Beobachtung der Sonnenfinsternis beim Kreuzestod Jesus:

Aus dem VII. Brief des Dionysios Areopagita an Polykarpos, den Bischof


... Dann stelle ihm doch die Frage: was ist von der Sonnenfinsternis zu halten, die - wie jeder weiß - im Augenblick der Kreuzigung unseres Heilandes überall beobachtet werden konnte? Damals befanden wir beide uns in Heliopolis und gerade in Gesellschaft von anderen, und wir haben dieses überaus auffallende Ereignis gemeinsam beobachtet: es war gerade Ostern und Vollmondzeit und der Mond ging trotzdem bis auf die entgegengesetzte Seite des Himmels und verfinsterte die Sonne, obgleich die Zeit ihrer Konjunktur fern war. Und nach dem Ereignis, in der neunten Stunde, wanderte der Mond wieder an seinen Platz zurück, in Opposition zur Sonne! Erinnere ihn doch an die Einzelheiten! Er wird sich wohl entsinnen, wie wir staunten, weil der Mond von Osten her anfing, die Sonne zu überdecken, sich langsam über die ganze Sonnenscheibe legte - um dann auf dem gleichen eben zurückgelegten Weg wieder umzukehren, so daß Eintritt und Rückgang der verdunkelnden Scheibe sich nicht nach der gleichen Richtung bewegten, sondern nach der entgegengesetzten.
Epistola VII, PG III, 1081B (42), Übersetzung von Tritsch

Literatur:

CORDERIUS, Balthasar 1889: S. Dionysii Areopagitae Opera omnia quae exstans, Migne, Patrologia Graeca, Tom III, Paris

GRAUSBECK, Johann Adam 1835: Ausführliche Untersuchung über die Finsterniss bei dem Tode Jesu. Tübingen

TRITSCH, Walth 1956: Dionysios Areopagita. Mystische Theologie und andere Schriften mit einer Probe aus der Theologie des Proklus, Weisheitsbücher der Menschheit, München - Planegg