Hofrat Dr. P. Ansgar Rabenalt


10. Direktor der Sternwarte Kremsmünster 1947-1994
zum Gedenken

von P. Amand Kraml


P. Ansgar Rabenalt
P. Ansgar Rabenalt bei seinem 60.
Priesterjubiläum im Juli 1994
Foto: P. Amand Kraml
Am 17. März 1911 wurde P. Ansgar in Semmering geboren und erhielt in der Taufe den Namen Lothar. Seine Eltern, Sidonie und Johann, geb. Setecska, waren beide Lehrer in Semmering. 1921 bis 1929 besuchte er das humanistische Gymnasium im Stift Kremsmünster, wo er am 16. August 1929 ins Noviziat eintrat. 1930 und 1933 legte er die einfache und die feierliche Profess ab. Sein Theologiestudium als Vorbereitung zur Priesterweihe (Linz, 29. Juni 1934) absolvierte P. Ansgar am Pontificio Ateneo S. Anselmo in Rom. Im Herbst 1934 begann er dann in Wien das Studium der Mathematik und Physik. Dies schloss er 1937 mit dem Lehramt aus Mathematik und Physik und dem Doktorat aus Physik ab.
Die politischen Umstände erlaubten eine Anstellung an unserem Gymnasium nicht. P. Ansgar wurde als Assistent zum Kustos der physikalischen Sammlungen an der Sternwarte bestellt. Nachdem aus einer Berufung an die Ordenshochschule in Rom nichts wurde, ging er in die Vereinigten Staaten, um zuerst am St. Martin's College in Lacey (heute Olympia) Wash. von 1939 bis 1943 Chemie, Mathematik und Physik, dann von 1943 bis 1945 an der Preparatory School St. Mary's in Newark, N.J. die gleichen Fächer zu unterrichten. Am 19. April 1947 verstarb in Kremsmünster der Sternwartedirektor P. Thiemo Schwarz und auch das Gymnasium stand wieder unter der Leitung der Benediktiner von Kremsmünster, sodass nun auch für P. Ansgar ein reiches Betätigungsfeld gegeben war. Abt Ignatius Schachermair rief ihn aus den USA zurück und bestellte ihn zum Direktor der Sternwarte und zum Professor für Mathematik, Physik und Chemie.
Seine Tätigkeit in unserer Schule von 1947 bis 1980 war eine sehr erfolgreiche. Sein besonderer Eifer galt der Erneuerung der Gerätschaften für den Physikunterricht. Für viele Gymnasiasten war P. Ansgar ein väterlicher Freund. 1970 wurde er von Abt Albert zum Gymnasialdirektor ernannt. Dieses Amt hatte er bis 1976.
Dass neben diesem großen Einsatz in der Schule doch auch noch Zeit und Kraft für die Belange der Sternwarte blieben, zeugt von der Gesundheit und der Tatkraft, die P. Ansgar bis in seine letzten Jahre ausgezeichnet haben. Seiner Fähigkeit, mit den verschiedensten Personen in Kontakt zu treten und zu bleiben, verdankt unsere Sternwarte eine Reihe von Freunden und auch Gönnern.
Am 29. April 1958 wurde der große Astronomische Saal, der lange Zeit den magnetischen Beobachtungen diente, als ein astronomisches Museum in seiner heutigen Form eröffnet. Das Schicksal der astronomischen Betätigung in unserer Sternwarte war besiegelt. Sie fand in der Schleifung des Meridianhauses 1977 nur noch ihren traurigen Schlussstrich.
Dafür fällt aber in die Zeit des Direktorats von P. Ansgar die umfangreiche Restaurierung des Gebäudes und die Erneuerung des musealen Bereichs für die Landesausstellung im Jubiläumsjahr 1977. P. Ansgar erkannte die Bedeutung der meteorologischen und seismischen Beobachtungen und lenkte die Aktivitäten der Sternwarte vor allem in diese Bereiche. Als Beispiele dafür seien die Aufstellung neuer Seismographen (1958 und 1973), die Anschaffung eines Feldstärkeschreibers für die Luftelektrizitätsmessung (1967), die Installation eines Windböenschreibers (1983), der Beginn der chemischen Analyse des Niederschlages (1983) und vor allem die Automatisierung der Wetterdatenerfassung mit Hilfe der TAWES/TAKLIS (1987) genannt. In guter alter Tradition pflegte P. Ansgar die Zusammenarbeit mit der Zentralanstalt für Meteorologie und Geodynamik in Wien und deren Regionalstellen. Vieles von den Kremsmünsterer Wetter- und Klimabeobachtungen wurde bearbeitet und publiziert, vieles in mühevoller Arbeit für wissenschaftliche Bearbeitungen zugänglich gemacht. Dies wurde ihm von öffentlicher Seite durch verschiedene Ehrungen gedankt. Bis zuletzt galt sein Interesse einer Gegenüberstellung historischer und aktueller Ozonkonzentrationsmessungen. Mit der ihm eigenen Akribie setzte er alles daran, wieder eine Messvorrichtung dafür zu bekommen. Auch die Bedeutung unseres Mathematischen Turmes für die Wissenschaftsgeschichte war P. Ansgar klar bewusst. Gerade er litt besonders darunter, dass seine Möglichkeiten nicht ausreichten, alle diesbezüglichen Anfragen zu befriedigen. Sein Verdienst ist es, durch die Herausgabe verschiedener wissenschaftlicher Arbeiten unsere Sternwarte mit ihrer ein Vierteljahrtausend währenden Tätigkeit ins Blickfeld der Geschichte der Naturwissenschaft gerückt zu haben.

Schriften:

1. Über Maxima und Minima in der Differentialrechnung, MS, Matura-Hausarbeit, Kremsmünster, 1929.

2. Ceremoniale in usum Novitiorum, Noviziatsarbeit, MS, Kremsmünster 1929/30.

3. Systeme von linearen totalen und homogenen partiellen Differentialgleichungen, MS, Hausarbeit für die Lehramtsprüfung aus Mathematik, Wien 1937.

4. Über den Zusammenhang von Farbton, Helligkeit und Sättigung gefärbter Lösungen mit der Konzentration, Diss. Wien 1937.

5. Die Sonnenuhrensammlung der Sternwarte Kremsmünster, in: Jahresbericht des Gymnasiums Kremsmünster, 1955 (98) 11-60.

6. Wetter und Wettervorhersage, in: St. Pöltner Diözesankalender 1958, St.Pölten (1957), 54-62.

7. Geschichte der Sternwarte von Kremsmünster, in: Jahresbericht des Gymnasiums Kremsmünster, 1958 (101) 7-27.

8. Temperatur und Niederschlagsverhältnisse von Kremsmünster in den Jahren 1901 bis 1950, in: Jahresbericht des Gymnasiums Kremsmünster, 1958 (101) 29-78.

9. Fixlmillner, Placidus, in: Neue Deutsche Biographie, 5. Band 1961, 219.

10. Zur Geschichte der Sternwarte Kremsmünster. Zur Wetterchronik von Kremsmünster, in: Wetter und Leben 1964 (16) Heft 9-10,177-183.

11. 1976 - 1977 - 1978 Briefwechsel von zwei berühmten Männern, in: Jahresbericht des Gymnasiums Kremsmünster, 1977 (120) 183-244.

12. P.Placidus Fixlmillner, erster Direktor der Sternwarte Kremsmünster, in: Kulturzeitschrift Oberösterreich 1977 (27) Heft 3, 21-22.

13. Physikalisches Kabinett/VII/3, in: 1200 Jahre Kremsmünster. Stiftsführer, Linz 1977, 255-265.

14. Astronomisches Kabinett/VII/6, ebd. 308-318

15. P.Eugenius Dobler OSB und Kremsmünster, in: Studien und Mitteilungen zur Geschichte des Benediktiner-Ordens und seiner Zweige, 1982 (93) 959-1009.

16. Scientific Instruments in the Astronomical and Physics Cabinet of the Benedictine Monastery Kremsmünster, Vortrag bei: 3. International Scientific Instrument Symposium in München 29.9.1983, vervielfältigt im Symposiumsprogramm als Paper 25, 6 S.

17. Briefe Georg Friedrich Branders, mechanici in Augsburg an Placidus Fixlmillner OSB 1. Direktor der Sternwarte von Kremsmünster. Ein Beitrag zur Gründungsgeschichte des "Mathematischen Turmes" von Kremsmünster, Jahresbericht des Gymnasiums Kremsmünsters, 1985 (96) 144-195.

18. Astronomische Forschung im 18. Jahrhundert in Kremsmünster. Zu den ersten Berechnungen der Bahn des Uranus nach dem Briefwechsel zwischen Placidus Fixlmillner O.S.B, und Maximilian Hell SJ. (1771-1790), in: Mitteilungen des Oberösterreichischen Landesarchivs, 1986 (15) 93-216.

19. Die Sternwarte Kremsmünster heute. I. Gründung und Gegenwart der Sternwarte, in: Kulturzeitschrift Oberösterreich, 1987 (37) Heft 3, 29-35.

20. Anselm Desing an H. Probst Franciscus in Polling mit Beschreibung und Plan des Observatoriums zu Kremsmünster worin die Geschichte desselben angegeben, in: Studien und Mitteilungen zur Geschichte des Benediktiner-Ordens und seiner Zweige, Jg. 1990, Bd. 101, St. Ottilien, 103-120

21. P.Aegid Everard de Raitenau: Ordensmann und Mathematiker (1605-1675) in: Mitteilungen der Österreichischen Gesellschaft für Wissenschaftsgeschichte, 1992 (12) Heft 3-4, 113-121.

22. Für den Sternenfreund, monatliche Beiträge im Linzer Volksblatt von 1952 bis 1956.

Für viele Kalender lieferte P.Ansgar bis zum Jahre 1995 den astronomischen Grundkalender und versch. kleinere Beiträge.


vgl.: Kraml, P. Amand, Hofrat Dr. P. Ansgar Rabenalt, 10. Direktor der Sternwarte Kremsmünster 1947-1994 zum Gedenken, ADV-Berichte Nr. 28, Februar 1995, Kremsmünster 1995, 29-31


(c) P. Amand Kraml, 2003-02-17
Letzte Änderung: 2017-08-12