Objekt des Monats

aus dem Museum der Sternwarte Kremsmünster

November 2004


Kasten im Zoologischen Kabinett

Eichenschrank, Höhe: 420 cm (Ohne Zierrat), Breite: 290 cm, Tiefe: 80 cm
Zierrat vergoldet mit Stiftswappen und Datierung 1879

Foto: P. Amand Kraml


Die Kästen im Zoologischen Kabinett

Einen enormen Aufschwung erlebten die zoologischen Sammlungen vor allem durch die Anstellung von Simon Lettenmayr jun. im Jahre 1806. Denn dieser Mechaniker der Sternwarte verstand sich vorzüglich auf das "Ausstopfen" von Tieren. 1809 begann er mit dem Ausstopfen von Vögeln, 1811 erlernte er die Präparation von Säugetieren in Wien.

So kam es, dass die zoologischen Sammlungen in der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts in ihrem damaligen Kabinett keinen Platz mehr finden wollten. Auch die Unterbringung der Kunstgegenstände passte nicht mehr wirklich ins Konzept der Sternwarte, die sich in ihrem musealen Bereich vom "Universalmuseum" hin zu einem naturhistorischen Museum entwickelt hatte. Die Objekte der Kunstgeschichte wurden also in die Räume der alten Abtei übersiedelt und der "Hohe Saal" im 4. Stock der Sternwarte wurde zum Zoologischen Kabinett.
Datierung
Stiftswappen (Detail) auf Kasten Nr. 1 mit Datierung (1879)
Foto: P. Amand Kraml

1879 wurden in der Stiftstischlerei 24 Kästen aus Eichenholz gefertigt. Davon sind 10 dreiteilig (290 cm breit - wie der abgebildete), 14 sind einfach (110 cm breit). Zudem wurden die vier Durchgänge, die vom Mittelteil in die Flügel des Saales führen, für Vitrinen genützt, wodurch acht kastenähnliche Verkleidungen notwendig wurden.
Die Einrichtung der neuen Kästen wurde P. Anselm Pfeiffer übertragen, der 1877 vom Studium der Naturgeschichte von der Universität Wien ins Kloster zurückkam. 1881 wurde dann das Amt des Kustos der Sternwarte eingerichtet. Bisher hatten meist die Assistenten der Sternwarte die naturhistorischen Sammlungen betreut. Ab diesem Zeitpunkt wurde nun das Kustodiat mit eigenen Kompetenzen eingerichtet.

In diesem Zusammenhang ist auch anzumerken, dass die Idee, die anlässlich der Jubiläumsausstellung im Jahr 1977 oftmals geäußert wurde, die Sammlungen derselben würden einer aufsteigenden Ordnung des Seins in den Stockwerken folgen, sicher nicht zu halten ist. Beschäftigt man sich nämlich mit der Verteilung der Kabinette und deren häufigen Wechsel von einem Stockwerke zum anderen, so wird man bald erkennen, dass hier - wie so oft - die Phantasie der hochtrabenden Gedanken ganz einfach mit den Autoren durchgegangen ist.
Gerade die Geschichte der Unterbringung der zoologischen Sammlungen ist bis zum Jahr 1879 recht interessant. Bereits im sogenannten "Museum Fratrum", dem Vorläufer der naturwissenschaftlichen Sammlungen fanden sich zoologische Objekte. Man kann sie wohl alle der Kategorie "Curiosa" subsummieren. Aber bereits der Kustos dieser Sammlungen, P. Eugen Dobler, verstand sich auf das Präparieren von Vögeln. Diese ausgestopften Vögel präparierte P. Eugen aber vorerst für die Abtei-Sammlung von Abt Ehrenbert Meyer. In der Sternwarte verwahrte man im 2. Stock in Laden nur einige Vogelnester und dazu Eier, wobei die Sammelstrategie wieder in Richtung abnormal geformter Eier ging.


Quellen und Literatur:

ANGERER, P. Leonhard, P. Anselm Pfeiffer, in: in: 53. Programm des kais. kön. Obergymnasiums der Benediktiner zu Kremsmünster für das Schuljahr 1903, Linz 1903, 3-22

FELLÖCKER, P. Sigmund, Geschichte der Sternwarte der Benediktiner-Abtei Kremsmünster, Linz 1864

SCHWARZENBRUNNER, P. Bonifaz. Materialien zu einer Geschichte der Sternwarte und der Sammlungen derselben, HS, Kremsmünster 1827, [Archiv der Sternwarte Bd. VII, XLV, Transkription P. Amand Kraml]



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(c) P. Amand Kraml 2004-11-10
Letzte Änderung: 2015-08-31