Objekt des Monats

aus dem Museum der Sternwarte Kremsmünster

Mai 2007


Branders Hohlspiegel Hohlspiegel aus Glas, geschliffen
in achteckiger Holzfassung mit Holzstativ und Messingbeschlägen
Spiegeldurchmesser etwa 46 cm, Grundplatte: 83,5 x 34 cm,
Spiegelrahmen: 55 x 55 cm, maximale Höhe: 73,5 cm
Inv. Nr.: 12012611
Foto: P. Amand Kraml


Hohlspiegel von Georg F. Brander

Mit diesem Hohlspiegel hat es eine Bewandtnis, die des Erzählens wert ist. Georg Friedrich Brander, von dem P. Plazidus Fixlmillner schon einige Geräte gekauft hatte (siehe unten), bot in seinem Brief vom 4. Februar 1771 gläserne Hohlspiegel an.
Auf einer Beilage zum diesem Brief wird eine genauere Beschreibung davon gegeben:
Gläserne Hohl Spiegel von bekanntem 3 fachen Gebrauch nemlich zum Brennen 2ts zu Perspectivischen Mahlereyen praesent. 3ts die Bilder in freyer Luft vorzustellen. Sie sind von solcher Größe als jemals gemacht werden können. Es sind aber deren sehr wenige gerathen, und ich habe weder Lust noch Verlangen mehr nach deren Verschleiß mich in diese schlüpfrich als gefährliche Arbeit oder Unternehmung einzulaßen.
Von denen die ich dermalen noch besize sind 18 bis 18 1/2 Zoll diamt. im Licht, in schwarz gebeizten octogon Rahmen gefaßt mit meßingen Privot und Stativ versehen, dazu gebe ich 12 Blatt besonders hiezu gemahlte perspect.
Prospecte, die ein Naturmäßiges Spectacul vorstellen im engsten Preiß a f. 150. Mehrere dergl. Prospecte ist das Blat f. 1. Es sind von diese Art und Größe Spieglen unter 17 nur 7 gerathen, davon schon vor einigen Jahren 3 ausgemacht worden sind. Wovon einer bey der universitaet in Salzburg, der andre im Gottshaus Polling und der 3te sich auf der academie in München befindet. Die übrigen nebst der kleineren Sorte /: wie hienächst anzeigen will :/ ist bis hieher unausgemacht liegen geblieben. Und da von diesen einer nach Prag von R. P. Stepling S.J. bestellt ist, so habe ich vor schuldig erachtet Ew. Hochwürden hievon part zu geben, um in beliebigem Fall par praeference damit dienen zu können.
Die zweyte kleinere Sorte ist mit ebenmäßigen solchen Faßungen und Stativ von 12 1/2 bis 13 1/2 Zoll in Diameter mit 6 Blatt Prospecte a f. 60 bis f. 75.
3te noch kleinere in Rahmen auch plana Convexa auf der convex Seite belegt, von 6 bis 11 Zoll diamet. a f. 11 bis 40.
Brenngläser von unterschiedlichen Größen und focis, deren eines von mit einer besonderen Stellage und Collectio-Glas versehen ist, das größere hält 14 Zoll und das kleinere 10 Zoll im diameter. Dieses ganze Instrument ist schon zum experimentieren hergestellt wie hier das Dessein weiset a f. 90.
Andre ohne dergleichen machine aber alle in Rahmen gefaßt und mit Pivots versehen, von 8 bis 14 Zoll große a f. 10 bis 36.
Prospecten Gläser von der auserleßensten fein und reinsten Glas materie und exactesten Ausarbeitung von 5 bis 8 Zoll Größe a f. 4 bis f. 8.
Concave in Rahmen gefaßte Gläser 8 Zoll groß deren negativ focus 1. 2. bis 3 Schuh ist.
(Rabenalt, 155-156)

Fixlmillner bestellt am 21. Februar 1771. Zusammen mit dem Inclinatorium und Deklinatorium wird ein Hohlspiegel in drei Kisten verpackt zur Linzer Maut geschickt. Aus Branders Brief vom 28. März 1771 erfahren wir dann vom großen Unglück, das dem Hohlspiegel widerfahren ist. Er wurde wahrscheinlich beim Öffnen oder Wiederverschließen der Kisten beim Zoll zerbrochen. Es ist gewiß nicht übertrieben wenn ich mich ausdrücke eines der raresten Optischen Stücke in Deutschland; und wenn ich daran gedencke so möchte ich vor Unmuth börsten, just der schönste aus all diesen großen Spieglen welchen ich noch immer wie einen Schaz aufbewahret, just dieser mus so unglücklich der Gelehrten Welt als eine Erinnerung meiner viel gewagten Unternehmung entzogen werden. (Rabenalt, 160)
Brander hat noch einen, den er gerne jemanden etwas teurer verkauft hätte. Diesen Spiegel ohne das Gestell, das hat ja Fixlmillner jetzt schon, bietet er als Beweis seiner Ehrlichkeit zum halben Preis an.
Fixlmillner bestellt ihn und bereits im Brief vom 20. April 1771 gibt Brander genaue Angaben, wie vorzugehen sei, um ein nochmaliges Unglück zu verhindern. In der Beilage dieses Briefes findet sich die Rechnung für den dann doch glücklich nach Kremsmünster gekommenen Hohlspiegel, den wir hier als "Objekt des Monats" vorstellen.


Quellen und Literatur:

BRACHNER, Alto et al. 1983: G. F. Brander 1713 - 1783. Wissenschaftliche Instrumente aus seiner Werkstatt, München

FELLÖCKER, P. Sigmund 1864: Die Geschichte der Sternwarte der Benediktiner-Abtei Kremsmünster, Linz

FELLÖCKER, P. Sigmund, Physikalisches Cabinett, Catalog, [MS] Kremsmünster 1871

RABENALT, P. Ansgar, 1985: Briefe Friedrich Branders, mechanici in Augsburg an Placidus Fixlmillner OSB 1. Direktor der Sternwarte Kremsmünster (Ein Beitrag zur Gründungsgeschichte des "Mathematischen Turmes" von Kremsmünster, in: Studien und Mitteilungen zur Geschichte des Benediktiner-Ordens und seiner Zweige, Jg. 1985, Bd 96, I/II, 144-195


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(c) P. Amand Kraml 2007-06-11
Letzte Änderung: 2012-02-21