Objekt des Monats

aus dem Museum der Sternwarte Kremsmünster

Mai 2001


Grabstein

Römischer Grabstein, 1999 gefunden bei der Kaplaneikirche Kirchberg, 60 x 45 x 20 cm
Foto: P. Amand Kraml


Römischer Grabstein

Grabstein total Nach Abschluss der Restaurierungsarbeiten in der Kaplaneikirche Kirchberg wurde ein römischer Grabstein an der N-Seite der Kirche im Traufenpflaster aufgefunden.
Es handelt sich um den siebten Römerstein im Bereich von Kremsmünster. In der Sternwarte wird schon seit langem eine Grabinschrift und ein Grablöwe gezeigt. Seit 1977 sind auch zwei Spolien aus dem alten Schankhof (dzt. Konviktshof genannt) ausgestellt: das Bruchstück einer Relief-Platte mit dem Inschriftfragment APO und eine Grabstele für ein Ehepaar. Diese beiden Römersteine wurden 1973 neben der nördlichen Stiftskirchenmauer freigelegt. Zwei weitere Spolien sind in situ im S-Turm (in der Michaelskapelle zu sehen): eine Grabädikula mit Dienerinrelief und ein Reiterrelief. Mit Ausnahme der Grabinschrift, deren Material als "Forellenmarmor" bezeichnet wird, sind alle Römersteine aus mehr oder weniger feinem Konglomerat gearbeitet, könnten also in unserer nächsten Umgebung angefertigt worden sein.
Der neue Römerstein stellt einen Mann (ohne Bart) und eine Frau (Haartracht noch zu klären) dar und ist mit etwa 920 n. Chr. zu datieren.
Der römische Grabstein von Kirchberg ist seit 27. April 2001 in der Antiken-Sammlung (Anthropologisches Kabinett im 5. Stock der Sternwarte) aufgestellt, eine Kopie davon ist in die dortige Friedhofsmauer eingefügt. In der Antiken-Sammlung sind jetzt nach Vorarbeiten von Dr. Verena Gassner und Dr. Sonja Jilek (Institut für Klassische Archäologie der Universität Wien) die Objekte aus der Römerzeit neben einigen Bildtafeln und Karten in vier neugestalteten Vitrinen zu sehen.
Die Sammlung ist (gemessen am Welser Stadtmuseum und dem Museum Lauriacum in Enns) weder vom Umfang noch von der Qualität des Materials als prächtig zu bezeichnen. Sie gibt aber einen Hinweis darauf, dass im Stift (auch im Zusammenhang mit dem Gymnasium) der Antike ein besonderes Interesse galt, und dass die Geschichte der näheren Umgebung vom römischen Weltreich wesentlich geprägt worden ist.
Das Konzept der Neuaufstellung sieht vor, dass die Römersteine von Kremsmünster vorgestellt werden und in den Vitrinen das Material nach folgenden Gesichtspunkten präsentiert wird:

  1. Schwerpunkt Mittelmeerraum
  2. Provinzialarchäologie im Raum Kremsmünster
  3. Provinzialarchäologie in Österreich: Alltagsleben
  4. Provinzialarchäologie: Architektur, Religion
Geplant ist mit einigen nachgebauten Modellen die römische Bauweise in unserer Gegend (z. B. ein Gutshof) und römische Technologie (Brennofen von Schauersberg) zu veranschaulichen.
Mit unserer Sammlungsstrategie wollen wir Befunde der Archäologie zur Römerzeit festhalten, wie wir dies auch mit den ur- und frühgeschichtlichen Sammlungen (siehe Schauraum im l. Stock der Sternwarte) verfolgen.
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(c) P. Jakob Krinzinger, 2001-05-11