Die Beobachtung des Nordlichtes vom 24. und 25. Oktober 1870 durch P. Gabriel Strasser



P. Gabriel Strasser veröffentlichte als Astronom der Sternwarte von Kremsmünster seine Beobachtung in der Zeitschrift der Österreichischen Gesellschaft für Meteorolgie 1870.

(Kremsmünster. Nordlicht am 24. October.) Am 24. October um 6h Abends stellte sich ein Nordlicht ein, welches in Hinsicht der Dauer, Ausdehnung und Intensität zu den Seltenheiten gerechnet werden muss. Bei Beginn des Phänomens, welches sich plötzlich zeigte, betrug die horizontale Ausdehnung 83°, und obwohl von 15° Höhe an der Himmel ganz, mitunter dicht bewölkt war, so konnte man dennoch durch das Gewölke die Röthe durchleuchten sehen bis auf eine Höhe von 45° in der Richtung 20° westlich des Meridianes. Um eine Vorstellung des Durchleuchtens zu haben, braucht nur bemerkt zu werden, dass von Seite der Marktbewohner Feuerlärm gemacht wurde, obwol die Lage des Marktes derart ist, dass nur die Wolkengegend gesehen werden konnte. Die ganze Erscheinung begann 11° westlich des Meridians und erstreckte sich bis 4° über West. Bei Beginn war die Röthe in dem sichtbaren Theile ganz gleichmässig, 10m darnach veränderte sich die Erscheinung, indem bis auf 2 Hauptstellen, deren Röthe an Intensität zunahm, der übrige etwas verblasste. Die Lage der eben genannten Hauptstellen waren folgende, die östliche 62° westlich vom Pole, die westliche 2° nördlich vom Westpunkte. Bezüglich ihrer Ausdehnung an Höhe lässt sich nichts angeben, indem der obere Theil der Erscheinung von Wolken bedeckt war; in horizontalem Sinne waren sie fast gleich, jede von einer Ausdehnung von 8°. Die östliche, die stets an Intensität zunahm, so dass ihre Röthe durch eine dichte Wolkenschichte in einer Höhe von 39° noch ganz deutlich sich zeigte, bewegte sich langsam gegen West, so dass sie um 6h 30m um 15° westlicher als an der Ursprungsstelle erschien. Um 6h 38m erweitern sich die gerötheten Stellen, so dass um 6h 43m eine Breite von 74° gleichmässig geröthet erschien. Die westliche Anfangsstelle dieser Erscheinung war aber jetzt im Vergleiche mit jener des Beginnes um 10° gegen Süden vorgerückt. Um 6h 47m verblasst der westliche Theil, während die Intensität der Röthe auf den Raum von 58° westlich des Poles bis 80° sich concentrirt. Dabei bleiben die übrigen Stellen der ursprünglichen Erscheinung auffallend hell. Um 6h 52m beginnt sich wieder alles zu röthen, so dass 2m darnach die Intensität von 6h erreicht ist. Leider ist zu bedauern, dass um 6h 55m auch am Horizont eine 10° hohe Wolkenschichte erschien, so dass von dem Phänomen nur ein 6° hoher Streifen sichtbar bleibt. Von 6h 59m nimmt die Intensität des Lichtes stetig ab, bis die Erscheinung um 7h 10m fast ganz verblasst sich ausnimmt. Um 7h 17m beginnt der westliche Theil sich bedeutend zu röthen und hält bei 4m an. Bis 7h 28m, wo die oben genannten Hauptstellen sich wieder zu röthen begannen, war der sichtbare Theil weisslich beleuchtet. Um 7h 30m wurde der Himmel fast heiter, wobei sich zeigte, dass die Röthe der oben benannten Stellen nur bis 24° sich erstreckte. Gegen 7h 42m verliert sich die Röthe, die früher geröthete Fläche erschien in auffallend weissem Lichte. Um 7h 52m erschien im Westen eine 3° breite rothe Säule, die sich bis α Lyrae erstreckt, während gegen Nord hin alles weiss bleibt. Nach 10m verliert sich die Säule und der Nordwest-Himmel bleibt auffallend weiss beleuchtet. Gegen 8h 30m beginnt die frühere Gegend sich wieder zu röthen bis die Erscheinung um 8h 55m ihren Höhepunkt erreicht. In einer horizontalen Ausdehnung von 182° und zwar von 60° östlich vom Nordpol bis 122° westlich desselben erschien von 20° bis 50° Höhe der ganze Himmel blutroth gefärbt, so dass selbst die Gebäude erleuchtet waren. 8 Feuergarben gleichmässig vertheilt stiegen aus dem Roth empor, die höchsten bis in eine Höhe von 62°. Die Hauptsäulen waren folgende: eine im Westen, welche sich über α Lyrae erstreckte, die zweite ging von Nord über α Urs. min. hin, die dritte, die im Nordost sich zeigte, ging durch das Sternbild Cassiopeja durch. Diese enthielt 2 weisse Streifen ihrer ganzen Länge entlang. Um 9h 10m verblasste das intensive Roth mit Ausnahme des westlichsten und östlichsten Theiles, dafür erschienen 10 weissliche Säulen, die sich in der Gegend der Cassiopeja einander näherten, so dass der obere Theil einer Krone ganz ähnlich wurde. Diese Erscheinung, welche nur einige Secunden dauerte, erreichte eine Höhe von 73°. Die 3 oben angedeuteten Hauptsäulen, die auf einige Zeit verblasst waren, nahmen um 9h 14m an Intensität und Höhe zu, so dass sie in einigen Secunden die Höhe von 76° erreichten. Diese Höhe dauerte aber nur höchstens 15 Secunden.
Um 9h 27m war in der Mitte der Erscheinung alles verschwunden, nur 10° nördlich vom Westpunkte und 17° östlich vom Pole entfernt blieben rothe 4° breite Säulen in einer Höhe von 60°, wobei zu bemerken, dass in der östlichen ein schmaler weisser Streifen durch die ganze Säule sich zeigte. Diese Erscheinung hielt 5m an. Um 9h 34m verblasste der westliche Theil, während die östliche Säule an Intensität sich erhielt. Um 9h 40m begann auch diese zu verblassen, während die übrige Erscheinung schon fast ganz verschwunden ist. Um 9h 45m fing die westlichste Stelle sich wieder etwas zu röthen an, was aber nur 5m anhielt. Um 9h 50m erscheint der Himmel wie gewöhnlich. Obwohl noch um 11h und 11h 45m wiederholt nachgesehen wurde, konnte nichts weiter bemerkt werden, wesshalb man mit Recht behaupten kann, dass das Phänomen eine 4stündige Dauer voll von interessanten Abwechslungen hatte.

(Nordlicht am 25. October.) Dem Vortage ähnlich, welcher uns ein so glänzendes Schauspiel darbot, zeigten die magnetischen Variations-Instrumente auch am 25. October bei der Nachmittag-Beobachtung aussergewöhnliche Unregelmässigkeiten, wesshalb die Vermuthung einer Wiederholung des Phänomens berechtigt war. Diese Vermuthung erfüllte sich auch vollkommen. Schon um 6h 15m zeigten sich einige Grade von der Meridian-Richtung von Nord bis über das Zenith eine auffallende sich um diese Zeit. Die Zenithgegend behielt zwar eine etwas auffallende Helligkeit bei, ohne dass der andere Theil des Himmels besondere Merkmale darbot. Selbst um 9 3/4h, wo es bereits regnete, war die Zenithgegend noch heller, obwol an eine Messung der Umstände wegen nicht mehr gedacht werden konnte. Wäre der Himmel nicht so ungünstig gewesen, so dürfte dieses Phänomen das des Vortages an Glanz erreicht, wenn nicht übertroffen haben. sich um diese Zeit. Die Zenithgegend behielt zwar eine etwas auffallende Helligkeit bei, ohne dass der andere Theil des Himmels besondere Merkmale darbot. Selbst um 9 3/4h, wo es bereits regnete, war die Zenithgegend noch heller, obwol an eine Messung der Umstände wegen nicht mehr gedacht werden konnte. Wäre der Himmel nicht so ungünstig gewesen, so dürfte dieses Phänomen das des Vortages an Glanz erreicht, wenn nicht übertroffen haben. Kremsmünster am 27. October. G. Strasser.

Hr. Professor Strasser (Astronom der Sternwarte Kremsmünster) schreibt uns ferner: Es sind in diesen Berichten alle Phasen, insoweit es nur möglich war, dieselben aufzufassen, angegeben. Für den ersten Augenblick konnte dieses Vorgehen pedantisch erscheinen. Mich bestimmte aber dazu der bisherige Mangel einer sicheren Kenntniss des Zusammenhanges zwischen Magnetismus und Nordlicht. Ich glaubte, eine combinirte Beobachtung der Magnete und der Nordlichts-Phasen dürfte mit der Zeit zu einigen Aufschlüssen führen. Dies der Grund des Vorganges. Nach meinem unmassgeblichen Dafürhalten dürften sich auch wirklich einige Bemerkungen von selbst aufdrängen. Als am zweiten Tage der ganze Himmel, wenn auch ein grosser Theil des Effects dem Reflexe zuzuschreiben ist, als, sage ich, der ganze Himmel gleichmässig geröthet war, fand in dem Declinations-Instrumente nicht die mindeste Störung statt, während das Intensitäts - Instrument aus Rand und Band gekommen war, so dass ohne Beruhigung nicht eine Beobachtung zu machen war. Als jedoch die Röthe mehr nur Theile des Himmels erfasste, so änderte sich der Effect, das Unifilare fing zu wandern an, während das Bifilare sich etwas besänftigte. Selbst die Farben-Metamorphosen zeigten entschieden ihre Wirkung auf die Magnete. Eine genauere Vergleichung dürfte vielleicht noch weitere Folgerungen zulassen.




Die Beobachtung des Nordlichtes vom 4. Februar 1872 durch Abt Augustin Reslhuber




Nach vielen trostlosen Nebeltagen endlich am 4. Februar wieder einmal heiterer Sonnenschein; zur Belohnung für die lange Prüfung in der Geduld wurden wir am Abende durch das Erscheinen eines Nordlichtes erfreuet, wie ein ähnliches, was Pracht, Ausbreitung, Mannigfaltigkeit und Schnelligkeit der Veränderungen und Dauer anbelangt, in unserer Breite nicht leicht je einmal beobachtet worden ist; es fehlen die Worte, die grossartige Schönheit entsprechend zu beschreiben; ja es fehlte an Zeit, das Phänomen in seiner Totalität zu beobachten, denn nicht im Verlaufe von einigen Minuten, sondern binnen wenigen Secunden zeigten sich neue Erscheinungen an den verschiedensten Punkten des Gesichtskreises; Ueberraschung auf Ueberraschung; man wusste völlig nicht, wohin man das Auge wenden sollte, damit keine Bemerkung entginge; kaum drehte man sich um, zeigten sich wieder andere Bilder.
Bei vollkommen reinem Himmel erschienen bald nach 5h die ersten Spuren; bei zunehmender Dunkelheit trat das Nordlicht immer deutlicher hervor und war gegen 6h in voller Pracht ausgebreitet über den ganzen nördlichen Himmel und zeitweilig auch über das Zenith und im Ost und West in die südliche Himmelshälfte hinüberreichend.
Unter dem Pole war das dunkle Segment bis zu einer Höhe von 10 - 15° sehr deutlich ausgeprägt und mit einem weisslichgelben Lichtbogen umrahmt; es schien bei den brillantesten Phasen der Erscheinung sich zu erhöhen, dann wieder zu senken, erhielt sich aber bis gegen Mitternacht.
Ueber dem dunklen Segmente entwickelte sich das prächtigste Schauspiel am ganzen nördlichen Himmel mit den mannigfaltigsten schnell wechselnden Aenderungen; am beständigsten waren zwei hochgeröthete Stellen im NO, O und im NW,W, in und aus welchen hellrothe und gelbliche Strahlen bis zum Zenithe und über dasselbe hinüber auffuhren, kurze Zeit anhielten, um neuen Platz zu machen. Nahm eine der intensivst gerötheten Stellen an Lichtglanz etwas ab, so entwickelte sich im Zwischenräume mehr gegen oder unter dem Pole eine breite rothe Säule mit Strahlenentwickelung, deren Vorrücken von NO durch N gegen NW, und umgekehrt man sehr gut bemerken konnte.
Wenn die tiefer liegenden gerötheten Stellen an Farben-Intensität abnahmen, erhielten sich die aus ihnen aufgefahrenen rothen Strahlen durch längere Zeit im Zenithe in Form von feinen Federwolken, und gewährten einen äusserst lieblichen Anblick.
Es fehlte zur ganzen Vollkommenheit nur die sogenannte "Nordlichtskrone"; ohne Zweifel, weil nie gleichzeitig vom ganzen Nordhimmel, sondern nur partienweise Lichtgarben bis zum Zenithe und darüber hinaufreichten.
Sehr interessant waren auch die Vorgänge auf der Südhälfte des Himmels, die ganz heiter war und wie von hellem Mondlichte beleuchtet erschien. Plötzlich erschienen hie und da lichtgelbe Wolken mit röthlichem Lichtreflex vom Nordhimmel, verbanden sich zu einem mehrere Grade breiten Bogen, der sich vom SO bis gegen SW ausdehnte (Scheitelpunkt 60—70 Grade Höhe), dann sich langsam bis tief gegen S senkte und dort sich auflöste, ohne dass man ein Abziehen von Wolken nach irgend einer Richtung bemerkte.
Bald darauf begann dasselbe Schauspiel von Neuem, besonders wenn der Process auf der Nordseite recht lebhaft war; oft waren an verschiedenen Punkten solche Wolken plötzlich da, und verschwanden eben so schnell am Orte ihres Entstehens.
Das prachtvolle Phänomen dauerte bis Mitternacht, worauf allmählig Ruhe eintrat und nur eine helle Beleuchtung der Nordseite verblieb. —
Um 12h 30m Nachts wurde die weitere Beobachtung aufgegeben.
Die magnetischen Instrumente waren während dieser Vorgänge aus aller Fassung gerathen; ... Nachdem das prachtvolle Schauspiel vollendet, fiel der Vorhang und wir befinden uns seither bis zu dem Tage (13. Februar), an dem ich diesen Bericht vollendete, wieder im alten Nebel.
Reslhuber.




Die Beobachtung des Nordlichtes vom 4. Februar 1872 durch P. Gabriel Strasser




Interessant ist hier auch die Einführung dieses Beitrag durch die Redaktion der Zeitschrift - nicht dass sich da etwa der hochverdiente Herr Direktor irgendwie beleidigt fühlen könnte:
Dieser schon früher als Abdruck aus einem Journal eingesendete Artikel des Astronomen Herm Prof. P. Gabriel Strasser scheint uns trotz des vorausgehenden Berichtes des hochverdienten Directors der Sternwarte selbst zur Wiedergabe wichtig genug, da bei einem so vielseitigen und wechselnden Phänomen, wie das Nordlicht vom 4. Februar d. J., jeder aufmerksame wissenschaftliche Beobachter andere Seiten der Erscheinung aufdeckt.

Ich kann mich nicht erinnern, je ein so eigenartiges Nordlicht gesehen zu haben, obwohl ich schon vielfach derartige Erscheinungen in ihrem Verlaufe beobachtet habe. Es begann für unsern Ort um 5 3/4h Abends und endete erst um 12 1/2 Nachts. Der ganze Verlauf war so reich an Mannigfaltigkeit, dass es unmöglich ist, alle Einzelnheiten anzugeben, weshalb die wichtigsten Daten genügen müssen. Den Beginn machte eine auffallende Röthe, die sich bei 20° nördlich vom Ostpunkte in einer Höhe von 30° bemerklich machte und vollständig der Röthe eines Brandes glich. Nach Verlauf voneinigen Minuten erschien eine ganz ähnliche Röthe in der Nähe des Westpunktes, welche an Ausdehnung erstere übertraf. Bis gegen nahmen beide Erscheinungen an Breite ab, stiegen aber dabei bis an den Horizont nieder. Um 6 1/2h stiegen beide Säulen derart, dass sie sich vereinigten und einen Halbkreis bildeten. Dieser Halbkreis hatte auf der nördlichen Seite einen grünlichweissen Streifen, während in südlicher Richtung ähnlich den Fahnen einer Feder die Röthe sich ausdehnte. Auf dieser Entwickelungsstufe ward der südliche Himmel so schwarz, dass man meinen konnte, er wäre mit Wolken bedeckt, wenn nicht grössere Sterne z. B. Sirius oder α des Orion durchgefunkelt hätten. Innerhalb dieses schwarzen Raumes zeigte sich eine helle Stelle gegen SO, wie wenn eine dünne Wolke vom Nordlichte beschienen wäre, während ein ähnlich erhellter Streifen von beiläufig 35° Länge in der Richtung eines Parallelkreises aus deren Nähe sich gegen West erstreckte. Ein zweiter ähnlicher Streifen, ebenfalls parallel mit diesem und tiefer, war auf kurze Zeit sichtbar, während der früher bezeichnete geraume Zeit anhielt. Ganz ähnlich verhielt es sich am Nordhimmel. Bis auf eine Höhe von 25° war derselbe schwarz und erst über diese Höhe hinaus herrschte eine Helligkeit, wie sie sonst bei Nordlichtern in tieferen Stellen sich zu zeigen pflegt. Diese charakteristische Schwärze des Nord- und Südhimmels hielt in fast gleicher Stärke bis 8 1/4h an. Nach 6 1/2h rückten die beiden Hauptherde im Ost- und West etwas südlicher, während sich ihre Erstreckung im verticalen Sinne verkürzte, bis der westliche Hauptherd im Westpunkte anlangte, während der östliche fast den Ostpunkt erreichte. Diese oben bezeichneten Stellen blieben auch bis zum Ende der ganzen Erscheinung mehr oder minder geröthet, abgesehen davon, dass der westliche Herd nach 9h noch etwas südlicher sich ausdehnte, so dass um 9 3/4h der im SW gelagerte Nebel durch Reflex geröthet erschien. Um 7 3/4h Uhr veränderte sich der Westherd, er nahm die Gestalt eines 2 Grad breiten Bandes an, welches oben gefächert erschien. Die Gegend im Zenithe röthet sich auffallend und wird hie und da durch westliche Strahlen durchfurcht. Um 8h vereinigen sich die 3 Stellen und es erscheint wie früher ein Halbkreis, nur mit dem Unterschiede, dass der jetzige durch das Zenith geht, während der frühere fast in der Mitte vom Zenithe und Pole durchging. Ueberdies zeichnete sich dieser vor dem früheren durch seine grössere Farbenstärke aus, und man konnte auch gegen Süden gewendete westliche Strahlen aufblitzen sehen. In der That ein herrlicher Anblick im Gegensatze zur Schwärze des Südens und Nordens! Obwohl diese Erscheinung bis 8 1/4h anhielt, konnte man sich dennoch nicht satt sehen. Um 8 1/4h hatte die Erscheinung bis auf die beiden Hauptherde sich verloren. Diese beiden bezeichneten Herde erhielten sich geröthet bald mehr, bald minder, sowohl was Ausdehnung als auch Stärke des Lichtes anbelangt. Um 9h bot sich abermals ein interessantes Schauspiel dar. Der Ostherd schwächte sich derart ab, dass man die Röthe kaum bemerkte, während der Westherd an Lichtstärke zunahm, und als Säule von 3° Breite aufsteigend, fächerförmig gelblichweisse Strahlen gegen die Zenithalgegend aussandte. Gleichzeitig bildete sich im Zenithe eine Röthe, die sich gegen das Sternbild des Orion hin ausdehnte, so dass dieses Sternbild selbst, sowie auch Jupiter, die Zwillinge und der kleine Hund nur schwach aus dem gerötheten Grunde hervorleuchteten. Von diesem Herde aus, der im folgenden Verlaufe eine wichtige Rolle spielte, reichte ein weisser Strahl soweit, dass er sich mit einem Strahle des früher genannten Herdes in Form eines weissen schmalen Bandes vereinigte, welche Erscheinung wohl nur kurze Zeit dauerte. Die 3 bekannten Herde wechselten von jetzt ab an Stärke, so dass bald der eine, bald der andere den Sieg davon trug. Um 10 1/4h hatte der Ostherd weitaus das Uebergewicht an Stärke und Ausdehnung. Ein Theil davon löste sich los und es bildeten sich einige Grade östlich vom Meridiane in der Höhe von beiläufig 45° eine geröthete Fläche von ziemlicher Ausdehnung. Nach 10 Minuten erreichte die Erscheinung ihren Höhepunkt von Pracht. Der Herd, der zwischen den früher genannten Sternbildern sich gelagert hatte, sandte 5 Strahlen mit weisslichtem Lichte gegen den neugebildeten Herd, welcher gleichfalls ähnliche Strahlen gegen den früher genannten aussandte, bis sie sich gegenseitig vereinigten. So boten sich dem Auge von Süd gegen Nordost laufende weisse Streifen in der Länge von 70° bis 80° dar und zwar derart, dass sie im Süd- und Nordherde zusammenliefen. Auch ist zu bemerken, dass der Südherd im Verlaufe der Erscheinung gegen Süd sich scharf abgrenzte, wie wenn man die Wolke abgeschnitten hätte. Gegen 11h verlor sich der südliche Herd und der Südhimmel zeigte sich ganz rein mit seiner Sternenpracht, mit Ausnahme des Theiles am Gebirge, wo sich ein Nebel gelagert hatte. Gegen 11 1/2h verlor sich auch der nördliche Herd und es blieben nur die beiden ersteren Herde, welche nun in der Veränderlichkeit ihrer Stärke das Spiel fortsetzten, bis endlich gegen 12 1/2h auch sie ihre Wirksamkeit einstellten, weshalb man diesen Zeitpunkt als Grenzmarke betrachten kann.
Die in meinem Aufsatze mit dem Ausdrucke Westherd bezeichnete Röthe 1) erreichte in ihrer grössten Höhe 39° 20', von welcher Höhe der helle Streifen aufstieg, um sich mit dem des Südherdes zu verbinden, worauf dieser Streifen eine Länge von 28° 10' hatte und fast mit dem Aequator zusammenfiel. Die Breite des Westherdes betrug in ihrer grössten Ausdehnung 46° 25', wobei er fast in die Mitte des Ostpunktes zu liegen kam. Die tiefste geröthete Stelle des Nordherdes hatte die Höhe von 27° 30', die Röthung selbst erreichte die Höhe von 49° 45'. Sie nahm eine Breite von 25° 30' ein, so dass nur 3° davon westlich vom Meridian zu liegen kamen.
Von diesem Herde stiegen die angeführten Strahlen bis zu den Strahlen des Südherdes, nach deren Vereinigung sie eine Länge von 49° 20' hatten; sie liefen fast parallel mit dem Meridian, so dass sie nur um einen sehr spitzen Winkel nördlich gegen Ost abwichen. Der Südherd begann von Süden gezählt in einer Höhe von 56° und erstreckte sich bis 80° 45' bei einer Breite von 63° 36'. Diese Daten gelten für die Zeiten der höchsten Entwickelung der einzelnen Herde. Der Ostherd stieg vom Horizonte auf, was auch vom Westherde gilt und erreichte die Höhe von 53° 20', bei einer Breite von 31° 10'. Auch von ihm stiegen Strahlen empor, welche 30° Länge erreichten, abgesehen von jenen Momenten, wo die beiden Bögen sichtbar waren. Der erste Bogen gestaltete sich zu einem Höhenkreis, der 22° vom Aequator nördlich abstand; der zweite zu einem Höhenkreis, der seine Basis im West 5° südlich vom Westpunkte und im Ost 3° nördlich vom Ostpunkte hatte und durch das Zenith ging. Der südlichste weisse Streifen, der auf schwarzem Grunde sich zeigte, hatte im Süden eine Höhe von 35° und erstreckte sich gegen West wie ein Parallel-Bogen vom Meridiane des grossen Hundes in einer Länge von 42° 30'. Dies sind die wichtigsten Daten, die ich notirt habe. Es waren noch andere Streifen in den verschiedensten Richtungen bemerkbar, die ich aber leider nicht Zeit hatte genau zu notiren.
G. Strasser.

1) Spätere schriftliche Mitteilung des Autors







Quellen und Literatur:


RESLHUBER, P. Augustin 1872: Nordlicht am 4. Februar 1872, in Kremsmünster. Zeitschrift d. Österr. Gesellschaft für Meteorologie, 7, Wien, 91-92

STRASSER, P. Gabriel 1870: Kremsmünster. Nordlicht am 24. October, Nordlicht am 25. October, in: Zeitschrift d. Österrr. Gesellschaft für Meteorologie, 5, Wien, 567-571

STRASSER, P. Gabriel 1872: Nordlicht vom 4. Februar in Kremsmünster, zweiter Bericht, in: Zeitschrift d. Österr. Gesellschaft für Meteorologie, 7. Bd., Wien, 92-94

ANONYMUS 1870: Von Kremsmmünster wird uns geschrieben [Störungen an den Magnetometern bei Nordlicht 24. Oktober 1870], in: Zeitschrift d. Österrr. Gesellschaft für Meteorologie, 5. Jg., Wien, 525





Zurück zur Homepage
Objekte früherer Monate
(c) P. Amand Kraml 2025-08-02
Letzte Änderung: 2025-08-03