Objekt des Monats

aus dem Museum der Sternwarte Kremsmünster

September 2014


Kohlefadenlampe
Kohlefadenlampe für 110V
Sockel mit E 27, Linksgewinde
Größe: 13 cm, max. Durchmesser: 6 cm
Inv. Nr. 14101801

Foto: P. Amand Kraml
Zum Schutz der Lampe wurde sie hier mit geringerer Spannung betrieben.


Kohlefadenlampe mit Linksgewinde

Lampensockel
Lampensockel mit Linksgewinde in der Größe E27

Foto: P. Amand Kraml

Im Bewusstsein, diese elektrischen Glühlampen könnten einmal interessant werden, hat man sie samt ihren Fassungen ins Depot des Physikalischen Kabinetts der Sternwarte gebracht. Inzwischen sind aus den Alltags-Gebrauchsgegenständen Museumsobjekte geworden, die zudem eine Brücke zur Geschichte des Kremsmünsterer Elektrizitäts-Werkes bilden können. Zur Zeit haben wir 43 funktionsfähige Stück dieser Kohlefadenlampen, einige beschädigte und ebenfalls 43 Stück der dazupassenden Fassungen (Inv. Nr.: 14101802).
Über die Verwendung von Linksgewinden an Lampensockel wissen wir bis jetzt nicht viel. Woher die Lampen sind, ist auch nicht klar. Da sie samt den Fassungen erhalten sind, spricht vieles dafür, dass sie bei uns im Einsatz waren. Bekannt ist, dass in New York die Lampen der U-Bahn (New York City Subway) mit Linksgewinden versehen waren, damit man sie dem Zugriff von Heim-Endnutzern entziehen konnte.


Kurze Geschichte des E-Werkes des Benediktinerstiftes KREMSMÜNSTER.

(Auszug aus den mir derzeit - 1942 - vorliegenden Akten.)

von

P. Richard Rankl
mit geringfügigen redaktionellen Korrekturen von P. Amand Kraml

Im Jahre 1909 mußte die Wehr bei der Korkfabrik mit großen Kosten erneuert werden. Das Stift Kremsmünster hatte auf Grund eines Vergleiches zwischen Papiermühle und Schafferlmühle (26. 9. 1791) 26/60 = 44 % beizutragen.
Bei diesem Anlaß sprach der Besitzer der Korkfabrik Greiner bei Abt Leander Czerny vor wegen Ankaufes der Papiermühle. Der Abt beauftragte die beiden Professoren und Stiftskapitularen P. Oddo Binderberger und Dr. P. Bonifaz Zölß, eine Vermessung der Wasserkraft vorzunehmen. Das Resultat dieser Vermessung ergab die Möglichkeit, die Wasserkraft von rund 50 PS für die Schaffung einer Anlage für die elektrische Beleuchtung von Markt und Stift Kremsmünster auszunützen. P. Bonifaz wurde mit der Bauaufsicht betraut.
Die Planung und Durchführung wurde dem Baubüro Ing. Julius Gruder in Innsbruck übertragen.

Kaisersaal
Lampeninstallation zur Eröffungsfeier der elektrischen Beleuchtung im Kaisersaal

Foto: P. Oddo Binderberger (Detail)

Durch Edikt der Bezirkshauptmannschaft Steyr vom 25. 3. 1910 wurde die kommissionelle Verhandlung auf den 3. Mai 1910 verlegt: Wassermenge von 1300 l/sec, Nutzgefälle 4,7 m, Stauteich mit 170 m langem Damm, Francis-Zwillings-Turbine, Gleichstrom-Nebenschluß-Dreileiter-Dynamomaschine und Zusatzdynamo - sowie Akkumulatorenbatterie.

Im Bauprotokoll vom 3. 5. 1910 sind genaue Daten über Anlage und Maschinen zu entnehmen: Der Stauteich ist rund 260 m lang und 40 m breit, die Turbine hat bei 227 Touren/min eine effektive Leistung von 63,2 PS und erhält einen automatischen Ölregulator, der rasch auf Handregulierung umschaltbar ist. Die Akkumulatorenbatterie soll aus 270 Zellen bestehen mit 260 Amperestunden bei 3 stündiger Entladung. Spannung + 220 Volt und Nulleiter. Querschnitte der Hauptleitung 2 x 95 mm2 und 1 x 50 mm2.

Mit 24. 5. 1910 gibt die Bezirkshauptmannschaft Steyr den Baukonsens. Die Hauptdynamo liefert 47 KW (2 x 250 V, 94 A) bei 1000 Touren/min. Die Zusatzdynamo mit 25 KW bei 1300 T/min ist von 20 - 240 V und von 500 V erregbar und kann 72 Ampere liefern.

Mit 18. 7. 1910 wurde von der BH. Steyr dem Benediktinerstift Kremsmünster die Konzession zum gewerbemäßigen Betrieb des E-Werkes für die Erzeugung und Leitung der Elektrizität erteilt; die Eintragung in das Gewerberegister der kk. BH. Steyr erfolgte unter Reg. Z. 66/1910.

Zur Erbauung der elektrischen Anlage nahm das Stift von der allgemeinen Sparkasse in Linz mit 31. 3. 1910 ein Darlehen von 120.000 Kronen zu 4 1/2 % Zinsen auf, das in etwa 10 Jahren zurück gezahlt wurde - und zwar, ohne daß die Inflation die Rückzahlung wesentlich begünstigt hätte.

Wesentlich für die Amortisierung der elektr. Anlage war die Stromlieferung an die Marktgemeinde Kremsmünster, mit der am 31. 3. 1910 ein Vertrag auf 15 Jahre abgeschlossen wurde. Die Kilowattstunde wurde für Lichtstrom mit 60 Hellern, für Kraftstrom, dessen Bezug nach einem Brennkalender nur für bestimmte Stunden des Tages gestattet war, mit 25 Hellern berechnet.

Das Interesse für die elektr. Beleuchtung war zunächst kein allgemeines, trotzdem interessierte sich die Umgebung von Kremsmünster schon vor dem Weltkriege für den Anschluß an das E-Werk. Im Herbst 1912 wurde die Leitung über Kirchberg bis zum Ottstorfmeier verlängert, im Jahre 1913 nach Kremsegg. Erst in der Zeit des Weltkrieges 1914 - 1918 da Petroleum und Kerzen rar wurden, wuchs natürlich auch das Interesse für das elektr. Licht - da wurde 1914 der Bahnhof Kremsmünster Markt - 1917 erst der Bahnhof Kremsmünster Stift angeschlossen.

Neben der Stromversorgung wurde vom Elektr. Werk auch das Installationsgeschäft ausgeführt. Mit 17. Februar 1912 erhielt das Stift Kremsmünster die Konzession zur gewerbsmäßig betriebenen Herstellung von Anlagen zur Erzeugung und Leitung von Elektrizität zu Zwecken der Beleuchtung der Kraftübertragung und sonstiger gewerblicher oder häuslicher Anwendung. Die Eintragung des Gewerbes erfolgte bei der BH. Steyr unter Reg.Z.160/1912.

Als der 1. Betriebsleiter des E-Werkes Hans Pollak im Weltkrieg einrücken mußte, führte Dr. P. Bonifaz Zölß die Leitung des E-Werkes weiter - zum Teil führten er und P. Oddo Binderberger eigenhändig el. Reparaturen und Installationen durch. Auch den Bau von Anlagen für Stromversorgung führten die beiden gemeinsam durch wie in Helmberg und 1922 in der Beutlmühle in Kematen und 1923 in der Plenkelmühle bei Hl. Kreuz.

Wie sehr sich das Interesse für elektr. Strom für Licht und Kraft hob, zeigt die Steigerung der Stromlieferung an die Marktgemeinde, die vom Jahr 1916 - 1922 sich auf das Dreifache erhöhte: Von 10.000 KWh/Jahr (1910 - 1916) auf 32.000 KWh (1922).

Der 1. Betriebsleiter Pollak hat sich im Mai 1918 um einen Posten als Werkführer bei der Bosnischen AG. für Holzgewinnung in Banja Luka beworben und kehrte nach Kriegsende nicht mehr zurück. Es wurde mit 1. 12. 1918 Blasius Mörtl als Betriebsleiter angestellt. Dieser war jedoch mit seinen Kenntnissen den Anforderungen der Betriebsleitung nicht gewachsen - er war aber ein gutmütiger Mensch. Wenig wohlgesinntes Publikum dichtete seinen Titel in "Betreibsliter" um. Er schied im Juli 1926 von seinem Posten und erhielt eine Stelle als Transformatorenwärter in Garsten, die er - soweit man hört - gewissenhaft versieht. Es folgt ihm in der Betriebsleitung Siegfried Oder [sen. Anm. A.K.], der durch seine Kenntnisse und Fähigkeiten sich die Hochschätzung sowohl seiner Vorgesetzten als auch der Kunden des E-Werkes sicherte. Er hatte die Betriebsleitung bis zur Übernahme des E-Werkes durch die Kraftwerke Oberdonau (1. 4. 1942) inne und führte dann das Installationsgeschäft in eigner Regie weiter.

In der Zeit unmittelbar nach dem Weltkrieg tritt eine allgemeine Preissteigerung ein, die die Leitung des E-Werkes nötigte, immer wieder den Strompreis zu erhöhen. Aus einem Schreiben des Prokuristen Dr. P. Bonifaz im März 1920 geht hervor, daß die Löhne beim E-Werk um 9.900 Kronen gestiegen waren. Es wurde auf Grund der Preissteigerungen eine Strompreiserhöhung für Licht- u. Kraftstrom um 20 Heller vorgesehen; es ergab sich ein Verkaufspreis von 1,-- Krone für Licht und 0,60 Kr. für Kraft.

Die an die Marktgemeinde Kremsmünster damals gelieferte Strommenge betrug:
24.000 KWh an Lichtstrom und
4.000 KWh Kraftstrom.
Preissteigerung und auch Stromverbrauch wurden rasch höher, im Herbst 1920 wurde die Lieferung an die Marktgemeinde geschätzt, wie folgt:
Lichtstrom 28.000 KWh
Kraftstrom 4.500 KWh
Die neuen Verkaufspreise waren für
Lichtstrom 1,80 Kr.
Kraftstrom 1,20 Kr.
Der Gesamtabsatz an Strom war Ende Dezember auf rund 75.000 KWh geschätzt. Im Juni 1921 wurde durch Dr. P. Bonifaz eine ungedeckte Mehrbelastung von 159.000 Kr. errechnet. Die Strompreise mußten im Vergleich zum Jänner 1921 auf das Doppelte erhöht werden. Sie waren nun für
Licht: 4,80 Kr.
Kraft: 3,00 Kr.
Sie mußten mit 1. Oktober 1921 neuerlich
für Licht auf 8,00 Kr.
für Kraft auf 6,00 Kr.
erhöht werden. Am 1. Mai 1922 wieder auf das Doppelte, auf 16,--, bzw. 12,-- Kr. Im Juli 1922 wurden die Löhne des Maschinenpersonals bereits mit 2,880.000 Kr. pro Jahr bemessen. Der Strompreis stieg mit 1. 7. 1922
auf 100,00 Kr. für Licht
auf 75,00 Kr. für Kraft
Mit 1. 9. 1922 waren die Löhne auf 9,000.000 Kr./Jahr angewachsen, der Strompreis betrug
720,00 Kr. für Licht pro KWh
540,00 Kr. für Kraft pro KWh
Trotz der labilen Geldverhältnisse wurden doch die notwendigen Wiederherstellungen nicht vernachlässigt; so wurde im Jahre 1923 eine Hälfte der Akkumulatorenbatterie erneuert mit einem Kostenaufwand von 79,000.000 Kronen, wobei die für das Jahr 1927 fällige nächste Erneuerung der Batterie mit 100,000.000 Kronen veranschlagt wurde.

Der Strompreis betrug ab 1. Okt. 1924 für Licht 2.000,-- Kr. Die E-Werke von Kirchdorf und Windischgarsten hatten denselben Preis, Bad Hall hatte 3.400,--, Stern und Hafferl noch 1.800,--, jedoch stand eine Preiserhöhung bevor.

Der Bedarf an elektr. Strom wurde inzwischen immer größer - mit März 1925 betrug der Jahres-Konsum bereits 85.000 KWh. Da in diesem Jahre der auf 15 Jahre abgeschlossene Stromlieferungsvertrag zwischen Stift und Marktgemeinde Kremsmünster ablief, trat sowohl für das Stift wie für die Marktgemeinde die aktuelle Frage heran: Soll der Vertrag erneuert werden, ist das Stift in der Lage, den Anforderungen nach Mehrbedarf an Strom gerecht zu werden?

Die 1. Frage wurde bejahend gelöst unter der Voraussetzung, daß die Strompreise des stiftlichen E-Werkes denen der anderen E-Werke unserer Gegend gleich gehalten werden. Für die Befriedigung des Strom-Mehrbedarfes wurde im Jahre 1925 von der Leobersdorfer-Maschinenfabrik ein Dieselmotor mit 50 PS angeschafft, der in einem Raum unter dem Apostelzimmer zur Aufstellung gelangte. Dadurch wurde mit der Leistungsfähigkeit des E-Werkes gleichzeitig auch die Betriebssicherheit erhöht. Die durch Erzeugung des Stromes auf kalorischem Wege sich ergebenden Mehrkosten kamen in der Weise herein, daß man auf die Errechnung des Durchschnittspreises die Preise von 4 verschiedenartigen E-Werken zu Grunde legte.

Im April 1925 war der Strompreis 2.200,-- Kr., ab 1.0kt. 1925 wurde ein Mittelpreis errechnet und zwar aus:
Licht Kraft
Windischgarsten 40 g 21 g
Stern & Hafferl 60 g 26 g
Steyrdurchbruch 36 g 18 g
Wels 50 g 28 g

Als Mittelwerte ergaben sich für Licht 46,5 g, für Kraft 23,2 g. Nach Abzug von 25 % für Licht, 10 % für Kraft und 50 % für Straßenbeleuchtung - waren die Preise f. d. Marktgemeinde für Licht 35 g, für Kraft 21 g, für die Straßenbeleuchtung 23 g pro KWh. Die Detailpreise wurden mit 45 g pro Licht und 30 g für Kraft festgesetzt.

Im Oktober 1926 waren die Preise von den genannten 4 Werken wieder eingeholt worden. Die Durchschnittspreise lagen etwas höher als im Vorjahr, sodaß die Marktgemeinde 40 g, 25 g und 27 g zu zahlen hatte, während die Detailpreise 53 g bzw. 33 g betrugen.

Den größten Anteil an den Betriebskosten stellte die sehr oft wiederkehrende Erneuerung der Akkumulatorenbatterie dar. Als die vollständige Erneuerung im Jahre 1933 wieder aktuell wurde, entschloß sich das Stift, die Akkumulatoren nicht mehr zu erneuern, sondern an ihrer Stelle einen Quecksilberdampf-Gleichrichter anzuschaffen. Es wurde hiezu ein Teil der "Einsetz" im Wällischgarten zum Maschinenraum umgestaltet, der 2. Teil zu einem Verkaufsladen ausgebaut und in den Wällischgarten hinein ein kleiner Anbau aufgeführt als Wohnung für den Betriebsleiter. Die Räume für die Zimmerleute [vgl. Coniferengarten] wurden dem E-Werk als Magazin zugewiesen, wogegen die Zimmerleute in die Reitschule übersiedelten.

Aus diesem Anlaß wurde mit den Öst. Kraftwerken (Öka) Linz ein Stromlieferungsübereinkommen abgeschlossen. Nach diesem wird von der Öka elektr. Energie bis zu 50 KW angemeldeter Leistung Dreiphasen-Wechselstrom von 50 Hertz und 10.000 Volt Spannung geliefert. Derselbe wird durch einen Transformator auf 500 Volt herabtransformiert und dann im Gleichrichter in Gleichstrom umgewandelt. Das Übereinkommen wurde auf rund 10 Jahre abgeschlossen - Ende desselben 1. 10. 1943.
Preise: Tagesstrom: bis zu 20.000 KWh, 6h - 22h 20 g/KWh
Mehrverbrauch über 20.0000 KWh/Jahr 7,5 g/KWh
Nachtstrom: 1. 4. - 30. 9. 22h - 6h 4 g/KWh
1. 10. - 31. 3. 22h - 6h 6 g/KWh
Gleichzeitig wurde eine Gebietsabgrenzung zwischen dem E-Werk Kremsmünster und der ÖKA vorgenommen. Es wurde neben dem bisher durch das E-Werk versorgten Gebiet auch das noch nicht mit El. Strom versorgte untere Schachergebiet dem E-Werk Stift Kremsmünster zur Versorgung zugewiesen.

Die Fortschritte in der Elektro-Technik in den ersten Jahrzehnten des 20. Jahrhunderts stellten an das E-Werk des Stiftes immer größere Anforderungen. Vor allem schien der Umbau der Stromversorgungsanlage von Gleichstrom auf Wechselstrom unvermeidlich. Der Firma ELIN wurde 1939 der Auftrag gegeben, ein Projekt auszuarbeiten. Der Umbau hätte die Investition eines Kapitals von etwa 120.000 RM. gefordert. Der Ausbau wäre allmählich im Verlaufe von mehreren Jahren durchgeführt worden - der Ausbruch des Krieges im September 1939 zerstörte jedoch die gemachten Pläne.

Der politische Systemwechsel brachte den größeren Kraftwerken den Vorteil, daß ihnen die städtischen und kommunalen Kraftwerke angegliedert werden konnten. Im Streben nach Vereinheitlichung der Elektrizitätsversorgung machten Vertreter der Öka dem Betriebsleiter und dem Prokuristen Dr. Richard Rankl gegenüber, der 1938 dem im Mai d. J. zum Abtkoadjutor von Admont bestellten Dr. P. Bonifaz Zölß im Amte eines Wirtschaftsdirektors des Stiftes und Prokuristen des E-Werkes nachgefolgt war, Äußerungen, daß sich das E-Werk des Stiftes auf die Dauer nicht mehr halten könne, da der Bedarf an elektrischer Energie allmählich so groß wird, daß ein so kleines E-Werk ihn nicht mehr zu decken vermag.

Tatsächlich standen aus der Wasserkraft von 50 PS und dem Diesel von 50 PS insgesamt 70 KW eigen erzeugte el. Energie zur Verfügung, wogegen der Gleichrichter 50 KW lieferte. Bei einer Erweiterung des E-Werkes - sei es durch Einbau eines 2. Gleichrichters, für den alles vorgesehen ist oder bei Umstellung auf Drehstrom durch Aufstellung von Transformatoren - wäre die Eigenerzeugung gegenüber dem Fremdstrom nur ein geringer Perzentsatz gewesen. Um so mehr, als das Rohöl für den Dieselmotor in der Kriegszeit kaum zu haben ist, bzw. nicht mehr verwendet werden darf.

Damit wäre das Verhältnis der Eigenerzeugung : Fremdbezug 37 : 100 oder 27 % des gesamten Umsatzes geworden und die volle Abhängigkeit von der Lieferfirma ÖKA [= Österreichische Kraftwerke Aktiengesellschaft] (KOA [= Neuer Firmenwortlaut: Kraftwerke Oberdonau Aktiengesellschaft]) gegeben gewesen.

Die Steigerung des Strombedarfes, besonders in den letzten Jahren läßt sich aus folgenden Zahlen ersehen:
Strombezug und Lieferung in KWh:
von ÖKA d. Turbine d. Diesel zusammen
1938 66.000 100.000 2.000 168.000
1939 85.000 153.000 5.000 243.000
1940 110.000 185.000 6.000 301.000

Die Stromlieferung an die Marktgemeinde in KWh
1934 50.000 KWh
1936 60.000 KWh
1938 66.500 KWh
1939 70.600 KWh
1940 83.300 KWh
1941 86.500 KWh

Der Geldbetrag für die Lieferung an die Marktgemeinde machte 1941 RM. 19.300,-- aus bei dem um 25 % ermäßigten Großabnehmerpreis für Licht RM. 0,27/KWh (Lichtstrom).

Als mit 3. 4. 1941 das Stiftsvermögen von Kremsmünster als volks- und staatsfeindlich beschlagnahmt und mit 25. 11. 1941 zu Gunsten des Reichsgaues eingezogen wurde, konnte die KOA um so leichter in den Besitz des E-Werkes gelangen.

Im Oktober 1941 traten die Vertreter der KOA mit der Kommissarischen Verwaltung des Stiftes Kremsmünster in Verhandlung wegen Übernahme des E-Werkes. In dem ausführlichen Schreiben vom 8. 11. 1941 wurde der Übergabe-Sachwert mit RM. 74.900,-- errechnet, der geringer ist als der Betrag für den Zinsendienst, für den Leitungsnetzumbau und Geräte-Austausch bei Übergang von Gleichstrom auf Wechselstrom. Hiebei wurde das 12 km lange Leitungsnetz mit 12.860,-- RM. bewertet (mittleres Anschaffungsjahr 1920, Nutzungsdauer insgesamt 33 Jahre - Rest 12 Jahre) für die der Marktgemeinde gehörige Freileitung (8 km) erscheint unter denselben Annahmen ein Betrag von RM. 8.030,--, wogegen von der Marktgemeinde das Netz kostenlos gegeben wurde.

Da auf der Grundlage der Berechnungen vom 8. 11. 1942 ein Verkauf nicht zustande kommen konnte, nahmen schließlich die Vertreter der KOA den Standpunkt ein, den sie gegenüber kommunalen E-Werken einnahmen.

Sie gaben pro PS eine Ablösung von RM. 1.000,--, wodurch ein Kaufpreis von 50.000,-- RM. gegeben war. Der Stiftsverwalter Ignaz Hager und die Gauselbstverwaltung, vertreten durch den Gaukämmerer Franz Danzer, stimmten dem Vorschlag zu. Es wurde mit 20. Februar 1942 der Kaufvertrag abgeschlossen. Mit 1. 4. 1942 geht demgemäß das E-Werk in das Eigentum der KOA über - der Kaufschilling von RM. 50.000,-- wurde mit 20. 4. 1942 an die Sparkasse Kremsmünster erlegt, das vorhandene Installationsmaterial wurde mit dem Sachzeitwert von RM. 26.065,-- durch die KOA abgelöst und an den bisherigen Betriebsleiter Siegfried Oder gegen 24 Monatsraten weiter verkauft.

Bis zur Vollendung des durch die KOA vorzunehmenden Umbaues auf Drehstrom werden die Räume des Stiftes mit el. Einrichtung weiterhin gegen einen Anerkennungszins zur Verfügung gestellt.

Die Verrechnung des Strombezuges auf das in der Gauselbstverwaltung verbleibende Stift Kremsmünster ausschließlich der übrigen Wirtschaftsobjekte erfolgt zum Sondertarif von 8 Rpf/KWh ohne Einhebung einer Grundgebühr.

Mit der Marktgemeinde Kremsmünster wurde von der KOA ein separates Abkommen getroffen; die KOA übernimmt das gesamte Freileitungsnetz und wird es beim Umbau von Gleichstrom auf Wechselstrom auf ihre Kosten erneuern. Sie wird auch die Instandhaltung des Leitungsnetzes für die Straßenbeleuchtung kostenlos durchführen.

Kremsmünster, den 1. Juni 1942


Quellen und Literatur:

HEINISCH, Ernst 2010: 100 Jahre Elektrizitätswerk Kremsmünster. Bericht von einer Spurensuche, in: Öffentliches Stiftsgymnasium Kremsmünster. 153. Jahresbericht, Kremsmünster, 69-82

RANKL, P. Richard 1942: Kurze Geschichte des E-Werkes, Typoskript im Stiftsarchiv Schachtel OEW 20, Mappe 20/1



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(c) P. Amand Kraml 2014-10-19
Letzte Änderung: 2014-10-25