Objekt des Monats

aus dem Museum der Sternwarte Kremsmünster

Februar 2010


Illingers Halbkreisgerät
Halbkreisgerät von Johann B. Illinger
Messing, Eisen, Weißblech, Glas
Tubusgesamtlänge incl. Okularstutzen: 124 cm, Tubusdurchmesser: 5 cm,
Objektivlinse (fehlt): 3,7 cm, Halbkreisradius: 19 cm
Foto: P. Amand Kraml


Halbkreisgerät von Johann B. Illinger

Halbkreisgerät in Lambach Halbkreisgerät in Lambach
Mathematischer Turm in Lambach
Ansicht von Süden
Foto: P. Amand Kraml
Mathematischer Turm in Lambach
Ehemaliges Observatorium
Foto: P. Amand Kraml

Halbkreisgerät in Lambach Halbkreisgerät in Lambach
Mathematischer Turm in Lambach
Beobachtungsraum aktueller Zustand
Foto: P. Amand Kraml
Mathematischer Turm in Lambach
Fotomontage: montiertes Halbkreisgerät
Foto: P. Amand Kraml

Halbkreisgerät
Gravierung am Halbkreis
AMANDUS ABBAS - LAMBACHCENS: MDCCLXXIX
Foto: P. Amand Kraml

Im Stift Lambach hat man - dem Zug der Zeit folgend - ebenfalls einen Mathematischen Turm erbaut. In einem Brief an Johann Bernoulli vom 23. Juni 1777 erwähnt P. Plazidus Fixlmillner diesen und schreibt, dass ein Konventuale des Stiftes in Wien bei P. Maximilian Hell in der Astronomie instruiert würde. Dieser Konventuale ist der nachmalige Abt P. Julian Ricci (1745-1812). Abt Amand Schickmayr (1716-1794) gibt die wichtigsten astronomischen Instrumente bei unserem Sternwartemechaniker Johann B. Illinger in Auftrag. Dieser verfertigt für Lambach 1776 einen Azimutalquadranten nach dem Vorbild unseres Quadranten von Georg F. Brander, 1778 ein parallaktisches Fernrohr und 1779 das hier vorgestellte Halbkreisgerät. Es wird auch als Instrumentum Culminatorium bezeichnet.
Da Ricci zum Abt gewählt wurde, waren die astronomischen Aktivitäten in Lambach wohl bald beendet.

Alois DAVID (1757-1836), Kanonikus des Prämonstratenser-Stiftes Tepel (Teplá) in Westböhmen, besuchte am 5. Oktober 1793 im Zuge seiner Reise zu geographischen Ortsbestimmungen durch Oberösterreich auch das Stift Lambach und gibt eine recht aufschlussreiche Beschreibung der dortigen Sternwarte:
Den 5ten Oktober reiseten wir nach Lambach einem Benediktinerstifte, um da das Observatorium, die Bibliothek, ihre merkwürdige Sammlung von Kupferstichen, ihre sogenannten Ufer am Traunfluße, den unweit davon gelegenen Traunfall, und die Salzniederlagen zu sehen. Wir verweilten einen ganzen Tag allda, und mußten dem ungeachtet die Abendstunden zu Hilfe nehmen, um uns mit diesen und den übrigen gewiß merkwürdigen Sachen bekannt zu machen. Das Observatorium wurde vor 16 Jahren unter der Leitung des verdienstvollen Astronoms Fixlmillner aus einem alten Thurme hergestellt; es ist zwar klein im Umfange, hat aber doch drey Stockwerke. Im ersten ist eine Elektrizitätsmaschine und Luftpumpe mit Zugehör; im zweyten optische Werkzeuge mit dem System des Kopernikus in horizontaler Stellung; im dritten das eigentliche Observatorium, wo ein jedes Plätzchen vortheilhaft benutzet worden. Es hat eine Mittagslinie, bey deren Oeffnung zugleich ein kleines Transiteninstrument angebracht, und im Dache ein Ausschnitt für die Beobachtungen im Zenith gemacht wurde. Der zwey bis dreyschuhige Quadrant wurde vom Künstler zu Kremsmünster verfertiget, auch ist ein kleines parallatisches [sic] Instrument vorhanden, ein sechs- bis siebenschuhiger dollondischer Tubus mit noch etlichen astronomischen Fernröhren sammt einer pariser Pendeluhr; zwey andere hat der Astronom noch in seinem Zimmer. Der Thurm endiget sich mit einem flachen Dache, auf dem man Fernröhre aufstellen, und bey einem angenehmen und fast ganz freyen Horizont nach allen Weltgegenden sehen kann. Ich hatte zwar meinen Sextanten mit, allein mir ward die Zeit zu kurz Beobachtungen damit anzustellen, welches ich aber dennoch würde gethan haben, hätte ich nicht vorausgesetzt, daß die Breite und Länge schon bestimmt sey, wovon mich der dortige Astronom, der sich noch mit vielen anderen Geschäften abgeben muß, versicherte, sie auch mitzutheilen versprach, welches aber bisher noch nicht geschehen. (David, 33-34)

In der Zeit, als P. Sigmund Fellöcker seine Geschichte der Sternwarte zusammenstellte, kaufte unser Abt die Instrumente von den Lambachern zurück. Interessant ist, dass Fellöcker angibt, wir hätten von Johann B. Illinger kaum noch Geräte erhalten. Die Geräte aus Lambach wurden also zur musealen Dokumentation erworben. Die Beschäftigung mit der eigenen Geschichte ist bei uns ein besonderes Charakteristikum. Es liegt natürlich nahe, wenn man unter anderem historische Sammlungen betreut, dass man auch die hier verwendeten Geräte zu sammeln beginnt, obwohl im Moment einer Neuanschaffung das alte Instrumentarium meist erst einmal im Weg ist oder man versucht ist, es zur Finanzierung des neuen einzusetzen. Fellöcker schreibt dazu: Leider hat sich kein einziges der Illinger'schen Werke, nicht einmal derjenigen, welche Fixlmillners eigenthühmliche Erfindung waren. so dass man sich von manchen, ... aus Mangel einer eingehenderen Beschreibung nicht einmal eine Vorstellung machen kann, an unserer Sternwarte erhalten. Da nämlich in neuerer Zeit der alte Beobachtungs-Saal, der sammt seinen Instrumenten schon längere Zeit ausser Gebrauch gekommen, als der geeignete Platz für die Gauss'schen Magnetometer erschien, mussten die alten Instrumente mit ihren grossen Eisenmassen den Platz räumen; und da die Anschaffung so mancher neuerer besonders physikalischer Apparate höchst wünschenswerth, die finanzielle Lage des Stiftes aber eine sehr missliche war: so wurde das Materiale der Instrumente, Messing und Eisen, zu Geld gemacht. Mag dieser Vorgang durch die Umstände gerechtfertigt sein, der Freund der Geschichte wird ihn immer bedauern. ... Durch denselben "Alten beim Hause" [Simon Lettenmayr] hörte ich auch die Vermuthung ausgesprochen, dass Johannes Illinger auch für die Sternwarte in Lambach einen Fixlmillner'schen Quadranten gebaut habe; bei persönlicher Nachforschung fand ich zwar nicht diesen; aber weit mehr als ich geahnt hatte. ... Und so wanderte denn - dieser wahre Schatz für die Geschichte der Astronomie und speciell unserer Sternwarte am 23. Mai 1864 wieder zurück an den Ort, von wo er vor nahe hundert Jahren ausgegangen. (Fellöcker, 63) Fellöckers Nachforschungen wurden dann auch auf die Archivalien in Lambach ausgedehnt und P. Pius Schmieder konnte dort die Rechnungen für die Instrumente finden: 1776. Dem Johann Illinger für einen astronomischen Quadranten bezahlt 500 fl. - 1778. Vor ein parallaktisches Instrument dem Johann Illinger nach Kremsmünster 150 fl.



Quellen und Literatur:

DAVID, Alois 1794: Geographische Breite des Stiftes Hohenfurt aus der Absicht bestimmt, um die Breite der Gränzen Böhmens mit Oberösterreich festzusetzen, Prag

EILENSTEIN, P. Arno 1936: Die Benediktinerabtei Lambach in Österreich ob der Enns und ihre Mönche, Linz;

FELLÖCKER, P. Sigmund 1864: Geschichte der Sternwarte der Benediktiner-Abtei Kremsmünster, Linz

KRAML, P. Amand 2012: Naturwissenschaften in Lambach im ausgehenden 18. Jahrhundert, in: Stift Lambach in der Frühen Neuzeit. Frömmigkeit, Wissenschaft, Kunst und Verwaltung am Fluss, Tagungsband zum Symposion im November 2009, hrsg. Klaus Landa, Christoph Stöttinger und Jakob Wührer, Linz, 327-340

FIXLMILLNER, P. Plazidus, Briefwechsel mit Bernoulli, Archiv der Sternwarte

HAINISCH, Erwin 1959: Die Kunstdenkmäler des Gerichtsbezirkes Lambach, Österreichische Kunsttopographie, Bd. XXXIV, Wien


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(c) P. Amand Kraml 2010-02-08
Letzte Änderung: 2017-12-15