Objekt des Monats

aus dem Museum der Sternwarte Kremsmünster

Mai 2017


Herbarbeleg Dipsacus pilosus
Herbarbeleg von Dipsacus pilosus von der Dändlleiten in Kremsmünster

Etikettentext:

BOTANISCHES KABINETT DER STERNWARTE KREMSMÜNSTER
Dipsacus pilosus L.
Fundort: OÖ. Kremsmünster (2013), Stift Dändlleiten
bei den Fischteichen
Standort: Saum des Laubwaldes, gute Wasserversorgung über Kalkkonglomerat, südexponiert
ca. 360 m
Datum/Nr.: 900823/04 leg.: P. Amand Kraml
det.: AK
Flora Cremifanensis


Herbarbeleg von Dipsacus pilosus aus Kremsmünster

Dipsacus pilosus Kremsm
HOFSTÄDTER: Unter Gebüsch (in der Dändlleithn nicht häufig), im Schacher hie und da.

Verbreitungskarte von Dipsacus pilosus im Raum Kremsmünster, aus KRAML 2001

Dipsacus pilosus OÖ
Verbreitungskarte von Dipsacus pilosus in OÖ, aus KRAML 2007

Vielleicht sollte man den vielen begeisterten Besuchern der Landesgartenschau auch einmal vor Augen führen, was für die vielfach gerühmte Gartenschau alles zerstört wurde. Blindwütender gärtnerischer Gestaltungswahn hat dafür gesorgt, dass die Standorte einer ganzen Reihe von seltenen und kleinen Populationen im zuvor einigermaßen naturnahen Raum ausgerottet wurden. Neben der Beseitigung der Lebensmöglichkeiten für Dipsacus pilosus durch den Bau der Riesenrutsche mussten noch weitere ehemals bemerkenswerte Arten den Maßnahmen für die Einbringung völlig fremder Pflanzen weichen. Im Konventgarten ist dies z. B. Adoxa moschatelina, im Wassergraben Groenlandia densa, in der Dändlleiten Staphylea pinnata ... Die von verschiedenen Leuten im Wassergraben so gehassten Spirogyra- und Vaucheria-Arten wären eigenlich wunderschöne Pflanzen, die es auch verdienten, dass man für sie Schöpfungsverantwortung übernähme. Groenlandia densa und der schön blühende Ranunculus aus dem aquatilis-Aggregat sind zum Glück trotz aller Ausrottungsanstrengungen dank ihrer gut angepassten Diasporen schwer zu vertreiben. Dass mit der "Umgestaltung" auch die gesamte bisher vorhandene Biozönose zerstört wurde, konnte bald beispielhaft daran erkannt werden, dass man abends nirgendwo mehr das Grunzen eines Igels zu hören bekam. Vielleicht hätte halt Vater Igel für seine Familie eine Jahreskarte lösen sollen.
Dipsacus pilosus Kremsm Dipsacus pilosus Kremsm
Durch die Errichtung dieser Riesenrutsche wurde der Standort der in OÖ recht selten gewordenen Population von Dipsacus pilosus, der Borsten-Karde, vernichtet. Er befand sich genau dort, wo die Rutsche jetzt endet. Ein natürliches Wiederaufkommen dieser Pflanze ist auf Grund der gesetzten Maßnahmen nicht mehr möglich.
Fotos: P. Amand Kraml

Quellen und Literatur:

HOFSTÄDTER, Gotthard, 1862: Vegetations-Verhältnisse von Kremsmünster und Umgebung in: Programm des k. k. Gymnasiums zu Kremsmünster Bd. 12, 3-34.

KRAML, Gerhard (P. Amand) 2001: Flora Cremifanensis. Analyse historischer und aktueller Verbreitungsmuster der Farn- und Blütenpflanzen in der Umgebung von Kremsmünster (Oberösterreich) auf Grundlage einer Feinrasterkartierung, Diss, Universität Wien

KRAML, P. Amand 2007: Verbreitungsatlas der Farn- und Blütenpflanzen Oberösterreichs zusammengestellt für die Neubearbeitung der Roten Liste gefährdeter Farn- und Blütenpflanzen Oberösterreichs, Typoskrip, 2 Bde., Kremsmünster



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(c) P. Amand Kraml 2017-05-23
Letzte Änderung: 2018-09-18