Julius Wiesner-Medaille
1893, Bronze, Durchmesser: 6,25 cm
Foto: P. Amand Kraml (199003040014)
Julius Wiesner Medaille
Julius Wiesner, Foto im Kustodiats-Archiv
(Detail)
Rückseite der Medaille
DEM
GEISTVOLLEN
FORSCHER
UND ALLGELIEBTEN
MEISTER
ZUM XXV: JÄHRIGEN
JUBILÄUM
ALS ACAD LEHRER
SEINE
DANKBAREN
SCHÜLER
Foto: P. Amand Kraml (199003040012)
Julius Wiesner wurde am 20. Jänner 1838 in Mähren geboren, war 1873 bis 1909 Professor für Pflanzenphysiologie an
der Universität Wien und starb am 9. Oktober 1916 in Wien.
Die hier vorgestellte Gedenkmedaille gestaltete Stefan Schwartz zum 25jährigen Jubiläum der Lehrtätigkeit von Prof. Wiesner und sie wurde diesem nach seiner Rückkehr aus Java am 24. Juni 1894 feierlich überreicht (BURGENSTEIN, 11)
Die Medaille gibt Anlass, etwas zur Beziehung von Gustav Tschermak zur Sternwarte in Kremsmünster aufzuzeigen.
P. Anselm Pfeiffer studierte 1874-1877 an der Universität für das
Lehramt aus Naturgeschichte.
Dort war Prof. Julius Wiesner sein Lehrer für Pflanzenphysiologie. Mit großer Verehrung sprach er zeitlebens von seinen
damaligen Lehrern.(ANGERER, 4)
Wie man sich den pflanzenphysiologischen Unterricht in der Zeit des Studiums von P. Anselm vorzustellen hat, wird
aus der Schilderung von Burgenstein deutlich, der davon berichtet, dass Wiesners Institut in einem Privathaus,
(1874-1884) in recht beschränkten Verhältnissen untergebracht war. (BURGENSTEIN, 7)
Pfeiffer belegte bei Prof. Wiesner im ersten Semester 1875/76 Allgemeine Botanik (3 Wochenstunden) und die Lehrveranstaltung über das Mikroskop und dessen Anwendung in der Pflanzen-Anatomie (1 Wochenstunde). Im darauffolgenden letzten Studienjahr folgten dann im ersten Semester
Pflanzenanatomische Demonstrationen und Übungen (3 Wochenstunden). (vgl. Anmeldungsbuch)
Prof. Wiesner schickte seine beiden Söhne Friedrich und Richard ans Kremsmünsterer Gymnasium.
Friedrich (1871-1951) kam 1888 hierher, um die 7. und 8. Klasse zu absolvieren, Richard (1875-1954) besuchte von der 4.
Klasse an (1891) das Gymnasium und maturierte 1896.
P. Franz Schwab erhielt durch Prof. Wiesner die Anregung, sich mit dem photochemischen Klima zu beschäftigen.
Bei einem Besuch Wiesners in Kremsmünster wurde P. Franz auf dieses Thema gestoßen. Wiesner unterstützte diese
Arbeit auch im Folgenden und P. Franz konnte 1902 sein Werk Über das photochemische Klima von Kremsmünster in den Denkschriften der
mathematisch-naturwissenschaftlichen Classe der kaiserlichen Akademie der Wissenschaften veröffentlichen. Er erhielt dafür 1904 den
Ignaz L. Lieben-Preis zugesprochen.
Anlässlich des Todes von P. Anselm schrieb Wiesner: Ein mit allen christlichen Tugenden geschmückter Priester, ein edler,
wohl wollender Mann, ein ausgezeichneter Lehrer und hochverdienter Naturforscher ist dem Stifte entrissen worden.
Ich beklage den Verlust eines meiner ältesten Schüler und eines ausgezeichneten,
wohl wollenden und anregenden Lehrers meiner Söhne (ANGERER, 19)
Auch als Spender der Sammlungen tat sich Prof. Wiesner hervor: Hofrat Dr. J. Wiesner brachte aus Java viele Objekte. (ANGERER, 6)
Genauer:
1894: Herr Hofrath Professor Dr. J. Wiesner
eine am k. k. naturhistorischen Hofmuseum in Wien determinierte Collection javanischer
Thiere: Bungarus semifasciatus, Tropidonotus chrysarus, Zamensis, Adeniophis
intestinalis; Varanus salvator, Ptychozoon homalocephalum, Calotes jubatus (2), Gecko
verticillatus (1 ad. 2 juv.); Bufo melanostictus, Ampullaria conica var. javanica (2),
Paludina javanica (8), Melania testudinaria (2); 205 Insecten in 103 Arten, darunter 68
Käfer, 58 Schmetterlinge, 6 Hautflügler, 2 Netzflügler, 18 Geradflügler und 53
Schnabelkerfe, 10 Spinnen in 3 Arten; 3 Pandinus indicus, 2 Telyphonus caudatus und 2
Krebse;
Dazu in den Anmerkungen (Nr. 24): Alle diese Objekte, welche ... sind Weingeistpräparate und stammen aus Java.
- Ich habe in 2 Briefen Herrn Hofrat gedankt.
Quellen und Literatur:
Anmeldungsbuch des Studierenden Pfeiffer Anselm aus Spital am Pyhrn Oberösterreich, Inscribirt in der philosophischen Facultät
der k. k. Universität zu Wien, Kustodiats-Archiv
ANGERER, P. Leonhard 1903: P. Anselm Pfeiffer, in: 53. Programm des kais. kön. Obergymnasiums der Benediktiner zu Kremsmünster für das Schuljahr 1903, Linz, 3-22
BURGERSTEIN, A. 1917: Julius Ritter v. Wiesner †, in: Verhandlungen der Zoologisch-Botanischen Gesellschaft in Wien, Bd. 67, Wien, 6-12
JOST, Ludwig 1908: J. Wiesner. Der Lichtgenuss der Pflanzen, in: Biologisches Zentralblatt, Bd. 28, Erlangen, 65-68.
LINSBAUER, Karl, LINSBAUER, Ludwig & PORTHEIM, Leopold R. v. 1903: Wiesner (Julius) und seine Schule. Ein Beitrag zur Geschichte der Botanik. Festschrift, Wien
LINSBAUER, Karl 1917: Julius von Wiesner, in: Mitteilungen des naturwissenschaftlichen Vereins für Steiermark, Bd. 53, Graz, 1-13.
MOLISCH, Hans 1916: Julius von Wiesner, in: Berichte der Deutschen Botanischen Gesellschaft Bd. 34, Jena, 1079 - 1099
RESLHUBER, P. Augustin, STRASSER, P. Gabriel, SCHWAB, P. Franz 1861-1904.: III. Tagebuch der Sternwarte, vom Juni 1861-1875 v. P. Aug. Reslh., 1875-1876 v. P. Gabr. Strasser b) 1895-1904 v. P. Franz, Manuskript, Direktions-Archiv, Kremsmünster
SCHAGERL, Brigitte 2012: Im Dienst eines Staates, den es nicht mehr geben sollte, nicht mehr gab, nicht mehr geben durfte.
Friedrich Ritter von Wiesner. Diplomat, Legitimist und NS-Verfolgter, Dissertation Universität Wien
SCHWAB, P. Franz 1904: Über das Photochemische Klima von Kremsmünster, 74. Band der Denkschriften der
Mathematisch-Naturwiss. Classe der kais. Akademie, Wien, 151-228
WIESNER J.: Untersuchungen über das photochemische Klima von Wien, Cairo und Buitenzorg (Java), in: Denkschr. d. Akad. d.
Wiss. Wien, m.-n. Cl. Bd. LXIV. Wien, 73-166.