Objekt des Monats

aus dem Museum der Sternwarte Kremsmünster

Mai 1998


Skizze vom Einsturz Skizze aus einem Brief von P. Eugen Dobler an P. Anselm Desing (kopiert von P. Oddo Binderberger 1909)


Fatales Ereignis beim Bau der Sternwarte am 23. Mai 1755

Der Bau der Sternwarte wurde im Jahre 1749 begonnen.  Die Pläne zu diesem außergewöhnlichen Bau lieferte der bayerische Benediktinerpater Anselm Desing, der sich in Salzburg mit unserem Stiftsökonom P. Nonnosus Stadler angefreundet hatte. Auf Empfehlung Desings kam P. Eugen Dobler aus Bayern als Kustos der naturwissenschaftlichen Sammlungen (museum fratrum) ins Kloster Kremsmünster. Er überwachte zum Teil auch den Sternwartebau. Im Zuge des Baues kam es am 23. Mai 1755 zum teilweisen Einsturz des Baues.

"Im Mai 1755 nämlich, da der Bau schon fast bis zu oberst geführt war (specula ad fastigium paene perducta); zeigten sich auf einmal in der Höhe an der südöstlichen Front Sprünge und stürzte diese am 23. Mai (zum Glück erst bei Einbruch der Nacht, zwischen 9 und 10 Abends, wo kein Mensch am Platze war) ein paar Stockwerke herab mit solcher Gewalt ein, daß ein bedeutend großes Stück der Gartenmauer in weiter Entfernung (am Fuße des Berges) noch zertrümmert wurde."

Natürlich hatte dieser eigenartige Turmbau nicht nur seine Befürworter, sondern all jene, die ihn für Unfug und Hybris hielten, bekamen nun Wasser auf ihre Mühlen. Als aber am anderen Morgen der Abt Alexander Fixlmillner die Nachricht erhielt, befahl er dem Hofmeister mit dem Wegräumen der Steinmassen zu beginnen. Die Steine, die den Abhang hinunterrollten, bekamen die Bürger des Marktes zur Errichtung einer steinernen Kremsbrücke. Der Abt soll zum Baumeister gesagt haben: "Oh er hat keine Schuld. Die armen Leute haben es angerichtet. Sie haben gefürchtet, sie würden nichts mehr zu tun haben, wenn der Turm fertig wäre. Darum haben sie gebetet und haben es erbetet, daß er einstürzte und sie wieder Arbeit und Unterhalt finden."

Zur Verstärkung des Baues wurde nun - abweichend vom Modell - der fünfte Stock mit seinem Gewölbe als feste Basis für das astronomische Observatorium im darüberliegenden Stockwerk eingefügt.

Ein Brief von P. Eugen Dobler an P. Anselm Desing vom 25. Mai 1755 befindet sich in der Bayerischen Staatsbibliothek


Quellen und Literatur:

FELLÖCKER, Sigmund, 1864: Geschichte der Sternwarte der Benediktiner-Abtei Kremsmünster, Linz, 22-23

PACHMAYR, P. Marian, 1777: Historico-Chronologica Series Abbatum et Religiosorum Monasterii Cremifanensis, Styrae

SCHWAB, P. Franz, 1909: Abschriften der Briefe an Desing in der Bayerischen Staatsbibliothek, MS. (Archiv der Sternwarte Kremsmünster)


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