Objekt des Monats

aus dem Museum der Sternwarte Kremsmünster

April 2000


Beryll

Beryll aus der "Katzensilbergrube" in Unterweißenbach (Austria, OÖ)
36 cm hoch, 12 kg schwer
Foto: P. Amand Kraml


Beryll

Nicht jeder Beryll ist ein Smaragd - und kann doch spektakulär sein.

"Smaragd in der Krone des Saint Louis aus dem Pinzgau?" In guten Tageszeitungen (Die Presse, 26. 2. 2000, S. IX; Neue Zürcher Zeitung, 1. 3. 2000), aber auch in der Fachzeitschrift "Lapis" (Nr. 3, 2000, S. 4) wurde von neuen Erkenntnissen in der Erforschung der Smaragde berichtet und sehr Interessantes über das Vorkommen im Habachtal gebracht. Im Mineralogischen Kabinett der Sternwarte finden wir einige Stücke, auch von anderen Fundpunkten.

Recht bemerkenswert ist aber das Beryllvorkommen in Pegmatiten des Mühlviertels. Wir haben in unserer respektablen oö. Mineraliensammlung (mehr als 1000 Stück von etwa 60 verschiedenen Mineralien; es kommen in Oberösterreich nur rund 150 Mineralien vor) einige sehr schöne Exemplare aus Zissingsdorf bei Neumarkt / M., aus dem Quarzbruch von Mötlas bei Königswiesen und aus dem Steiningerbruch am Luftenberg. Das spektakulärste Objekt ist aber ein Beryll aus der "Katzensilbergrube" in Unterweißenbach, und zwar wegen seiner Größe. Es handelt sich um ein Bruchstück eines Kristallstockes, 35 cm hoch und 12 kg schwer.
Dieses Aggregat war bereits zum Versand in die USA als Gastgeschenk bestimmt. Otmar Wallenta gelang es, das zu verhindern und so für Oberösterreich zu bewahren. Aus der "Katzensilbergrube" wurden noch um 1949 schwere Stücke (über 100 kg) auf Halde gegeben. Eine Verarbeitung zur Beryllgewinnung kam nicht in Frage, wie dies auch in der Oberpfalz (Feldspatgrube Maier bei Püllersreuth) aus Rentabilitätsgründen nicht der Fall war (siehe Elmar Linhardt, Der Beryllpegmatit).

Beryll: Härte 5,7 - 8; Ausbildung: Kristalle (hexagonal, meist prismatisch); derbe, körnige und radialstrahlige Aggregate; Chemismus: BeO 13,96%, Al2O3 18,97%, SiO2 67,07%, diverse Beimengungen; Genese: pegmatitisch, hydrothermal-pneumatolitisch, metamorph.
Übrigens: Im Altertum wurde Beryll zu optischen Linsen geschliffen und als Brille verwendet. Bekannt war der Beryll des Kaisers Nero.


Literatur:

HUBER S. u. P. 1977: Mineralfundstellen, Bd. 8; München

Linhardt, Elmar 2000: Der Beryllpegmatit der Feldspatgrube Maier, Püllersreuth; in: Lapis Nr. 3, März 2000, 13 - 23

WALLENTA O. 1988: Mineralogische Notizen aus Oberösterreich II, OÖ. Geonachrichten, 3. Jg. 1988; S. 4

ZIRKL E. J. 1995: OÖ. Mineraliensammlung Otmar Wallenta, Heft Nr. 31 der Berichte des Anselm Desing Vereins, Dezember 1995, Kremsmünster

Duda R., Rejl L., Slivka D. 1991: Mineralien, dt. Ausgabe, Augsburg


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(c) P. Jakob Krinzinger, 2000-04-12