Objekt des Monats

aus dem Museum der Sternwarte Kremsmünster

Februar 1999


Trommlerautomat

Trommlerautomat aus dem 17. Jh.
Holz mit eisernem Federtriebwerk,
Höhe: 61 cm, Breite: 30 cm breit, Tiefe samt Trommel: 50 cm
Inv. Nr.: 12012608
Foto: P. Amand Kraml


Trommlerautomat

Im Physikalischen Kabinett finden sich zwei Trommlerautomaten, die unter Abt Erenbert Schrevogl (1669 - 1703) für das Stift angekauft wurden. Nach den Kammereirechnungen (Nr. 2704) wurden 1699 einer Maria Ursula Settelin aus Regensburg 150 fl. bezahlt für "hilzerne Mänl und Weibl, so mit Uhr werch gemacht und sodan sich selbst riehrn". P. Marian Pachmayr erwähnt "automata" unter den "Mechanicis" im Museum Fratrum (S 731). Ursprünglich waren offenbar drei solche Automaten vorhanden. P. Laurenz Doberschitz beschreibt sie 1764 in seiner Specula Cremifanensis (S. 251) folgendermaßen:
3 artige Figuren, als eine türkische Jungfer, ein Aff in läppischer Kleidung, und ein spänischer Tambour, welche wenn man ihr eisenes Triebwerk aufziehet, gleichsam lebendig werden. Die Jungfer geht ganz geschäftig in dem Zimmer herum, und schlägt auf ihrer Mandora, der Aff und der Tambour rühren beede recht lebhaft ihre Trommeln, der erstere rühret die Augen, und schneidet verzweifelte Gesichter, der Spanier aber drehet seinen Kopf, rühret Maul, und Augen mit einer gravitätischen Mine, beynebst tragen beyde diese stumme Trommelschläger ein jeder eine Krechse auf seinen Buckel, in dem ersteren sind junge Äffgen, und in dem anderen kleine junge Spanier, welche alle während des Trommelschlages in ihrer Krechse so hurtig immerhin aufhüpfen, als wenn sie wirklich herausspringen wollten, so in der That recht lächerlich zu sehen ist.
Die "Krechsen" - eine Art von Korb, der auf dem Rücken getragen wurde - ist nicht mehr erhalten. Zum Jubiläum 1977 wurden die beiden Figuren mit ihren Werken "restauriert". Die Kleidung ist durch die Sonneneinwirkung in einem sehr schlechten Zustand. 1997 wurde eine Hand des Affen, die fehlte, ersetzt, die Kleidung dieser Figur erneuert und die brüchige deponiert.


Literatur:

DOBERSCHITZ, P. Laurenz 1764: Specula Cremifanensis, MS CCn 1048 (Herausgegeben von P. Amand Kraml als Heft Nr. 40 der Berichte des Anselm Desing Vereins, Februar 1999)

PACHMAYR, P. Marian, 1777: Historico-Chronologica Series Abbatum et Religiosorum Monasterii Cremifanensis, Styrae

NEUMÜLLER, P. Willibrord (Hrg.) 1961: Archivalische Vorarbeiten zur Österreichischen Kunsttopographie (Gerichtsbezirk und Stift Kremsmünster)


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(c) P. Amand Kraml, 99-04-30
Letzte Änderung: 2012-02-21