Objekt des Monats

aus dem Museum der Sternwarte Kremsmünster

Jänner 2003


Meridiansäulen Drei Konglomeratsäulen aus Kremsmünsterer Nagelfluh,
Höhe mit Sockel über dem Boden: 114..127 cm,
Durchmesser: ca. 32 cm
Foto: P. Amand Kraml


Meridiansäulen im Hofgarten

Mittagslinie Schatten um Mittag
Schattenwurf der Sternwarte auf die verbliebenen Säulen der Mittagslinie am 15. Jänner
Fotos: P. Amand Kraml

Da waren's nur mehr drei!

1928 schrieb P. Richard Rankl in seiner Arbeit über den Meridian von Kremsmünster über die Meridianlinie im Hofgarten: "Eine zweite Meridianlinie ist durch mehrere steinerne Säulen im Hofgarten gekennzeichnet. Heute stehen noch in der Nähe des Gärtnerhauses 9 Säulen auf einer Strecke von 38 m. Nach Fellöcker soll eine Strecke von 72 Klaftern (137 m) ausgesetzt gewesen sein, was bei der jetzigen Säulendistanz eine Anzahl von 30 Säulen ergäbe. Auf diese Säulen warf eine an der Stelle des heutigen Refraktors aufgestellte eiserne Stange, die als Gnomon diente, ihren Schatten, der wie ein großer Uhrzeiger – im Sommer kürzer, im Winter länger (in der Basis 22 m – 146 m) – auf dem Boden dahinglitt und genau zu Mittag die Säulenlinie passierte." (RANKL, 4)

Die von Rankl angegebene Zahl von 30 Säulen ist recht fragwürdig. Es ist ja nicht notwendig, schon von der Sternwarte weg Säulen zu setzen, wenn man es darauf anlegt, dass die der Sternwarte nächste Säule den kürzesten Schattenwurf am Tag der Sommersonnenwende markieren sollte. Auf dem Kupferstich von 1778, der die Säulen im Hofgarten zeigt, sind 18 Säulen zu zählen. Dass die Messung des Schlagschattens einer Stange auf freiem Feld nicht gerade einfach ist, haben Versuche gezeigt, die wir auf Initiative von Frau Dr. Fabian im Juli 1995 mit ihr durchgeführt haben. Daraus wurde auch ersichtlich, dass für P. Plazidus Fixlmillner die Vermessungen der Mittagslinie im Innern der Sternwarte, im Astronomischen Kabinett, wesentlich genauer durchgeführt werden konnnten. Abt Anselm Desing verweist zwar in seinem Brief vom 30. Jänner 1766 nochmals auf die aus seiner Sicht bedeutende Meridianlinie im Hofgarten. Da war die Arbeit schon getan, denn er schrieb den Brief, als er das Exemplar des Meridianus von P. Plazidus bereits in Händen hielt.


Quellen und Literatur:

DESING, Abt Anselm 1766: Brief an P. Plazidus Fixlmillner vom 1766-01-30, Ensdorf, MS, Archiv der Sternwarte, Sammlung der Briefe von Anselm Desing

FIXLMILLNER, P. Placidus 1765: Meridianus Speculae Astronomicae Cremifanensis seu Longitudo eius Geographica... Styrae

KRAML, P. Amand 1999: Anselm Desing und das Benediktinerstift Kremsmünster. In: Knedlik, Manfred und Schrott, Georg (Hg.): Anselm Desing (1699-1772). Ein beneditkinischer Universalgelehrter im Zeitalter der Aufklärung. Kallmünz, 64-79.

KRAML, P. Amand, 2006: Der Sternwarte Kremsmünster erster Direktor P. Plazidus Fixlmillner, in: Technik – Gesammelte Aspekte des Fortschritts, hrsg. v. Ute Streitt & Magdalena Wieser, Linz, 53-62

KRAML, P. Amand 2007: Der Sternwarte von Kremsmünster erster Direktor P. Plazidus Fixlmillner

RANKL, P. Richard, Der Meridian von Kremsmünster, in: 78. Jahresbericht des Obergymnasiums zu Kremsmünster, Linz 1928


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(c) P. Amand Kraml 2003-01-15
Letzte Änderung: 2017-03-01