Objekt des Monats

aus dem Museum der Sternwarte Kremsmünster

Februar 2016


Mikropraeparate

Schatulle mit 140 histologischen mikroskopischen Präparaten
Größe der Schatulle: 46 x 23 x 10 cm, 7 Präparatemappen mit je 20 Objektträgern.
Der Deckel der Schachtel trägt innen die Liste der Präparate, die Klappseite die Beschreibung der Präparationsmethoden.
Foto: P. Amand Kraml


Histologische mikroskopische Präparate von Hermann Ulbrich

Mikropräparate
Schatulle mit der Aufschrift:
Dem hochverehrten Lehrer Herrn Prof. P. Anselm Pfeiffer
sein dankbarer Schüler Hermann Ulbrich

Foto: P. Amand Kraml
Hermann Ulbrich
Hermann Ulbrich als Gymnasiast in Kremsmünster
eingeklebt in Zur Geschichte, 251
Foto: Merzeder Kremsmünster
Unser Objekt stammt aus einer Zeit, in der es noch "hochverehrte Lehrer" gab. Wie sehr P. Anselm Pfeiffer seine Schüler für die Naturgeschichte begeistern konnte, zeigt dieses Geschenk, das ihm von seinem einstigen Schüler, dem Studiosus der Medizin, Hermann Ulbrich verehrt wurde. Hermann war der ältere von zwei Söhnen eines Zahnarztes, Stephan Ulbrich, aus Reichenberg (Liberec) in Nord-Böhmen. Über seine beiden Schüler schreibt P. Anselm in der Geschichte des Botanischen Gartens:
Im Sommer 1897 u. 1898 habe ich keine Unterstützung für den botanischen Garten erhalten; aber der liebe Gott hat für die Zukunft des bot. Gartens auf eine ganz unerwartete Weise gesorgt durch die Stiftung des Herrn Dr. Stephan Ulbrich in Reichenberg in Böhmen. Im Schuljahre 1898 maturierte an unserm Gymnasium Max Ulbrich. Sein Bruder Hermann maturierte ebenda 1894. Beide sind die Söhne des Dr. med. Stephan Ulbrich in Reichenberg in Böhmen u. waren meine Schüler. Hermann trat hier in die VI. Classe ein, interessierte sich ganz besonders für Naturwissenschaften u. wurde von mir auf Ansuchen des Vaters auch außer der Schule, selbstverständlich unentgeltlich, in allen Gebieten der Naturgeschichte unterrichtet. [vgl. Zootomische Übungen] Da Hermann sich hier so gut, sowol moralisch als auch wissenschaftlich für den Besuch der Universität – er studiert Medicin – ausbildete, so gab Vater Ulbrich auch seinen zweiten Sohn, Max mit Anfang des Schuljahres 1894-95 an das hiesige Gymnasium. Max war gut befähigt, aber er brauchte viel moralische Unterstützung damit er sich hier ordentlich hielt, u. ich hatte manche schlimme Sache für ihn auszufechten. Gegen Ende des Schuljahres 1898 theilte mir Vater Ulbrich mit, er habe sich entschlossen, aus Dankbarkeit hier 2 Stipendien a 100 fl. jährlich zu gründen. Diese seien auch für wissenschaftliche Zwecke bestimmt u. ich möge ihm eventuell Vorschläge machen. (Zur Geschichte, 250-251)

Die Kassette enthält neben der Liste der Präparate auch eine detailierte Beschreibung der Präparationsmethoden.
Schade, dass sich der damals als Einschlussmittel gewählte Dammarlack, ein Naturharz, aus heutiger Sicht als ungeeignet erweist. Die Präparate sind zwar in ihrer Färbung gut erhalten, die Auflösung des mikroskopischen Bildes ist aber sehr bescheiden.


Liste der Präparate:

I
69 70 Glandula sublingualis
Triton cristatus (Larve) 71 72 Glandula submaxillaris
karyokinetische Zelltheilung 73 74 Parotis
1 2 Epithel aus den Kiemenblättchen 75 76 Pankreas
Kaninchen Leber
Blutgefässystem 77 78 Leberläppchen im Querschnitt
3 4 Herzwand 79 80 Gallenblase
5 6 Papillarmuskel des Herzens im Querschnitt
V
7 8 Papillarmuskel des Herzens im Längsschnitt 81 82 Gallengang
9 10 Aorta abdominalis 83 84 Vordere Bauchwand, Linea alba
11 12 Vena cava inferior Athmungsorgane
13 14 Milz 85 86 Nasenschleimhaut regis respiratoria
Knochen 87 88 Kehlkopf mit Schilddrüse
15 16 Humerus Längsschnitt 89 90 Luftröhre Längsschnitt
17 18 Humerus Querschnitt 91 92 Lunge
19 20 Parietale 93 94 Thymusdrüse
II
Harnorgane
Knorpel 95 96 Niere
21 22 Rippenknorpel im Längsschnitt 97 98 Niere, Querschnitt durch d. Tubuli recti
23 24 Rippenknorpel im Querschnitt 99 100 Ureter
Muskeln
VI
25 26 Musc. sterno-cleido-mastoid. Längsschnitt 101 102 Harnblase
27 28 Musc. sterno-cleido-mastoid. Querschnitt Männliche Genitalien
Sehnen 103 104 Hoden
29 30 Sehne im Längssschnitt 105 106 Vas epididymidis
31 32 Sehne im Querschnitt 107 108 Vas deferens
Nervensystem 109 110 Penis
33 34 Grosshirnrinde Weibliche Genitalien
35 36 Kleinhirnrinde 111 112 Ovarium
37 38 Rückenmark 113 114 Tuba Fallopii
39 40 Nervus ischiadicus 115 116 Uterus
III
117 118 Vagina
41 42 Nebenniere Geschmacksorgan
Verdauungscanal 119 120 Zunge, Papilla foliata
43 44 Mundschleimhaut
VII
45 46 Zungenspitze 121 122 Äußere Haut
47 48 Zungenmitte Geruchsorgan
49 50 Zungengrund 123 124 Nasenschleimhaut, region olfactoria
51 52 Pharynx Auge
53 54 Speiseröhre Halsgegend 125 126 Cornea, Iris, corpus ciliare
55 56 Speiseröhre Brustgegend 127 128 Augenhäute, blinder Fleck
57 58 Magen Fundusgegend Goldfischchen
59 60 Magen Pylorusgegend 129 130 Auge, Stäbchenschicht d. Retina
IV
Kaninchen
61 62 Duodenum 131 132 Nervus opticus
63 64 Dünndarm Längsschnitt 133 134 Linsenfasern
65 66 Dünndarm Querschnitt 135 136 Augenlid
67 68 Mastdarm 137 138 Nickhaut
Speicheldrüsen 139 140 Thränendrüse

Beschreibung der Präparationsmethoden:
Methode 1. Fixierung der Stücke in: Platinchloridlösung 1% (1 Th) conc. wäss. Sublimatlös (1 Th) dest Wasser (1 Th) durch 24h; ausgewaschen in dest Wasser 24h; 30%, 45%, 60% 70%, 85% Alcohol, zusammen 24h; 96% Alcohol 2 Tage; dest Wasser 24h; Grublerscher Cochenillealaun 2 Tage; dest Wasser (oft gewechselt) 24h. aufsteigender Alcohol wie früher; 96% Alcohol; abs. Alcohol 3 Tage; Mischung von Alcohol und Chloroform zu gleichen Theilen 12h; reines Chloroform 12h; Paraffin von 45° Schmelzpunkt 3h bei einer Temperatur von 48° - 58°; Paraffin Schmelzpunkt 58° 1/2h bei ca. 60°C; Einbettung in dasselbe Paraffin; Schnitt; Aufkleben des Schnittes auf den Objectträger mit: Nelkenöl 2/3 Collodium 1/3; Entfernen des Paraffins durch Xylol, Einschluss in Dam[m]arlack.
Methode 2. Fixierung in Platinchloridsublimat mit 4% Salzsäure durch 4-5 Tage; alles Andere wie bei Methode 1.
Methode 3. Fixierung in Müllerscher Flüssigkeit durch 4 Wochen (in den ersten acht Tagen täglich dann wöchentlich gewechselt); alles Andere wie bei Methode 1.
Methode 4. Methode 3. nach dem Schnitte Xylol; *) Alcohol absolutus; dest Wasser; Haematacylin (20 Min) dest Wasser mit sehr wenig Salzsäure, dest Wasser, Alcohol absolutus, Nelkenöl, Dam[m]arlack. Bei Praep. Nr. 1 u. 2 wurde die ganze Larve in Platinchloridsublimat fixiert, dann dest Wasser, aufsteigender Alcohol, Alcohol absolutus. Darauf wurde das Epithel herauspraepariert und weiter wie oben von *) angefangen, behandelt.


Quellen und Literatur:

PFEIFFER, P. Anselm & ANGERER, P. Leonhard 1889..: Zur Geschichte des botanischen Gartens in Kremsmünster, MS, Kustodiatsarchiv der Sternwarte Kremsmünster



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(c) P. Amand Kraml 2016-11-30
Letzte Änderung: 2017-02-28