P. Laurenz Doberschiz besuchte die berühmte Physikerin Laura Maria Caterina Bassi (1711-1778) bei seiner Romreise am 24. Sept. 1765 in Bologna und berichtet darüber:
"... ich selbst habe ihm was weniges zu lösen geben, denn da ich die selige Catharina von Bonnonien einmal sahe, so lauerte ich darauf noch eine andere Catharina von Bononien, von welcher ich schon Vieles in Deutschland hörte, von Person lebendig kennen zu lernen; Ich machte mich heimlich unsichtbar von meiner Compagnie, und der deutsche Anführer mußte mich zu ienem Hause bringen, wo sich das finden liese, was ich suchte, eine Rarität nämlich, die obschon nicht so kostbar, doch gewis seltsamer denn eine Heilige unter den weiblichen Geschlecht zu halten ist, denn Mulierem doctam quis inveniet? und ich habe sie doch wirklich gefunden. Es war die berühmte Bonnoniensische Doctorin Catharina Laura Bassi de Bati.. Sie hat einen Medicus zu ihrem Gemahl, ich wurde sogleich in einem schönen Audienzzimmmer, wo viele mathematische Instrumenten in Parade standen vorgelassen, und mit großer Höflichkeit empfangen. Nachdeme wir uns lange Zeit italienisch von verschiedenen Dingen besprachen, fingen wir endlich an miteinander lateinisch zu reden, und ich hatte mich genug zu fuxen ihr in Reden gewachsen zu seyn, ia sie truge sich selbst dazu an, denn sie merkte wohl, daß ich kein geborener Welscher wäre, und redete so unvergleichlich schön geschwind, und zierlich, daß ich es von einem Manne sobald nicht gehöret. Soviel ist gewis, daß sie es allen Männern in Welschland, mit denen ich redete bey weiten habe abgewonnen, denn die Welschen überhaupt, auch die Geistlichen sind elende Lateiner, wenigstens ist ihre Zunge schlecht gelöset, und geschliffen, um geschwind und ohne vielen Böcken lateinisch zu reden. Ich erkühnte mich eine kleine Probe von ihrer Wissenschaft zu machen, und fragte, wie Cassini es habe können zuwege bringen, die Höhe der Kirche von dem Boden bis in den focum incidentiae zu messen. Die Frag war kaum geschehen, so ward ich schon mit der Antwort abgefertiget, die in einer ganzen Explication bestande, und von ihr so bündig vorgetragen wurde, daß ich deutlich merken mußt, ihre Wissenschaft in der Meß- und Sternenkunst müsse gar nicht seicht bestellet seyn. Sie sagte nämlich anfangs mit kurzen, es sey alles methodo simplicissima per triangula secundum regulas Eustachii Manfredi Astronomi huius Universitatis geschehen, der diese Meridionallinie corrigirte, und dessen Successor Eustachio Zanotti ist, welcher die Ephemerides von dem Jahre 1763 bis 1774 in Druck herausgegeben, und bei Lelio alla volpe in Bononien um einen Zeginn zu haben sind, wie ich sie auch kaufte, aber diesen Dugaten hätte ich leicht ersparen können, denn der mathematische Thurn zu Cremsmünster, deme ich glaubte dadurch einen Dienst zu leisten, war schon eher damit versehen." (Iter Romanum, 90-92)


Quelle:

DOBERSCHIZ, P. Laurenz 1765: Journal oder Tägliche Beschreibung iener Reise, welche in dem Jahre 1765 den 4. Sept. nach Rom und den Berg Caßin mit Erlaubniß der Oberen angetretten, und den 18. Nov. mit Gott auch glücklich vollendet hat P. L. D. P. C., CCn 299

Literatur:

CERANSKI, Beate 1996: "Und sie fürchtet sich vor niemandem". Die Physikerin Laura Bassi (1711-1778) - Geschichte und Geschlechter (Hrsg. Bock, Gisela, Hausen, Karin & Wunder, Heide) Bd. 17, Frankfurt/New York

KLEINERT, Andreas o. J.: Maria Gaetana Agnesi und Laura Bassi - zwei italienische gelehrte Frauen im 18. Jahrhundert [Internetpublikation]



Copyright: P. Amand Kraml, Sternwarte Kremsmünster, 2002-09-23
Letzte Änderung: 2021-09-16