Brief von Alois David an Zach
veröffentlicht in den Allgemeinen Geographischen Ephemeriden


In einem Brief vom 7. August 1798 berichtet der Canonicus Alois David, damals Adjunkt der Prager Sternwarte, über seine Vermessungsarbeiten in Hohenfurth (Vyšší Brod), die ihn auch ins damalige Kremsmünsterer Haus in der Linzer Altstadt führten.
Den Bericht über Davids Besuch in Kremsmünster finden Sie als Objekt des Monats Juni 2017.

Aus einem Schreiben des Canonicus David, Adjuncten an der k. Prager Sternwarte.
Stift Hohenfurt , den 7 Aug. 1798.

Mit Bewilligung und Mitwirkung des Prälaten zu Hohenfurt Oswald Neumann reisete ich im halben Julius nach diesem Stifte, in der Absicht, um dessen geographische Länge zu bestimmen. Die Breite hatte ich schon 1793 mit meinem Bradley’schen Sextanten auf 48° 37' 14" bestimmt, und die zu diesem Ende angestellten Beobachtungen in meinem Werkchen bekannt gemacht unter dem Titel: „Geograph. Breite des Stiftes Hohenfurt etc. Prag 1794. ”
Für die heurigen Beobachtungen habe ich nebst dem Sextanten und der Müller’schen Pendeluhr, die ich in meiner Abhandlung über Schluckenau beschrieben, auch den Chronometer der kön. Böhm. gelehrten Gesellschaft der Wissenschaften, von Emery in London verfertiget, mitgenommen. Da mir bis zu den Bedeckungen im August noch einige Zwischenzeit übrig blieb; so besuchte ich den Astronomen Derflinger zu Kremsmünster, prüfte da auf der Sternwarte in Gemeinschaft mit ihm den Chronometer, der am 24, 25 und 26 Jul. im Mittel nur eine Secunde gegen die mittlere Zeit später ging. Am 27. ward der Chronometer nochmahl mit der Pendeluhr verglichen; worauf ich Nachmittags nach Linz zurück reisete.
Damit dieser unterwegs seinen Gang nicht änderte, gaben mir zur Vorsicht die Mitglieder dieses um die Wissenschaften so verdienten Stiftes einen Wagen, der so vortrefflich hing, dass die grössten Stösse nur wenig zu spüren waren, folglich auf die Uhr, die ich noch dazu beständig in der Hand hielt, keine merkliche Wirkung machen konnten.
Zu Linz kehrte ich im Stiftshause von Kremsmünster ein, das am Fusse des Schlossberges liegt, und wurde da vom Bibliothecar des Lyceums, Lukas Fuchsjäger, sehr freundschaftlich aufgenommen und mir zur Beobachtung der Sonnenhöhen alle nöthige Gelegenheit eingeräumt. Zu Linz ging der Chronometer am 28. Jul. später als mittlere Zeit 1' 13,6"; zu Kremsmünster hatte er gezeigt 0’ 37,5". Linz liegt daher in Zeit um 36" östlicher als die Sternwarte zu Kremsmünster und hat geographische Länge 31° 56' 30". Diese ist bis auf die 30" eben dieselbe, welche ich 1793 gefunden. (Geograph. Breite von Hohenfurt S. 26). Mit der verbesserten Breite für Linz 48° 19' erhielt ich in der eben angeführten Stelle nach den Angaben des berühmten Fixlmillner für diesen Unterschied in Zeit 38 '. Wer die Unterschiede kennt, die sich auch aus gut beobachteten Sternbedeckungen ergeben, der wird meines Erachtens Ursache haben, mit dieser Uebereinstimmung auf 2" zufrieden zu seyn.
Aus sieben Sonnenhöhen um die Mittagszeit, welche gut übereinstimmen, erhalte ich im Mittel die Breite für Linz 48° 18' 54"; Mittagshöhe allein gibt diese nur um 5" grösser; folglich in abgekürzten Zahlen 48° 19'. Im Jahr 1793 beobachtete ich nicht in Linz selbst, sondern oberhalb dieser Stadt im Stifte Willering an der Donau, dessen Breite ich auf 48° 19’ 29" ansetzte, (Breite von Hohenfurt S. 24) Den Breiten-Unterschied zwischen Willering und Linz schätzte ich ohngefahr nach dem Augenscheine und darauf nach der Vischer’schen Karte von Oberöstreich. Ich sehe nun mit Vergnügen, dass ich mich durch meine damahlige Beobachtung und Schätzung der Wahrheit so viel genähert habe, als wenn ich in Linz selbst beobachtet hätte. Diese Uebereinstimmung meiner Angaben ist mir deswegen sehr angenehm, weil dadurch mein Urtheil über die Linzer Breite, welche der berühmte Kepler auf 48° 16' festsetzte, vollkommen bestätiget wird, und eben dadurch jeder Verdacht einer unberechtigten Anmassung von selbst wegfällt.
Der k. k. Astronom Triesnecker setzt in seinen Ephemeriden 1798 die Breite von Linz auf 48° 18’ 46"; die Länge aber in Zeit 8' 24" westlicher als Wien. Nimmt man an, dass die Sternwarte zu Kremsmünster in Zeit um 9' westlicher liege (A. G. E. März S. 287. 292.); so ist Linz östlicher als Kremsmünster 36"; welches gerade der Längen-Unterschied ist, den ich durch Hülfe des Chronometers gefunden. Zu dieser Angabe führte (so viel mir bekannt) den k. k. Wiener Astronomen eine Seite eines Dreyecks, welche Liesganig bis Linz verlängerte.
Nach Erwägung aller dieser Resultate und ihrer unbeträchtlichen Unterschiede, kann man sicher annehmen; dass die geographische Lage von Linz, als der Hauptstadt von Oberöstreich, so zuverlässig bestimmt sey, als man sie zum geographischen Gebrauche nur immer nöthig hat.


Quellen und Literatur:

DAVID, Alois 1794: Geographische Breite des Stiftes Hohenfurt aus der Absicht bestimmt, um die Breite der Gränzen Böhmens mit Oberösterreich festzusetzen, Prag

DAVID 1798: Aus einem Schreiben des Canonicus David, Adjuncten an der k. Prager Sternwarte, in: Allgemeine Geographische Ephemeriden. Verfasset von einer Gesellschaft Gelehrten und herausgegeben von F. von Zach, II. Bd., Weimar, 265-267



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