Objekt des Monats

aus dem Museum der Sternwarte Kremsmünster

März 2016


Holzaufzug

Holzmodell eines Holzaufzuges
50 x 34 x 44 cm, Holz, Eisen
Inv. Nr.: 11091903
Foto: P. Amand Kraml


Modell eines Holzaufzuges

Unteres Häuschen mit Seilwindenwelle und den beiden unterschlächtigen Wasserrädern nebst den dazugehörigen Schleusen.
Foto: P. Amand Kraml
Oberes Häuschen mit Umlenkrolle
Foto: P. Amand Kraml

P. Franz Schwab gibt in seiner kleinen Arbeit über die Modelle der Sternwarte folgende Beschreibung:
29. Holzaufzug. 48 x 34 x 42 cm. Am obern Ende einer schiefen Ebene ist eine wenig geneigte Rolle, am untern eine Welle. Ein Seil geht um die Rolle und ist mit beiden Enden im umgekehrten Sinne um die Welle geschlungen. An jeder Hälfte des Seiles ist ein kleiner Rollwagen angehängt. Auf der Welle sitzen zwei unterschlächtige Räder. Jedes erhält durch eine eigene Schleuße, die zur andern entgegengesetzt liegt, Wasser. Öffnet man also eine Schleuße, so zieht das Seil den einen, etwa mit Holz beladenen Wagen hinauf, während der andere herunterkommt; schließt man diese Schleuße und öffnet man die andere, so tritt das Umgekehrte ein. Der obere und untere Arbeitsraum sind mit Hütten versehen.
P. M. K.
[= P. Marian Koller] 296. Modell der Aufzugsmaschine in Lambach.

In den Reisebeschreibungen des Salzkammergutes werden immer wieder zwei Holzaufzüge gleichsam wie technische Weltwunder geschildert. Der eine im Weissenbachtal - gebaut um 1720 - und der zweite im Aurachtal bei Pinsdorf. Die Bemerkung von P. Marian Koller, unser Modell sei das Modell der Aufzugsmaschine in Lambach hat uns in der letzten Zeit einige Rätsel aufgegeben. Gab es im Einzugsgebiet unseres Nachbarklosters wirklich so einen Holzaufzug und wo hätte der wohl stehen sollen? Das Studium einer ganzen Reihe von Reisebeschreibungen hat aber eines zu Tage gebracht: Von einigen Leuten wurde Langbath im heutigen Ebensee als Lambach bezeichnet 1). So schreibt Adolph SCHADEN in der zweiten Auflage seines Taschenbuches für Reisende 1833 auf Seite 127: Langbath jetzt Lambach, sonst auch fälschlich von dem nahen, durch die Traunbrücke getrennte Ebensee, im gewöhnlichen Leben Ebensee genannt, ist ein großes, einem Markte ähnliches, am südwestlichen Gestade des Sees gelegenes Dorf, und wird in Ober- und Unterlambach getheilt. Es besteht aus 155 Häusern mit 1614 Einwohnern. Das Merkwürdigste in Lambach sind die zwei Pfannhäuser ... Eine Verbindung zwischen dem Holzaufzug und der Ortsangabe findet sich auch bei SCHADEN, Seite 145: Der Zweck deer künstlichen Maschine [=Holzaufzug] ist, das Hallholz über eine schiefe, 42 Klafter haltende Höhe, mittelst Wägen, aufzuziehen, und in einer, eine Stunde langen, eigens dazu errichteten Wasserrise bis zur Pöllitzklause, in den Mitterweißenbacher Holztriftbach abzuschwemmen. Wir kommen nun wieder nach Lambach zurück...

Vielleicht kann so der Zusammenhang unseres Modells mit der Ortsbezeichnung Lambach aufgehellt werden.


1) Bei W. v. RALLY findet man (S. 34): Langbath (Lambath) gewöhnlich, obschon irrig, Ebenssee genannt, ... und in der Fußnote dazu: Die Nähe dieser beiden, nur durch die Traun getrennten Ortschaften hat das Ueberhandnehmen der Benennung Ebensee dermassen begünstigt, daß dieser Kollectiv-Name den eigentlichen Namen des Dorfes Langbath fast ganz verdrängt hat.


Quellen und Literatur:

ANONYMUS, [SCHWAB, P. Franz] o. J.: Die Modelle, MS, Archiv der Sternwarte-Direktion, o. O.

HOHN, Manfred 1989: Waldbahnen in Österreich, 2. Aufl. Wien

KLYLE, F. J. 1814: Rückerinnerungen an eine Reise in Oesterrich und Steyermark im Jahre 1810, Wien

LÖBKER, Gerhard 1848: Reisehandbuch für Salzburg, das Salzkammergut und deren Umgebungen, mit besonderer Berücksichtigung des Badeortes Ischl. Nach eigener Anschauung und den besten Quellen, Salzburg

MOLL, Carl Erenberg von 1829: Mittheilungen aus seinem Briefwechsel. Prodromus seiner Selbstbiographie, o. O.

PILLWEIN, Benedikt 1843: Geschichte, Geographie und Statistik des Erzherzogthums Oesterreich ob der Enns und des Herzogthums Salzburg. Mit einem Register, topographischen und genealogischen Lexikon nebst einer Kreiskarte, Neue Ausgabe, 2. Theil: Der Traunkreis, Linz

RALLY, W. v. 1841: Der Führer im Salzkammergute und auf der Linz-Gmundner Eisenbahn, Wien

SCHADEN, Adolph von 1833: Humoristischer Rößelsprung von München nach Partenkirchen, Innsbruck, auf den Ober-Sulzbacher-Venediger, und von dort über Reichenhall nach Salzburg ins Bad Gastein, und endlich nach der Oesterreichischen Schweiz, München
auch betitelt als:
SCHADEN, Adolph von 1833: Neuestes Taschenbuch für Reisende durch Bayerns und Tyrols Hochlande, dann durch Berchtesgaden und Salzburgs romantische Gefilde, nebst ausführlicher Beschreibung der Gastuna (Gasteins) und des Salzkammergutes; Als Fortsetzung seiner Beschreibung des Tegern- und Schlier-Sees, des Bades Kreuth, der Kaiserklause u. dgl. m., München

SCHAUBACH, Adolph 1846: Die Deutschen Alpen. Ein Handbuch für Reisende durch Tyrol, Oesterreich, Steyermark, Illyrien, Oberbayern und anstoßende Gebiete, Dritter Theil. Das Salzburgische, Obersteyermark, das Österreichische Gebirgsland und das Salzkammergut, Jena

SCHAUBACH, Adolph 1850: Handbuch für Reisende durch die Länder Salzburg, Obersteyermark, das Oesterreichische Gebirgsland und Salzkammergut, Jena

STEINER Johann 1820: Der Reisegefährte durch die Oesterreichische Schweitz oder das ob der ennsische Salzkammergut. In historisch, geographisch, stätistisch, kammeralisch und pitoresker Ansicht, Ein Taschenbuch zur geseeligen Begleitung in diesen Gegenden, Linz

WEIDMANN, F. C. 1834: Der Führer nach, und um Ischl. Handbuch für Badegäste und Reisende, Wien



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(c) P. Amand Kraml 2016-11-30
Letzte Änderung: 2017-03-01