Objekt des Monats

aus dem Museum der Sternwarte Kremsmünster

Juli 2010


Vakuumpumpe
Vakuumpumpe auf Holztisch
Gesamthöhe: 149 cm, Tisch: 58 x 70 cm, Pumpenhöhe: 73 cm, Pumpenbasis: 50 x 43 cm,
Zylinderlänge: 51 cm, Zylinderdurchmesser: 7 cm, Durchmesser des Antriebsrades: 43 cm
Eisen, Messing, Holz
Produktionsnummer: 347, Inv. Nr.: 12012610
Foto: P. Amand Kraml


Kolbenpumpe nach Gaede

Vakuumpumpe
Vakuumpumpe auf dem massiven Holztisch
Foto: P. Amand Kraml
Vakuumpumpe
Gravur am Pumpenzylinder:
347
E. Leybold's Nachfolger A.G.
Cöln und Berlin
D.R.P. (=Deutsches Reichspatent)
Foto: P. Amand Kraml

Versuche mit dem Vakuum galten schon, als die Sternwarte eingerichtet wurde, zu den besonders attraktiven Vorführungen. Die Zahl der alten Antliae, die unser Physikalisches Kabinett aufbewahrt, ist durchaus beachtlich. Einige davon wurden bereits als Objekt des Monats vorgestellt: April 1999 und Oktober 2007.
Diesmal geht es um ein wesentlich moderneres Gerät aus dem Jahre 1925. Es handelt sich um eine Gaede-Kolbenpumpe mit Handbetrieb, mit 3 Stufen, für einfache und Hochvakuum-Entladungsversuche, erreichbares Vakuum 0,0005 mm Hg ...660 RM, wie sie in Leybold's Katalog auf Seite 79 unter Nr. 1034 angeführt ist.

Wolfgang Gaede (1878-1945) war für die Entwicklung von Vakuumpumpen eine äußerst wichtige Persönlichkeit. Neben dieser mehrstufigen Kolbenpumpe erfand er auch 1905 die rotierende Quecksilberhochvakuumpumpe, die für die Elektronenmikroskopie so bedeutende Diffusionspumpe (1915) und die Molekularpumpe (1908). Auch das Gasballastprinzip bei Rotations-Vakuumpumpen geht auf diesen Techniker zurück. Gaedes Pumpen wurden seit 1906 von der Firma E. Leybold's Nachfolger in Köln gebaut (heute: Oerlikon Leybold Vacuum). Unsere Vakuumpumpe wurde von P. Thiemo Schwarz 1925 bei Leybold für den Unterricht im Gymnasium gekauft. Sie trägt die Produktionsnummer 347. Vermutlich bis 1964 war sie im Physiksaal in Betrieb (Rabenalt, 207). In den darauffolgenden Jahren kam die Pumpe, wie es für alle ausgemusterten Geräte des Physikunterrichtes immer üblich war, ins Physikalische Kabinett der Sternwarte.
Aus den erhaltenen Karteikarten der Sammlung erfahren wir, dass der Kremsmünsterer Tischler Eckerstorfer (Vater von P. Thomas) den massiven Holztisch anfertigte und dass durch Fritsch in Wels 1930 ein Motorantrieb mit Transmission angebaut wurde. Den Elektromotor - ausgebaut aus einem alten Staubsauger - schenkte dafür P. Leonhard Angerer. Diese Erweiterung ist nicht mehr erhalten. Eine Zeichnung davon findet sich aber auf der Rückseite der Karteikarte und ist hier wiedergegeben.

Vakuumpumpe


Quellen und Literatur:

ANONYMUS, 1929: Einrichtungen und Apparate für den Physikalischen Unterricht sowie für Übungen im Praktikum nebst Literaturangaben von E. Leybold's Nachfolger A.-G., Köln-Bayental

ANONYMUS, o. J. [1908?]: Sonder-Preisliste über Hoch-Vakuum-Apparate nach Dr. Gaede von E. Leybold's Nachfolger, Cöln a. Rhein

GAEDE, H., 1954: Wolfgang Gaede. Der Schöpfer des Hochvakuums, Karlsruhe

GAEDE, Wolfgang, 1915: Die Diffusion der Gase durch Quecksilberdampf bei niedrigen Drücken und die Diffusionsluftpumpe, in: Annalen der Physik 6, 357-392

RABENALT, P. Ansgar, 1965: Physikalisches Kabinett, in: 108. Jahresbericht Schuljahr 1965 Öffentl. Gymnasium der Benediktiner zu Kremsmünster, Wels


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(c) P. Amand Kraml 2010-10-23
Letzte Änderung: 2012-02-21