Einiges zur Biographie von P. Bonifaz Schwarzenbrunner:


P. Bonifaz Schwarzenbrunner
P. Bonifaz Jakob Schwarzenbrunners Leben und Wirken
Wissenschaft bleibt kalt und steril, solange wir in der Betrachtung ihrer Ergebnisse von den Biographien derer abstrahieren, die sie vorangetrieben haben. Selbst Resultate der Naturwissenschaften sind kein Destillat des reinen Geistes. Es scheint Gebot der Stunde zu sein, das Menschliche, das Sympathische und Schicksalhafte im Leben der Forscher wiederzuentdecken, zu deren Namen uns zumeist nur Formeln einfallen. - SCHWARZENBRUNNER ist keiner der ganz Großen geworden, obwohl es an Begabung und Eifer nicht gefehlt hat. Seine Lebenszeit war zu kurz.

Ein Polyhistor am Musentempel
Zu Pauli Bekehrung, dem 25. l. 1790, schenkte die ledige Magd Katharina HASLINGER, eine Bauern- und Steinmetztochter, in Garsten bei Steyr ihrem Sohn Jakob das Leben. Sein Vater war der Müllerssohn Leopold ARRIGLER. Nach dem Willen des Vaters erhielt Jakob den Familiennamen SCHWARZENBRUNNER. Bereits im dritten Lebensjahr kam Jakob wegen der Armut der Mutter in Pflege. Der hauptgewerkschaftliche Inspektor von Weyer, J. B. SCHLAGER, vermittelte ihn zu seiner Schwester Barbara, der Gemahlin des Kremsmünsterer Hofschmieds Felix PIERER. Jakob fühlte sich hier sehr wohl und blieb seinen Zieheltern zeitlebens sehr verbunden.
Nach anfänglichem Unterricht an der Schule von Kirchberg bei Kremsmünster und drei Jahren Hauptschule trat Jakob SCHWARZENBRUNNER im Jahr 1800 ins Stiftsgymnasium über. Vom ersten Semester an erbrachte er sehr gute Leistungen und war stets unter den ausgezeichneten Schülern. Im Studienplan wurde viel Wert auf eine gediegene Ausbildung in den naturwissenschaftlichen Fächern gelegt (8 von 18 Stunden). Jakob erbat dazu noch drei "Privat-Collegien" pro Woche bei seinem vortrefflichen Lehrer P. Benno WALLER.
Am 25. 10. 1807 wurde SCHWARZENBRUNNER als Fr. Bonifaz in das Kloster der Benediktiner von Kremsmünster aufgenommen. Das Studium der Theologie absolvierte er in den Jahren 1809 - 1812 an der Hauslehranstalt. Daneben widmete er sich dem Französischen (1809 - 1810), dem Italienischen (1810 - 1811), dem Englischen (ab 1812). Bereits 1809 begann er mit dem Selbststudium der "Astrognosie" nach BODEs "Kenntnis des gestirnten Himmels", das er dann unter der Leitung des Kremsmünsterer Astronomen P. Thaddäus DERFLINGER fortsetzte (1810 - 1814). Drei Wochenstunden in Architektur-Zeichnen rundeten sein Arbeitsprogramm ab.
Im November 1812 ernannte ihn der neugewählte Abt Anselm MAYRHOFER zum Professor für Mathematik und Griechisch. Neben den 18 Stunden Unterricht erarbeitete P. Bonifaz auf Geheiß der k. k. Studienhofcommission innerhalb eines Jahres eine lateinische Übersetzung der Elemente des EUKLID mit Anmerkungen. Er sandte sie an besagte Kommission ein "mit dem Anerbieten zur beliebigen Verfügung". Mit einem Belobigungsschreiben und der Bemerkung, daß die Übersetzung überflüssig sei, erhielt er sie wieder zurück. Im Oktober 1816 wurde eine andere Übersetzung vorgeschrieben.
Nach der Priesterweihe (5. 1. 1813 in St. Polten) wurde SCHWARZENBRUNNER der Physikunterricht in Aussicht gestellt. Zur Vorbereitung darauf erbat er sich ein unterrichtsfreies Jahr (Schuljahr 1815). In den "Erläuterungen zur Naturwissenschaft" legte er nun seine Gedanken über Physik nieder - geleitet vom vorgeschriebenen Lehrbuch von Remigius DÖTTLER. Doch studierte er parallel dazu auch Musik, inspiriert durch ein Klavier, das ihm geschenkt worden war. Als erster der Kremsmünsterer Professoren legte er an 7. und 8. November 1816 die neu für alle geistlichen Lehrer an höheren Schulen vorgeschriebene "concursartige Prüfung" in Linz ab. Mit dem Eintreffen des Anstellungs-Decrets (am 22. 3.1817!) übernahm P. Bonifaz die "Lehrkanzel für Physik" und behielt sie bis zum Schuljahr 1826.
Im Schuljahr 1820 begann er auch Naturgeschichte zu unterrichten, wozu er innerhalb eines Jahres im Privatstudium - gestützt auch auf die naturhistorischen Sammlungen in der Sternwarte - ein eigenes (im Manuskript erhaltenes) Lehrbuch verfaßte. Fünf Jahre lang unterrichtete er dieses Fach.
In diese Zeit fallen manch weitere Tätigkeiten. Das Stift war in triste ökonomische Verhältnisse geraten, weshalb von der Landesregierung ein Commissär (eigentlich: ökonomischer Administrator) eingesetzt wurde. Der Konvent wählte P. Bonifaz zum Actuar, der auf Wusch des Administrators das "Centralbuch" zu führen hatte. So wurde er mit wirtschaftlichen Belangen und mit der Hausgeschichte des Stiftes konfrontiert. Umfangreiche handschriftliche Aufzeichnungen wie die "Ökonomischen Notaten" und die "Vorarbeiten zur Geschichte Kremsmünster's" entstanden.
Gleichzeitig gab er den Klerikern des Klosters Privatlektionen in Mathematik, Griechisch, Hebräisch, Syrisch, Chaldäisch und Arabisch - jeweils nach selbstverfaßten kurzen Grammatiken. Auch sein Hobby vergaß er darüber nicht: er schrieb den "Versuch einer Vereinfachung der Musikzeichen und einer kurzen Geschichte der Musik" (414 Seiten).
Im Jahr 1822 wurde die Lehrkanzel für Physik an der Wiener Universität frei. SCHWARZENBRUNNER fragte bei der k. k. Studienhofcommission an, ob er für diesen Posten kompetenzfähig sei. Aufgrund der positiven Antwort bewarb er sich um die Stelle. Die Lehrkanzel wurde aber an den Olmützer Professor Andreas BAUMGARTNER vergeben, wovon P. Bonifaz zu Anfang des Jahres 1823 in Kenntnis gesetzt wurde.
Mit dem Tod des schon längere Zeit unter schwindender Sehkraft leidenden Astronomen P. Thaddäus DERFLINGER (19.12.1748 -18.4.1824) wurde SCHWARZENBRUNNER zum Direktor der Sternwarte ernannt, nachdem er schon über mehrere Jahre hinweg die astronomischen und meteorologischen Beobachtungen praktisch geleitet hatte. Dennoch behielt er den Unterricht der Naturgeschichte am Gymnasium ein Jahr, den der Physik noch zwei Jahre bei. Auch später scheute er keine Supplierung für seinen Nachfolger, P. Marian KOLLER, den künftigen Regierungsrat und Mitbegründer der Wiener Zentralanstalt für Meteorologie und Geodynamik.
Lange konnte P. Bonifaz SCHWARZENBRUNNER der Wissenschaft mit seinem Können und seine Tatkraft nicht dienen. Denn "mitten im besten Mannesalter, erst 40 Jahre alt, gab er eines Tages, allen höchst unerwartet, Anzeichen von Geistesverwirrung, ward von einer heftigen Gehirnentzündung ergriffen und erlag derselben nach 4- bis 5-tägigem Krankenlager in der Nacht vom 28. zum 29. April 1830."
Das Charakterbild SCHWARZENBRUNNERs, wie es P. Sigismund FELLÖCKER zeichnet, liegt weitab von der sich uns unwillkürlich aufdrängenden Vorstellung eines versponnenen Genies: "SCHWARZENBRUNNER hatte einen schmächtigen Körper, kaum mittelgroße Gestalt, ein stets heiteres, meist hoch erhobenes Antlitz; sein Gang war rasch, seine Conversation, sein ganzes Temperament lebhaft; seine Begegnung jederzeit leutselig; seine Haltung bei den religiösen Verrichtungen Ehrfurcht und Andacht gebietend; seine Liebe zu seinen Mitbrüdern, seine Begeisterung für das Haus, den Orden und die Kirche bezeugen alle seine Arbeiten, namentlich die historischen; zärtlich liebte er auch seine Verwandten, ganz besonders aber seine Ziehmutter, die er täglich besuchte."

P. Bonifaz Schwarzenbrunner (aus: Austaller, P. Wolfram H., Die Wärmelehre am Scheideweg;
die zitierten Stellen stammen aus Fellöcker, Geschichte der Sternwarte, S. 160)


Literatur:

AUSTALLER, P. Wolfram H. 1990: Die Wärmelehre am Scheideweg. Dem Andenken P. Bonifaz Schwarzenbrunners gewidmet, in: Öffentliches Stiftsgymnasium Kremsmünster, 133. Jahresbericht, 121-142

FELLÖCKER,  P. Sigmund 1864: Die Geschichte der Sternwarte Kremsmünster, Linz

SCHWARZENBRUNNER, P. Bonifaz 1815..21: Erläuterungen zur Naturwissenschaft, 4 Bd. MS, Direktionsarchiv der Sternwarte Kremsmünster
[Bd. I: 1815, Bd. II: 1821, Bd. III: 1821, Bd. IV: 1816-17, 1819-20]


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(c) P. Amand Kraml 1999-05-10
Letzte Änderung: 2015-11-03