Objekt des Monats
aus dem Museum der Sternwarte Kremsmünster
Dezember 2000
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Fultograph Foto P. Amand Kraml
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Fultograph
"Der Bildrundfunk für Jedermann durch den Fultograph-Bildempfänger. An jeden Rundfunkempfänger anzuschließen!" So heißt es in der Beschreibung der Fultographen-Gesellschaft m.b.H. Austria.
Den Namen erhielt das Bildübertragungssystem von dem in Wien ansäßigen Kapitän Otho Fulto. Ursprünglich wurde die zu übertragende Abbildung auf eine mit lichtempfindlicher Schicht überzogene Kupferfolie kopiert. Fotos wurden dabei mit einem Linienraster gerastert. Das Bild tastete man dann elektromechanisch ab. In der Folge wurde für das Senden von Bildern eine optische Bildzerlegungsmethode angewandt. Ein Negativfilm wurde auf einen Glaszylinder gespannt. Innen wurde eine Fotozelle und außen eine Glühlampe mit Optik zur Bündelung des Lichtstrahls durch eine Leitspindel in achsialer Richtung zum Glaszylinder bewegt. Mit der früheren Sendeklischeemethode ließen sich 300 bis 350, mit der neueren Methode 700 bis 800 Bildpunkte in der Sekunde übertragen. So konnte ein Bild im Format 9 x 12 cm in ca. 4 min dargestellt werden.
Zur Übertragung der Stromstöße, die bei der Bildzerlegung gewonnen wurden, modulierte man die Trägerwelle des Senders mit einer Frequenz von 500 Hz, was das Mithören der Bildübertragung per Kopfhörer ermöglichte. Auch an eine Speicherung auf Schallplatte zur beliebig wiederholbaren Wiedergabe war gedacht.
Für den Bildempfang benötigte man einen normalen Radioempfänger, ein Gleichrichtergerät und den Bildschreiber, wie er oben abgebildet ist. Letzterer besteht aus einem Federantriebswerk, der Bildtrommel, dem Schreibmechanismus und einer Gleichlaufregelung.
Auf die Bildtrommel, einen hohlen Metallzylinder (L: 105 mm, D: 50 mm), wurde ein vorpräpariertes Papier aufgespannt. Entsprechend der Bildzerlegung muss bei der Bildzusammensetzung der Schreibstift eine schraubenförmige Linie auf das Papier schreiben. Die Spindel, die die Bewegung in axialer Richtung bewirkt, hat eine Gewindeganghöhe von 0.4 mm. Bei der Übertragung des Bildes wurde der Anodenstrom (1.8 mA - 2.5 mA) des Gleichrichtergerätes über einen Metallstift durch das mit einer Jodsalzlösung getränkte Papier und über die Metalltrommel geleitet. Das Schaltschema finden Sie auf einer eigenen Seite.
Nach den Angaben der Werbeanzeigen im "Radio Amateur" sendeten zuerst die Stationen Wien [581 kHz], Königswusterhausen [183.5 kHz] und Daventry [193 und 626 kHz] Funkbilder nach diesem System aus. Im September 1929 zählt die Reklame daneben noch Berlin, Paris, Budapest, Posen "usw. usw." auf. Zu dieser Zeit hatte die Fultograph Ges. m. b. H. in Wien bereits Schwester-Gesellschaften in Berlin, London und Kraukau und Vertretungen in Paris, Budapest, Belgrad und Oradea.
Die erste Bemerkung über die Verwendung eines Fultographen in Kremsmünster findet sich im 79. Jahresberichtes des Gymnasiums für das Schuljahr 1929 (S. 20): "Durch das besondere Entgegenkommen der Fultograph=A.=G. in Wien, war es möglich, den Schülern auch den Bilderrundfunkt vorzuführen."
Unser Gerät trägt - wie im Detailbild sichtbar - das "Typenschild" der Deutschen Fultograph Ges. Berlin, einer Schwester-Gesellschaft der Österreichischen Gesellschaft. Am Rand des Holzkastens ist die Nummer 1148 eingestanzt. In der Sternwarte wurde der Fultograph hauptsächlich zur Übertragung von Wetterkarten verwendet.
Werbeanzeigen der Fultograph Ges. m. b. H. in: Radio Amateur (ÖRA), Wien in den Heften: 1928/12, 1135; 1929/2, 149; 1929/3, 225; 1929/9, 780
A. A., 1928: Notizen: Die gründende Versammlung der Funktechnischen Gesellschaft, in: Radio Amateur (ÖRA), 1928, Folge 1, Wien, 62
A., A. o. J.: Der Fultograph Bild-Empfänger. Arbeitsweise und Gebrauchsanleitung, Wien
KLEEBINDER, 1927: Der Telektrograph. Das Bakersche Bildrundfunksystem, in: Radio Amateur (ÖRA), 1927, Folge 7, Wien, 515-518
NIEDERMAYR, F. 1929: Fernsehen und Bildübertragung. Bildfunksystem "Fultograph", in: Radio Amateur (ÖRA), 1929, Folge 3, Wien, 215-224
RANKL, P. Richard 1929: Das physikalische Kabinett, in: 79. Jahresbericht des Obergymnasiums der Benediktiner zu Kremsmünster für das Schuljahr 1929, Wels, 20
Kopien einiger Publikationen wurden uns dankenswerter Weise von Univ-Prof. Dr. Franz Pichler, Johannes Kepler Universität Linz, zur Verfügung gestellt.
(c) P. Amand Kraml, 2000-12-13