, Number 11
PISKO, F. J. 1853: Foucault's Beweis für die Axendrehung der Erde, Brünn
RESLHUBER, P. Augustin 1846..53: Tagebuch der Sternwarte vom 1. Nov. 1846 bis 31. Dez. 1853, Manuskript im Archiv der Sternwarte Kremsmüster
STRASSER, Christian o. J.: Simon Stampfer in Salzburg (1790-1825) in: Peter Schuster & Christian Strasser, Simon Stampfer 1790-1864. Von der Zauberscheibe zum Film - Salzburger Portraits: Schriftenreihe des Landespressebüros Nr. 142, Salzburg
(c) P. Amand Kraml, 2003-03-10
Letzte Änderung: 2007-03-15